12 atemberaubende Bilder aus dem „Königreich des ewigen Winters“

Oleg Worobjow
In der Kungur-Eishöhle im Permer Gebiet im Ural ist praktisch das ganze Jahr über Winter. Russia Beyond nimmt Sie mit auf eine Tour durch den jahrhundertealten Eiswald.
Riesige Stalaktiten hängen über den Köpfen, uralte Eisblöcke liegen im Raum verstreut. Dazwischen erstrecken sich scheinbar bodenlose Seen. Die Kungur-Eishöhle in den Bergen des Mittel-Urals ist ein 40 Meter langer Permafrost-Tunnel und teilweise um die 300 Jahre alt.

Die älteste, touristisch erschlossene Höhle Russlands liegt etwa 50 Kilometer von Perm entfernt. Entdeckt wurde sie 1703 während einer Expedition des sibirischen Historikers Semjon Remesow. Einheimische erzählten ihm damals, der mysteriöse sibirische Herrscher Jermak überwintere in jenen Höhlen.
Remesow fand dann eine Chronik mit Zeichnungen und entwarf die erste Karten der Höhle. Laut seinen Angaben nannten die Einheimischen die Höhle „Welt des Schöpfers“ und stellten darum zahlreiche orthodoxe Symbole und Ikonen auf.

Heute steht in der Höhle noch ein solches Kreuz, das den Aufzeichnungen Remesows entsprechend rekonstruiert werden konnte.

Das Tunnelsystem ist 3,5 Kilometer lang, aber nur ein Drittel ist für Touristen geöffnet. Insgesamt sind bislang 48 Grotten erschlossen worden. Im Zentrum der Höhle herrscht Sommer wie Winter eine Temperatur von 5 °C. Nur in Randlagen kann sie variieren - von -15 °C im Winter bis zu -2 °C im Sommer.

Das wachsende Eis verändert die Höhle ständig. Vor 70 Jahren noch mussten die Menschen Tunnel in das Eis schlagen, um das System erforschen zu können.

Die Eisblöcke wachsen jeden Winter weiter: Wenn wärmere Luft aus den Tiefen der Höhle an die Oberfläche strömt, entstehen dort durch Schmelzen und erneutes Gefrieren traumhafte Eiskristalle.
Wie in Tropfsteinhöhlen heißen die hängenden Eiszapfen hier Stalaktiten, die stehenden Eissäulen Stalagmiten. Diese werden als „Saison-Eis“ bezeichnet, weil sie sich jeden Sommer neu bilden. Außerdem überzieht dann eine schwere Eisschicht viele Räume und bildet sogenannte Frostseen.
Heute ist die Höhle mit Wegweisern und Lichtern ausgestattet. Aber ursprünglich konnten sich Besucher in den dunklen, kalten Gängen leicht verlaufen. Bis Rettung kam, dauerte es meist lange. Noch vor 100 Jahren bekamen Besucher darum nach fünfstündigen Höhlentouren 100 Gramm Wodka zum Aufwärmen.

Zur Touristenattraktion machte die Höhle dann Alexander Chlebnikow, der sie 1914 mietete und die ersten Untergrund-Führungen anbot. Damals musste man noch Hunderte Meter vom einzigen Eingang ins Innere der Grotte kriechen.

Dort in der großen Grotte befindet sich ein großer unterirdischer See, in dem die Anwohner der Gegend bis heute noch jährlich zum Feiertag der „Taufe des Herrn“ am 19. Januar ins Eiswasser tauchen.
Chlebnikow unterhielt seine Besucher damals schon mit einer spektakulären Lichtshow: Erst müssen die Besucher ihre Lampen ausschalten und einige Zeit in Dunkelheit ausharren. Dann wirft der Tourleiter grelles rotes Licht an die Eiswände. Bis heute wiederholen die Touristenführer dieses Schauspiel.

Mehr beeindruckende Sehenswürdigkeiten der Ural-Region stellen wir Ihnen hier vor:

>>> Avantgardistische Ural-Metropole: Fünf Konstruktivismus-Meisterwerke in Jekaterinburg

>>> Russlands "Teufelsstadt": Wer hat sie errichtet und wer lebt heute dort?

>>> Der Fall des „Todesturms“: Die letzten Tage des Anti-Symbols der Ural-Stadt Jekaterinburg

>>> Wochenende in Perm: Zwei Tage für einen bunten Ural-Reiseflirt

>>> Planschen im Salzbad: Vergnügen hoch vier in historischem Ural-Städtchen

>>> Berlin und Paris im Süd-Ural: Wie kamen die „europäischen Dörfer“ nach Russland?

>>> Russlands "Tschernobyl" in Bildern: Was von Tscheljabinsk-40 heute übrig ist

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!