Doping in Sotschi: Whistleblower droht Strafverfahren

Während der Olympischen Spiele in Sotschi soll Rodtschenkow gemeinsam mit seinen Kollegen die verunreinigten Proben russischer Sportler gegen sauberen Urin ausgetauscht haben.

Während der Olympischen Spiele in Sotschi soll Rodtschenkow gemeinsam mit seinen Kollegen die verunreinigten Proben russischer Sportler gegen sauberen Urin ausgetauscht haben.

Vitaly Belousov / TASS
Viele haltlose Vorwürfe und keine Fakten. So schätzen russische Experten die Enthüllungen Grigori Rodtschenkows ein. Politiker fordern strafrechtliche Maßnahmen gegen den ehemaligen Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors.

Nach dem Interview Grigori Rodtschenkows mit der New York Times sei ein Strafverfahren gegen den ehemaligen Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors durchaus denkbar, sagte der Duma-Abgeordnete, Dmitri Swischtschew. Rodtschenkow sagte der New Yorker Zeitung, er habe 15 Olympia-Sieger bei den Sotschi-Spielen 2014 mit Doping versorgt.

„Ich bedauere sehr, dass unsere Gesetzgebung bis heute keine Strafbarkeit wegen Anstiftung zum Doping vorsieht. Wenn er (Rodtschenkow) das gemacht hat, muss er dafür gerichtlich belangt werden“, erklärte der Abgeordnete gegenüber dem Onlineportal R-Sport.

In seinem Interview sagte Rodtschenkow, er habe einen Steroiden-Cocktail für die Sportler gemixt, der in Alkohol aufgelöst worden sei, damit er schneller ins Blut gelange.

Während der Olympischen Spiele habe er gemeinsam mit seinen Kollegen die verunreinigten Proben russischer Sportler gegen sauberen Urin ausgetauscht. Die Kolben mit der Flüssigkeit seien durch ein hinter einem Schrank verstecktes Loch in der Laborwand weitergereicht worden. Russische Geheimdienste sollen laut Rodtschenkow an den Aktionen beteiligt gewesen sein.

Persönliche Motive

Unter den von Rodtschenkow genannten Sportlern sind auch russische Top-Athleten, wie der Bobfahrer Alexander Subkow und der Skisportler Alexander Legkow. Beide haben Rodtschenkows Vorwürfe bereits als Verleumdung zurückgewiesen.

Russlands Sportminister Witali Mutko stärkte den Sportlern den Rücken und führte Rodtschenkows Enthüllungen auf dessen persönliche Kränkung zurück: „Das sind Ausführungen eines Menschen, der selbst beschuldigt wurde. Ein gekränkter Mensch kann eben alles Mögliche dahinreden“, betonte der Minister.

Ein persönliches Interesse an den Enthüllungen sieht auch der Sportrechtler Waleri Fedoreew. Rodtschenkow wolle vom Skandal profitieren, um eine Aufenthaltserlaubnis für die Vereinigten Staaten zu bekommen. „Er riskiert seinen Ruf zu verlieren, falls seine Behauptungen sich als unwahr erweisen. Doch dieses Risiko geht er bewusst ein“, sagte der Experte im Gespräch mit RBTH.

Zu dreist, um wahr zu sein

Rodtschenkows skandalöse Enthüllungen würden, so Fedoreew weiter, von der Wada zum Anlass genommen, weitere Untersuchungen hinsichtlich Russlands einzuleiten. Dabei seien bislang lediglich haltlose Anschuldigungen geäußert worden: „Ich sehe keine Fakten. Bei der Olympiade in Sotschi wurde die Kontrolle über russische Proben extra verstärkt, auch aus politischen Motiven. Mit der Überprüfung der Proben wurden internationale Spezialisten beauftragt“, sagt der Sportexperte. „Sie hatten Zutritt zu ausnahmslos jedem Raum. Einen derart massiven Probentausch hinter ihrem Rücken zu vollziehen, wäre sehr schwierig“, betont er.

 

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