Neustädter: „Russische Vereine interessieren sich bisher nicht für mich“

Roman Neustädter.

Roman Neustädter.

George Simmonz/RIA Novosti
Der Fußballprofi Roman Neustädter spielt ab sofort für die russische Nationalmannschaft und gab dafür seine deutsche Staatsbürgerschaft auf. Im Interview spricht er über seine Entscheidung, seine Wünsche für die Zukunft und die ersten Kontroversen mit seinen neuen Teamkollegen.

R-Sport: Wie schwer fiel es Ihnen, auf die deutsche Staatsbürgerschaft zu verzichten? Sie haben bekanntlich bis zuletzt darum gerungen, den deutschen Pass zu behalten.

Roman Neustädter: Natürlich hätte ich die deutsche Staatsbürgerschaft gerne behalten. Zuerst habe ich einen Antrag gestellt, um den russischen Pass zu bekommen und den deutschen zu behalten. Die deutschen Behörden aber haben eine doppelte Staatsbürgerschaft abgelehnt. Zunächst wusste ich nicht, was ich machen soll, habe lange nachgedacht. Letztendlich habe ich mich aber dazu entschlossen, den russischen Pass anzunehmen. Meine Wurzeln liegen in Russland, meine Mutter ist Russin, meine Tante und Großmutter leben in Russland.

 

Sie wissen ganz bestimmt um das schwierige Verhältnis zwischen Russland, der Ukraine und der Europäischen Union. Verstehen Sie, dass man Ihren Fall für politische Zwecke missbrauchen kann?

Ich sage ganz ehrlich, dass ich diese ganze politische Entwicklung nicht mitverfolgt habe. Ja, ich habe jetzt einen russischen Pass, aber ich bin mir sicher, dass gerade in Deutschland niemand damit ein Problem haben wird. Falls es doch Probleme gibt, kann man mit mir reden.

Ihre Aussage über die ukrainische Nationalmannschaft hat wohl am meisten für Aufregung gesorgt. Vor einigen Jahren haben Sie erklärt, mit dem Herzen nur für die Ukraine spielen zu können. Wie ist das zu verstehen?

Klar, zwischen der Ukraine und Russland gibt es einen Konflikt. Das Thema kommt ständig auf. Aber das war vor vier oder fünf Jahren. Ich war jung, und habe unüberlegt gehandelt. Wie ich schon oft gesagt habe: Eine Einladung aus der Ukraine hatte ich nie, ich habe mit niemandem gesprochen. Journalisten haben versucht, mich in ein Team zu pressen.

 

Hat man in der Nationalmannschaft über Ihr hockendes Bild bei Instagram Witze gemacht?

Die Jungs haben gleich gefragt: „Warum sitzt du da so?“ Ich habe geantwortet, dass in Russland doch alle so sitzen. Jedenfalls glaubt man in Deutschland, dass diese Position in Russland normal ist. Dann kam Wassja Beresuzki zu mir und fragte, wieso ich sowas sagen würde. In Russland mache das niemand. Aber woher soll ich das wissen? Jedes Mal, wenn ich mit meinem Opa beim Fischen war, haben wir so gesessen. Das war normal.

Wissen Sie, wen man Gopniki nennt?

Nö, wer ist das?

So nennt man Asoziale, Kleinkriminelle.

Ach so! Vielleicht sticheln deswegen alle gegen mich. Aber ich bin kein Gangster. Ich wollte einfach nur mal so sitzen.

 

Das Tattoo auf Ihrer Brust „Blessed to be a dreamer“ heißt auf Deutsch so viel wie „Gesegnet, ein Träumer zu sein“. Welchen Kindheitstraum hatten Sie?

Ich habe davon geträumt, Fußballer zu werden, weil mein Vater Fußball gespielt hat. Heute bin ich sehr froh, dass ich so leben kann, wie ich lebe. Ich war mal in Mumbai, habe gesehen, wie die Menschen dort leben. Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass mein eigenes Leben so ist, wie es ist.

In den Medien tauchten Berichte auf, dass die russischen Vereine Zenit Sankt Petersburg und ZSKA Moskau Interesse an Ihnen zeigen. Ist das wahr?

Ich weiß, dass sich einige Vereine für mich interessieren. Aber darunter ist keiner aus Russland. Ein Verein ist aus Deutschland, einer aus einem anderen europäischen Land. Aus Russland habe ich bis jetzt nichts gehört.

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