Russland startet Handel mit neuer Ölsorte

Experten meinen, dass die Ölmarke nicht viele Käufer finden wird.

Experten meinen, dass die Ölmarke nicht viele Käufer finden wird.

Jegor Alejew/TASS
Russland bringt eine neue Ölsorte auf den Markt. Der Preis soll sich an dem der Rohölsorte Brent orientieren, die deutlich teurer ist als die bekannten russischen Sorten Urals und Espo. Abgerechnet werden soll in Rubel. Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass sich viele Käufer darauf einlassen werden.

In diesem Monat plant Russland, eine neue Erdölsorte auf den Markt zu bringen. Das gab Dmitrij Machonin, Leiter des Föderalen Antimonopoldienstes (FAS), der russischen Wirtschaftszeitung „RBC Daily“ zufolge bekannt. Unter welchem Markennamen die neue Sorte verkauft werden wird, steht noch nicht fest. Ihr Preis soll an den der Rohölsorte Brent gebunden sein, so Machonin. Gehandelt wird sie in Rubel, ungeachtet der hohen Volatilität der russischen Währung und der starken Kursschwankungen gegenüber Euro und US-Dollar.

Derzeit wird vor allem russisches Erdöl der Marken Urals und Espo verkauft. Abgerechnet wird in US-Dollar. Gegenüber dem Marktführer Brent sind die russischen Rohölsorten günstiger, auf sie gibt es einen Nachlass. Gründe dafür sind unzureichende Liefergarantien und ein fehlender einheitlicher und transparenter Mechanismus zur Preisgestaltung. Russische Beamte gehen davon aus, dass die Einführung einer neuen Marke den Verkauf russischen Erdöls ankurbeln wird und auch die Preise steigen werden. Das Handelsvolumen soll deutlich erhöht werden.

Die Entwicklung einer neuen Erdölmarke begann im Juni 2014, als das russische Ministerium für Energiewirtschaft eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des stellvertretenden Ministers Kirill Molodzow und unter Beteiligung von Beamten und Vertretern  russischer Erdölgesellschaften einrichtete. Im September kündigte Molodzow auf einer Konferenz zum globalen Ölmarkt an, dass der Börsengang der neuen Erdölmarke für  Ende 2015 bis Mitte 2016 geplant sei. Zunächst soll eine Testphase starten. Wie sich die neue Ölsorte zusammensetzen wird, ist noch nicht bekannt.

Pjotr Daschkewitsch, Analyst bei UFS IC, geht davon aus, dass die neue russische Sorte einen niedrigeren Schwefelgehalt haben wird als Urals. Den höheren Preis für Brent gegenüber Urals erklärt er mit einem geopolitischen Risikoaufschlag.

Der Käufer bestimmt die Vertragsbedingungen

Die geplante Abrechnung in Rubel sehen Experten kritisch. Georgi Waschtschenko, Direktor der Abteilung Russischer Kapitalmarkt bei Freedom Finance, hält es für unerheblich, ob das Öl in Rubel oder einer Fremdwährung gehandelt wird. „In einer Marktwirtschaft werden die Bedingungen vom Käufer diktiert. Zurzeit kauft dieser Erdöl gegen US-Dollar und sichert seine Risiken mit Derivaten auf der Basis des US-Dollars ab.“

Seiner Meinung nach werden nicht viele Käufer bereit sein, ein Währungsrisiko mit dem Rubel einzugehen, vor allem angesichts dessen, dass Rubelderivate illiquide und kaum zugänglich sind. Daher wird sich der Handel auf eine geringe in Russland geförderte und für die südostasiatischen Märkte bestimmte Menge beschränken, schätzt Waschtschenko. Im besten Fall geht der Experte von einigen hunderttausend Barrel pro Tag aus. Weniger als eine Million US-Dollar pro Tag dürfte das Handelsvolumen betragen.

Laut Pjotr Daschkewitsch werden die Exporteure nun zum Verkauf der Fremdwährungserträge gegen Rubel gezwungen. Dies sei ein Vorschlag, der schon Ende 2014 als Maßnahme zur Rubel-Stabilisierung diskutiert worden sei. „Eine solche Maßnahme könnte den Rubel zu einer wirklich stabilen Währung machen, allerdings entgeht dem Staat dadurch der Abwertungsgewinn“, meint Daschkewitsch. Das heißt, der russische Staat profitiere in diesem Fall nicht mehr von den Kursschwankungen, bei der bei jeder Abwertung der Landeswährung preiswert Rubel in den Staatshaushalt gespült wurden.

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