Steuerparadies: Russisches Geld liegt jetzt auf den Bahamas

Die Bahamas haben Zypern als beliebteste Steueroase abgelöst.

Die Bahamas haben Zypern als beliebteste Steueroase abgelöst.

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Ausländische Direktinvestitionen in Russland kamen in der ersten Hälfte des Jahres 2015 vor allem von den Bahamas. Damit haben die Karibikinseln das griechische Zypern als Steueroase abgelöst.

2,3 Milliarden US-Dollar flossen in der ersten Hälfte 2015 von den Bahamas in russische Investitionsprojekte. Das entspricht nach Angaben der russischen Zentralbank rund der Hälfte aller Anlagen im Grundkapital (1,3 Milliarden US-Dollar) und 18 Prozent der reinvestierten Gewinne (eine Milliarde US-Dollar). Investitionen aus Zypern, von wo aus bislang das meiste ausländische Kapital nach Russland floss, gingen dagegen zurück. Damit haben die Bahamas Zypern als beliebteste Steueroase wohlhabender Russen abgelöst.

Was die Bahamas zum Steuerparadies macht

  • keine Einkommensteuer
  • keine Kapitalzuwachssteuer
  • keine Gewinn-, Dividenden- und Nachlasssteuern
  • keine Absatzsteuer
  • keine Devisenbewirtschaftung
  • kein Einfuhrzoll auf Lizenzgebühren, Technik und Rohstoffe für Exporteure gemäß dem Gesetz über die Industrieförderung

Zypern fehlt die Unabhängigkeit

Das hängt nach Meinung von Experten unter anderem mit der EU-Integration Zyperns zusammen. „Zypern hat seine juristischen und steuerlichen Gesetze an die Normen der Europäischen Union angepasst“, sagt Emil Martirosjan, Dozent am Institut für Betriebswirtschaft und Geschäftsführung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst. Zypern begann damit 2013, als es eine einmalige Gebühr für Depositen in Höhe von 30 Prozent einführte. Zu viel für die Anleger, wie Artjom Denisow, Partner in der Anwaltskanzlei Genesis, feststellt: „Viele russische Geschäftsleute sahen sich offenbar gezwungen, nach alternativen Anlageplätzen zu suchen.“

Die Bahamas sind weder Mitglied der EU, noch sind sie dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen oder der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft angeschlossen. Sie sind unabhängig von vergleichbaren Zusammenschlüssen. Sie haben sich zudem nicht an Sanktionen gegen Russland beteiligt. Zypern, die Niederlande oder Luxemburg mussten sich dagegen dem Diktat der EU unterwerfen. Und: Auf den Bahamas gelten besondere Bestimmungen britischen Rechts zum Schutz des Privatvermögens.

Emil Martirosjan bemerkt, dass den größten Teil des Wertes der Direktinvestitionen geistiges Eigentum ausmacht. „Das, was wir in der Statistik der Zentralbank sehen, ist kein Kapital, das nach Russland geflossen ist, sondern vielmehr Rechte an geistigem Eigentum wie Handelsmarken, Patente, Know-how“, sagt der Ökonom. Der Experte meint, dies deute auf künftige Übernahmegeschäfte hin.