Wirtschaftskrise und Sanktionen eröffnen neue Chancen im Russlandgeschäft

9. August 2017 Ksenija Subatschowa
Die Branchen Landwirtschaft und IT boomen infolge der gegenseitigen Wirtschaftssanktionen. Unternehmen sollten diese Chance nutzen!

Welche Branchen lohnen sich besonders?

Laut Anastassija Newskaja, Wissenschaftlerin am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen an der Russischen Akademie der Wissenschaften, gibt es gegenwärtig zwei Branchen, die sich für ausländische Geschäftsleute besonders lohnen.

Die erste ist die Landwirtschaft. Durch die Sanktionen und die verstärkten Versuche, sich unabhängig von Importen zu machen, boomt die heimische Agrarproduktion in Russland momentan. Auch mit der Landwirtschaft verbundene Wirtschaftsbereiche wie beispielsweise die Herstellung von Landmaschinen wachsen dadurch. Unternehmer und Investoren haben hier gute Chancen, profitabel einzusteigen.

Das Gebiet um Krasnodar gilt als Russlands neue Kornkammer. / Vitaliy Timkiv/RIA NovostiDas Gebiet um Krasnodar gilt als Russlands neue Kornkammer. / Vitaliy Timkiv/RIA Novosti

Die zweite Branche ist die Informationstechnologie. Russische Programmierer, Informatiker und Mathematiker sind international hoch angesehen und können gerade im Bereich der künstlichen Intelligenz große Erfahrungen vorweisen. Sowohl für einmalige Aufträge als auch für längerfristige Tätigkeiten oder Startup-Projekte, können Unternehmen von russischen Experten profitieren, unter anderem auch weil sie trotz gleichguter Leistungen zwischen drei und fünf Mal günstiger sind als westliche Anbieter.

Ansonsten kann man die beiden Bereiche natürlich auch vermischen, schließlich überlegen auch viele Landwirtschaftskonzerne, wie sie ihr Geschäft mit moderner Technologie optimieren können. Kendrick White, Gründer und Geschäftsführer der Investmentberatung Marchmont Capital Partners denkt beispielsweise, dass modernste Technologie ein zukunftsfähiger Weg in Richtung nachhaltigere und trotzdem wirtschaftliche Landwirtschaft sei.

Erfolgsfaktoren beim Investieren in Russland

Ob ein Geschäft in Russland erfolgreich ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter die eigenen Geschäftsinteressen, die Höhe der Investition und auch der Ort des Geschäfts.

Artem Deev, leitender Analyst bei der Moskauer Finanzberatung AMarkets erklärt, es gebe auf dem russischen Markt viele Nischen, von High-Tech bis zu Einzelhandel oder Gastronomie. Diese Nischen gelte es zu finden.

Ein Beispiel hierfür ist der russische Online-Außenhandel, der dank Digitalisierung momentan stark wächst. Das auf Import und Export spezialisierte Onlinehandelsportal shiptor.com schätzt, dass der Wert im Internet international gehandelter russischer Konsumgüter sich bis 2020 auf vier Milliarden Euro erhöhen wird (2016 waren es noch zwei Milliarden).

Bekleidung, Schuhe, Kunsthandwerk und Elektronik aus russischer Produktion könnten sich sogar ohne Auslandsinvestitionen auf dem internationalen Markt behaupten und seien für hohe Qualität und niedrige Preise bekannt und geschätzt. Investitionen bei den oft kleinen oder mittelständischen Herstellern solcher Güter seien häufig lohnenswert, so Andrej Ljamin, Entwicklungschef bei shiptor.com.

Immer mehr kleine Betriebe machen jetzt auch richtigen Käse nach westlichem Vorbild. / Alexey Filippov/RIA NovostiImmer mehr kleine Betriebe machen jetzt auch richtigen Käse nach westlichem Vorbild. / Alexey Filippov/RIA Novosti

Besonders viel zu holen sei aufgrund der vermutlich noch länger andauernden Sanktionen jedoch in den Branchen, die langfristig Importe ersetzen könnten sagt Dimitri Elkin, Partner beim privaten Aktienfond Twelve Seas Capital, der sich auf grenzüberschreitende Transaktionen in den Ländern der ehemaligen UdSSR spezialisiert hat. Zu den gemeinten Branchen gehören die Automobilindustrie, der Flugzeugbau, die Holzindustrie, der Landmaschinenbau und die Straßenbautechnik. Die Beteiligungsgesellschaft Sistema Finance schätzt, dass gerade in diesen Sektoren der Anteil importierter Erzeugnisse bis 2020 deutlich zurückgehen wird.

Russische Qualitäten

Neben den Sanktionen wird auch die wachsende Erfahrung russischer Anbieter als Grund für diese Entwicklung genannt. Ein weiterer Vorteil russischer Anbieter seien laut Artem Deev die niedrigen Lohnkosten, die gerade in Branchen die viel Manpower verlangen erhebliche Vorteile mit sich bringen würden.

Neben diesen „harten“ Vorteilen bietet eine Investition in Russland auch die Möglichkeit, internationale Geschäftsbeziehungen zu stärken, was in einer immer stärker vernetzten Weltwirtschaft sehr wichtig werden kann. Internationale (auch russische) Handelspartner sind entsprechend auch eine großartige Möglichkeit, sein eigenes Geschäft durch neues Know-how voranzubringen, weswegen Russland-Experte Kendrick White empfiehlt, die Politik beim Knüpfen neuer Handelskontakte einfach zu vergessen.

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