Rekordverdächtig: Ausländische Investoren strömen nach Russland

Präsident Putin zuversichtlich über Perspektiven der russischen Wirtschaft beim 21. Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in St. Petersburg.

Präsident Putin zuversichtlich über Perspektiven der russischen Wirtschaft beim 21. Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in St. Petersburg.

Reuters
Ausländische Investoren sind mittlerweile an über 200 Projekten in Russland beteiligt. Laut einer Untersuchung von Ernst & Young ist das ein historischer Rekordwert.

Auch seit Anfang 2017 nimmt der Zustrom ausländischer Investitionen weiter zu. Dies betonte auch Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem 21. Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg Anfang Juni. „Im ersten Quartal betrug der Zufluss der direkten Auslandsinvestitionen in die einheimische russische Wirtschaft sieben Milliarden US-Dollar. Ich möchte anmerken, dass dies der beste Wert der letzten drei Jahre ist“, so Putin.

Präsident Putin spricht zuversichtlich über ausländische Investitionen in der russischen Wirtschaft beim Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in St. Petersburg.Präsident Putin spricht zuversichtlich über ausländische Investitionen in der russischen Wirtschaft beim Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in St. Petersburg.

Damit wachse auch das russische Bruttoinlandsprodukt das dritte Quartal in Folge. Nach vorläufigen Schätzungen im April um bis zu 1,4 Prozent betragen. „Schon jetzt können wir sagen, dass in der Wirtschaft eine neue Aufschwung-Phase begonnen hat“, sagte Putin zuversichtlich. Sowohl der Pkw-Absatz als auch die Erteilung von Baufinanzierungskrediten haben zugenommen – das seien die wichtigsten Anzeichnen dafür, dass die Wirtschaft in Fahrt komme.

Investitionsrekorde

Russland liegt nun unter den bei ausländischen Investoren besonders beliebten europäischen Ländern auf dem siebten Platz, wie die  Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsfirma Ernst & Young in ihrem Rating vom  1. Juni angibt.

Im Jahre 2016 stieg die Zahl der durch ausländische Investitionen angekurbelten Projekte in Russland auf 205  – das ist der höchste Wert seit 2005, als die Studie initiiert worden war. Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Projektabschlüsse unter Beteiligung ausländischen Kapitals in Russland gar um 61 Prozent gestiegen. Innerhalb nur eines Jahres hat Russland damit in der Rangliste sogar Belgien überholt, das mit einem Wachstum von nur fünf Prozent eher eine sinkende Dynamik zeigte und vom sechsten auf den achten Platz zurückfiel.

Als am attraktivsten für Investoren in Russland erwiesen sich die Bereiche Verkauf und Marketing, auf die 46 Prozent aller Projekte unter Beteiligung direkter ausländischer Investitionen entfielen. Auf dem zweiten Platz lag die Produktion, auf dem dritten die Logistik.

Wer investiert in Russland?

Deutschland und die USA sind bei den Investitionsprojekten in Russland führend. „Die Zahl deutscher Projekte stieg um fast 20 Prozent – von 36 auf 43. Auch für die USA war 2016 in Russland ein Rekordjahr: Die Zahl der Projekte US-amerikanischer Unternehmen betrug 38 und wuchs damit um 31 Prozent – das ist der höchste Wert seit Beginn dieser Untersuchungen“, bemerkt Alexander Iwlew, geschäftsführender Partner von E&Y in Russland.

Westeuropa bleibt damit einer der wichtigsten Investoren für die russische Wirtschaft. 2016 waren Unternehmen aus dieser Region an 98 Projekten beteiligt, nur leicht unter dem Wert von 100 Projekten des Vorjahrs. Französische Investoren bleiben mit 20 Projekten auf dem Niveau von 2015 und 2016. Die Investitionsaktivität italienischer Unternehmen allerdings sank auf fast die Hälfte – von zwölf auf sieben Projekte. In der Führungsgruppe europäischer Investoren in Russland trat Italien damit seinen Platz an Österreich ab: Österreichische Unternehmen investierten im Vorjahr in neun Projekte in Russland.

Russlands großes Potential liegt aber noch in der weiteren Akquise von Investitionen aus Asien und dem Nahen Osten, glaubt Artur Parfentschikow, kommissarisches Oberhaupt der Autonomen Republik Karelien in Nordrussland. „In diesem Jahr könnten die Investitionen weiter um 20 bis 30 Prozent steigen“, sagt er, „Wir verfügen über einen großen Binnenmarkt mit riesigem Potenzial, der für Investoren aus Asien und dem Nahen Osten attraktiv ist.“ Das Interesse der ausländischen Investoren an Russland hat nach Ansicht Parfentschikows vor allem aufgrund des steigenden Erdölpreises, des sich konsolidierenden Rubels und der geringeren bürokratischen Hürden zugenommen, glaubt er.

Die E&Y-Studie stellt derweil auch fest, dass sich das vergangene Jahr durch eine erhöhte Aktivität chinesischer Investoren in Europa auszeichnete. 2016 investierten chinesische Unternehmen in 297 Projekte in Europa – 25 Prozent mehr als 2015.

„Der Kapitalzufluss hat mit dem niedrigen Vergleichsniveau zu tun: In den vergangenen Jahren machten die Investoren aufgrund der Kursschwankungen des Rubels, der geopolitischen Spannungen und der zweistelligen Inflation einen Bogen um Russland“, sagt Timur Nigmatullin, Finanzanalyst der Unternehmensgruppe Finam.

Da sich die Lage nun aber allmählich normalisiere, kehre das Interesse zurück. Dabei entfalle aber ein großer Teil des Investitionsvolumens auf Deutschland und Frankreich, bemerkt Nigmatullin. China und die arabischen Länder haben es offenbar noch nicht sonderlich eilig, ihr Geld in solchen Größenordnungen in Russland zu investieren.

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