Sonnenkraft aus Russland: Wie im kältesten Land der Welt Solaranlagen hergestellt werden

Die Photovoltaikanlage Kosch-Agatsch in der Republik Altai.

Die Photovoltaikanlage Kosch-Agatsch in der Republik Altai.

Alexandr Kryazhev/RIA Novosti
Sonnenenergie ist in Russland noch nicht sehr populär, doch das Interesse steigt. Das Unternehmen Hevel hat Solarmodule mit einem weltweit höchsten Wirkungsgrad von 22 Prozent entwickelt.

Russische Solarkraftwerke – ein Überblick

Der Anteil der Solarenergie an der gesamten Energieproduktion beträgt in Russland nur 0,03 Prozent. Bei der Stromerzeugung werden vorwiegend traditionelle Energiequellen mit höherem Wirkungsgrad eingesetzt: Gas, Öl, Wasser und Atom. Doch in den letzten drei Jahren entwickelte sich die Gewinnung von Energie aus der Sonne mit beschleunigtem Tempo.

Im Jahr 2014 wurde das erste Solarkraftwerk errichtet. Heute gibt es bereits zwölf Stationen und weitere 13, die an das landesweite Stromnetz angeschlossen werden sollen, befinden sich im Bau. Die Gesamtkapazität ist immer noch bescheiden - 150 Megawatt im Vergleich zu 300 Gigawatt bei den ausländischen Kraftwerken.

Das Sonnenkraftwerk Kosch-Agatsch in der Republik Altai wurde 2014 in Betrieb genommen werden.

Mit dem Anstieg der Effizienz der Solarkraftwerke ist es rentabel geworden, diese in Regionen aufzubauen, die von anderen Energiequellen abgeschnitten sind, jedoch gleichzeitig über eine gute Sonnenstrahlung verfügen. Auch in einigen Regionen Sibiriens beträgt, trotz der niedrigen durchschnittlichen täglichen Temperaturen, die Anzahl der Sonnentage pro Jahr 300.

Zusätzlich zu den Solarstationen die an das nationale russische Energienetz angebunden sind, gibt es auch autonom arbeitende Kraftwerke. So fließt Strom von einer kleinen Station auf der legendären Insel Walaam (645 Meilen nördlich von Moskau) in die Gewächshäuser des lokalen Klosters.

Eine kleine Station auf der Insel Walaam

  • Auf der Krim gibt es 13 Solarstationen mit einer Gesamtkapazität von 400 Megawatt, die jedoch nicht an das einheitliche Energiesystem Russlands angeschlossen sind und nur auf der Halbinsel arbeiten. Diese Stationen wurden 2011-2012 von der österreichischen Firma Activ Solar gebaut. Die Projekte erhielten Kredite von mehreren Banken, die darauf hofften, ihre Investition durch einen speziellen „grünen Tarif” zurückzubekommen, der damals von der ukrainischen Regierung beschlossen wurde. Doch nach der Verfügbarkeit der billigeren Elektrizität aus russischen Wärmekraftwerken erwiesen sich diese Stationen als unrentabel. Jetzt arbeiten sie nur im Teilbetrieb und ihre Perspektive ist unklar.

Neue Technologien

Fast alle Sonnenkraftwerke Russlands wurden vom Unternehmen Hevel gebaut. In den nächsten Jahren sollen 334 Megawatt starke Solarstationen in verschiedenen russischen Regionen in Betrieb genommen werden. Deren Bau ermöglicht es dem Unternehmen, innerhalb von 15 Jahren Gewinne von zwölf bis 14 Prozent zu erzielen, heißt es in einer Pressemitteilung von Hevel.

Das Hevel-Werk in der Republik Tschuwaschien.

Hevel hat es geschafft, Solarmodule mit einem Wirkungsgrad von 22 bis 22,4 Prozent zu entwickeln, was die Profitabilität der Sonnenenergie deutlich erhöht hat. Im Jahr 2017 modernisierte das Unternehmen sein Werk in der Republik Tschuwaschien. Die Anlage begann mit der Produktion von Solarmodulen nach der neuen Technologie.

Die Leistung eines solchen Moduls beträgt im Durchschnitt 300 Watt, was der Leistung zweier Module der vorherigen Generation entspricht. Darüber hinaus arbeiten sie bei bewölktem Wetter effektiver. Ein weiterer Vorteil des zweiseitigen Moduls besteht darin, dass die Zellen Licht, welches von Schnee, Wasser, Sand oder Erde reflektiert wird, absorbieren.

Die Modernisierung der Produktion in Tschuwaschien kostete fast vier Milliarden Rubel (etwa 60 Millionen Euro). Davon wurden 300 Millionen Rubel (etwa 5 Millionen Euro) vom Fonds für Industrielle Entwicklung, der auf Initiative des Ministeriums für Industrie und Energie gegründet wurde, zur Verfügung gestellt. Mit den Mitteln des Fonds für Industrielle Entwicklung konnten die Kosten für die Beschaffung, Montage und Anpassung der neuen Anlagen gedeckt werden. „Momentan ist das das erste sich bereits in Betrieb befindliche Projekt auf dem Gebiet der Solarenergie”, erklärt Roman Petruta, Direktor des Fonds. Allerdings würden bereits weitere 170 Projekte mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 43 Milliarden Rubel (etwa 700 Millionen Euro) auf nationaler Ebene finanziell unterstützt.

Die erste Charge der neuen Module aus Tschuwaschien ist bereits an ein im Bau befindliches Solarkraftwerk im Altai geliefert worden. Dieses wird in der Lage sein, rund 4 000 Wohnungen mit Strom zu versorgen. Im September soll es ans Netz gehen.

Auch private Verbraucher nutzen Solarenergie

Die Vorteile der Nutzung von Sonnenenergie liegen auf der Hand. Dazu gehören die Vermeidung von Umweltschäden, besserer Brandschutz und die Unabhängigkeit von anderen Energieträgern. Aber kann auch ein Besitzer eines einzelnen Hauses Strom sparen, wenn er ein Solarpanel auf seinem Dach installiert?

“Die Nachfrage nach Solaranlagen unter den privaten Verbrauchern wächst. Ihre Kapazität ist ausreichend, um Haushaltselektrogeräte zu betreiben. Für Heizungszwecke ist sie noch nicht geeignet“, sagt Anton Usachev, Direktor der Gesellschaft für Sonnenenergie Russlands. Nach Meinung des Experten ist es für einen privaten Verbraucher am meisten profitabel, diese Art von Energie im Süden Russlands, im Fernen Osten, in Südsibirien und in einigen Regionen Zentralrusslands zu nutzen. In diesen Regionen herrsche ein ziemlich hohes Maß an Sonnenstrahlung auch im kalten Klima.

Solaranlage in der Mensa, Transbaikalien

In einer Reihe von Ländern, zum Beispiel in Deutschland, gibt es so genannte “grüne Tarife” - wenn der Besitzer einer Solaranlage einen Überschuss an das zentrale Netzwerk abgibt. Laut Usachev werden in Russland Solaranlagen bislang nur in Privathäusern genutzt, eine Vernetzung gebe es nicht. Das Land könne jedoch im Jahr 2018 eine juristische Grundlage für den Anschluss mehrerer mit Solaranlagen ausgestatteter Häuser an ein gemeinsames Netz schaffen. Die Marktteilnehmer hätten einen Vorschlag vorbereitet, der auch die Möglichkeit des Verkaufs überschüssiger Energie zu einem bestimmten Tarif an das Netzwerk regelt.

In Bezug auf die “sonnige Zukunft” Russlands ist der Experte optimistisch. “Solarenergie ersetzt langsam die traditionellen Quellen. Von Jahr zu Jahr wird die Kostenschere im Hinblick auf Technik und Produktion im Vergleich zur traditionellen Energie geringer. Wenn sich die Technologien im gleichen Tempo entwickeln, wird der Einsatz erneuerbarer Energiequellen in zehn Jahren effektiver sein als der herkömmlicher. Es gibt eine Zukunft für Solarenergie“, so Usachevs optimistisches Fazit.

  • Die Unternehmensgruppe “Hevel” (auf Tschuwaschisch “die Sonne”) ist das größte Unternehmen in Russland in der Solarenergiebranche. Sie wurde 2009 von den Firmen Renova (51 Prozent der Aktien) und Rosnano (49 Prozent) gegründet. Hevel baute die erste Solarstation im Jahr 2014 im Altai. Hevel hat Solarmodule mit einem höchsten Wirkungsgrad von 22 Prozent entwickelt. Module solcher Effizienz werden außer Hevel nur von zwei weiteren Unternehmen der Welt produziert: Von Japans Panasonic und der amerikanischen Sun Power. Bei anderen internationalen Herstellern übersteigt die durchschnittliche Umwandlungseffizienz der Solarenergie in Strom nur selten die Grenze von 15 Prozent.

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