Der lange Abschied vom fossilen Zeitalter

Lösungen für die Herausforderungen zu finden, war das Ziel des Global Prize Energy Summit.

Lösungen für die Herausforderungen zu finden, war das Ziel des Global Prize Energy Summit.

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Die globale Nachfrage nach Energieressourcen wird bis 2050 deutlich zunehmen. Darüber waren sich die Teilnehmer des diesjährigen Global Energy Prize Summit einig.

Global Energy Prize

Der Global Energy Prize Summit ist eine der weltgrößten Plattformen für die Energiewirtschaft. Fachleute nehmen seit 2012 an dieser Konferenz teil, um die Herausforderungen und Perspektiven der globalen Energiewirtschaft zu diskutieren. Die auf der Fachkonferenz gewonnenen Erkenntnisse stehen Organisationen und der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die wissenschaftliche Konferenz stand im Mittelpunkt des Internationalen Forums für Energieeffizienz ENES 2016, das Ende November in Moskau stattfand.

Diese Nachfrage zu befriedigen, ist für die globale Energiewirtschaft eine ernsthafte Herausforderung, denn der Energiebedarf wird vor allem in den Schwellenländern steigen. Dort aber haben immer noch über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu solch einer zivilisatorischen Selbstverständlichkeit wie Elektrizität. 
Die Knappheit der Energieressourcen und der fehlende Zugang zu Energiequellen ist für mehr 
als die Hälfte der Erdbevölkerung ein Problem. Diese Schwierigkeiten werden durch Bevölkerungswachstum und ungleichmäßige Ressourcenverteilung verschärft, wie auch durch zunehmende Belastungen des Ökosystems unseres Planeten.

Lösungen für diese Herausforderungen zu finden, war das Ziel des Global Prize Energy Summit. Renommierte Wissenschaftler, unter ihnen Preisträger des Global Energy Prize, diskutierten mögliche Stressszenarien für die künftige Entwicklung der globalen Energiewirtschaft. Die Fachleute waren sich einig: Bis 2050 wird der Weltenergiebedarf um rund die Hälfte, der Strombedarf gar um das Doppelte steigen. Der Lebensstandard und die Wirtschaftsleistung eines Landes hängen direkt mit dem Energieverbrauch pro Kopf der Bevölkerung zusammen. Bei diesem Wert geht die Schere zwischen den Industrienationen und den armen Weltregionen weit auseinander. Im vergangenen Jahr lebten über eine Milliarde Menschen in den ärmsten Ländern der Erde ohne Strom. Die Schwellenländer arbeiten daran, ihre Volkswirtschaften zu stärken, um die Armut zu verringern. Das ist eine Ursache für die steigende Nachfrage nach Energie. Das rapide Bevölkerungswachstum – von sechs auf 7,5 Milliarden allein in den letzten 16 Jahren – ist eine weitere. Derzeit verlagert sich der Schwerpunkt für wachsenden Energiebedarf aus den Ländern Nordamerikas und Europas in die aufstrebenden Nationen, allen voran China und Indien.

Genug Energie bis zum
 Ende des Jahrhunderts 

Durch erneuerbare Energien allein ist der zunehmende Energiebedarf nicht zu decken, sind die Fachleute überzeugt. Starke Verschiebungen in der globalen Brennstoffbilanz sind demnach nicht zu erwarten. Öl, Kohle und Gas bleiben die wichtigsten Energieträger bis 2050 – mindestens.

Die Befriedigung der zunehmenden Nachfrage hänge von vier Faktoren ab: den Energieressourcen, der Einsatztechnologie, den Finanzen und den Umweltschutzstandards, erklärte der renommierte 
österreichische Energieforscher und Ingenieur Klaus Riedle. Die bekannten Reserven werden den Energiebedarf laut Riedle bis 
mindestens Ende dieses Jahrhunderts decken, Technologien zu ihrer Verwertung existieren bereits. Um die Schere im Energieverbrauch zwischen den armen Ländern und den Staaten der „Goldenen Milliarde“ zu schließen, werden jedoch rund 40 Billionen US-Dollar benötigt – 16 Billionen davon für die Entwicklung der Stromwirtschaft. Indes ist offenkundig, dass die Verteilung von Ressourcen und Kapital ungleichmäßig ist.

Für heftige Diskussionen sorgte auf dem Summit der Umweltschutzgedanke. In den letzten Jahrzehnten hat der „grüne“ Druck auf die fossile Energiegewinnung wegen der Erderwärmung zugenommen. Forderungen nach reduziertem CO2-Ausstoß würden dem Einsatz fossiler Brennstoffe immer engere Grenzen setzen und die Nutzung erneuerbarer Energien forcieren, betonteKlaus Riedle. Dies bringe jedoch eine enor-me finanzielle Belastung nicht nur für die Schwellen-, sondern auch für die Industrieländer mit sich. Die Bundesrepublik etwa erzeugt 30 Prozent ihres jährlichen Strombedarfs aus erneuerbaren Ener-gien. Das kostet 24 Milliarden Euro im Jahr. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 80 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen zu generieren. Einige Teilnehmer des Internationalen Forums hoben hervor, dass dies mehr als eine Billion Euro kosten werde. Was künftige Perspektiven einer beschleunigten Energiewende angeht, bleiben einige Spezialisten also skeptisch, zumal der Einsatz von erneuerbaren Energien mit dem Wachstum der Erdbevölkerung nicht Schritt halten werde. Ihre Prognose: Bereits existierende Technologien regenerativer Energien werden höchstens 30 Prozent des Primärenergieverbrauchs bis 2050 decken. Derzeit sind es rund 20 Prozent.

Über 70 Prozent der Energie weltweit werden aus Kohle, Öl und Gas hergestellt. Es gilt als ausgemacht, dass die Menschheit bis Ende dieses Jahrhunderts darauf nicht verzichten kann. Aber ausgehend vom prognostizierten Verbrauch fossiler Brennstoffe und dem Einsatz traditioneller Verbrennungstechnologien ist bis 2100 ein Anstieg der Erderwärmung um sechs 
Grad zu erwarten. Deshalb sind kosteneffiziente Technologien zur CO2-Entsorgung gefragt. Das ist das Gebot der Stunde, wenn der Druck auf die Regierungen wächst, „grüne“ Ideen als Wert an sich zu implementieren, ohne die Umsetzung an Kostenerwägungen zu knüpfen. Deshalb müsse die Kosteneffizienz neuer Technologien das Hauptkriterium bei der Reduzierung von CO2-Ausstoß sein, resümierten die Teilnehmer des Global Energy Prize Summit.

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