Russische Forscher züchten violette Kartoffeln

Die violett-amethystfarbige Kartoffelsorte Tschudesnik (zu Deutsch: „Wunderding“) ist reich an Antioxidantien und Vitamin C.

Die violett-amethystfarbige Kartoffelsorte Tschudesnik (zu Deutsch: „Wunderding“) ist reich an Antioxidantien und Vitamin C.

Shutterstock/Legion Media
Das russische Forschungscluster Skolkovo wird zum Zentrum für Biotechnologie in Landwirtschaft und Industrie ausgebaut. Damit soll in Skolkovo zukünftig ein wichtiger Beitrag zur Importsubstitution geleistet werden.

Das russische Forschungscluster Skolkowo setzt zukünftig auf den Ausbau von Biotechnologien. Ziel ist es, vor allem Innovationen aus dem landwirtschaftlichen Sektor voranzutreiben. Aufgrund der Sanktionen des Westens im Zuge der Ukraine-Krise und dem russischen Lebensmittel-Embargo stand die russische Landwirtschaft vor einer großen Herausforderung, die fehlenden Produkte zu ersetzen. Bereits Ende Mai unterzeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin einige Gesetzesänderungen und machte damit den Weg frei für die Erforschung und den Einsatz von Biotechnologien in Landwirtschaft und Industrie.

Fachkreise stellen der russischen Pflanzen- und Tierzucht ein schlechtes Zeugnis aus. In den vergangenen 20 Jahren erfuhr dieser Wissenschaftsbereich kaum Unterstützung. „Die meisten Pflanzensorten und Tiergattungen, die in der russischen Landwirtschaft eine Rolle spielen, kommen aus dem Ausland“, sagt Juri Nikolski, wissenschaftlicher Direktor im Cluster für biomedizinische Technologien Skolkovo. „Die experimentelle Basis ist vielfach regelrecht zerstört, die Wissenschaftler sind ins Ausland abgewandert oder in andere Bereiche gewechselt“, fügt er hinzu.

Seit Anfang August werden nun in Skolkowo förderungswürdige Projekte ausgewählt, in die kräftig investiert werden soll. Es wird damit gerechnet, dass sich bis zum Jahre 2020 annähernd 200 Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie in Landwirtschaft und Industrie im Cluster ansiedeln werden. Dafür sind hohe Investitionen notwendig, bis zu 67 Millionen Euro in sechs Jahren sollen von privaten Investoren kommen. Die potenziellen Erlöse der Unternehmen werden auf über 94 Millionen Euro geschätzt, ebenfalls in sechs Jahren. 

RBTH hat einige vielversprechende Entwicklungen russischer Pflanzenzüchter und Verhaltensforscher entdeckt, die durchaus das Potenzial hätten, in Skolkovo einen Platz zu finden. 

1. Grüne Auberginen

Züchter aus Astrachan in Russlands Süden haben eine neue Sorte zart-grüner Auberginen ohne Bitterstoffe angebaut. Die Züchtung war zunächst ein Produkt des Zufalls: Unter den reifen Auberginen mit der charakteristisch dunklen Farbe waren auch einige grüne Früchte, die aber tatsächlich schon reif waren. Die grünen Auberginen haben eine langgestreckte, konische Form und können mit Schale verzehrt werden. Diese bleibt zart, selbst wenn die Frucht voll ausgereift ist.   

2. Violette Kartoffeln

Im Ural haben Pflanzenzüchter vor einigen Jahren eine violett-amethystfarbige Kartoffel herangezogen. Die Sorte Tschudesnik (zu Deutsch: „Wunderding“) entstand durch die Kreuzung mit wilden Kartoffelsorten. Sie ist resistent gegenüber dem rauen russischen Klima und gegen Pflanzenkrankheiten. Gesund ist sie auch, denn sie ist reich an Antioxidantien und Vitamin C.

3. Wassermelonen mit orangefarbigem Fruchtfleisch

Im Juli dieses Jahres wurde gemeldet, dass Wissenschaftlern in Südrussland die Züchtung einer Wassermelone mit orangefarbenem Fruchtfleisch gelungen sei. Supermärkte haben bereits Interesse bekundet, ihr Angebot an Wassermelonen auszubauen. Auch, weil es angeblich immer mehr Menschen geben soll, die bei Lebensmitteln eine Abneigung gegen bestimmte Farben haben.

4. Gutmütige Füchse

Auch in der Tierwelt wird geforscht. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler in Nowosibirsk mit der Frage, wie Wildtiere zu domestizieren seien. Mit Silberfüchsen ist es ihnen gelungen. Dazu paarten die Forscher immer nur die friedlichsten Tiere eines Wurfs miteinander. Und obwohl die Zutraulichkeit das einzige Auswahlkriterium der Forscher war, änderte sich nicht nur das Verhalten, sondern auch das Äußere der Tiere – Flecken erschienen im Fell und die Tiere entwickelten Schlappohren. Die Forscher wollen versuchen, Rückschlüsse auf die Entstehung von Aggression und Depression zu ziehen.

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