Was passiert, wenn man den Roten Platz mit einer Drohne filmt

Parade participants and local residents attend a workshop on drone photography during the Uglich Photo Parade festival.

Parade participants and local residents attend a workshop on drone photography during the Uglich Photo Parade festival.

Die rechtlichen Regelungen zum Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge sind in Russland sehr streng. Doch da die russische Industrie den Weltmarkt für Drohnen zunehmend erobert, kommen sie auf den Prüfstand.

Es hätte eine gewöhnliche Russlandreise werden können. Doch wegen ihrer Vorliebe für technische Spielereien scheint es zwei Deutschen nicht genügt zu haben, ein Selfie auf dem Roten Platz zu machen – stattdessen starteten sie eine Drohne, um einen der Kremltürme aus unmittelbarer Nähe zu filmen. Am Ende landeten die Beiden bei der Polizei und in den Nachrichten. Wie sie leidlich erfahren mussten, ist Moskau eine flugfreie Zone und jeder einzelne Flug im Moskauer Luftraum muss genehmigt werden.

Theorie und Praxis trennt eine Kluft

Soweit zur Theorie. Seitdem es zahlreiche und unterschiedliche Modelle von unbemannten Luftfahrzeugen gibt, kann der Staat deren Verkehr jedoch nicht mehr gänzlich überwachen. Davon zeugen das wiederholte Auftauchen solcher „Spielzeuge“ in der Nähe von Flughäfen sowie deren Einsatz als Löschflugzeuge. Insbesondere verschärfte sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren, seit es auf dem Markt preiswerte chinesische Quadrocopter gibt. Die nationalen rechtlichen Regelungen werden dem technischen Fortschritt nicht mehr gerecht.

Die Verwendung von Drohnen wird in Russland durch die „Föderalen Richtlinien zur Benutzung des Luftraums“ geregelt. Nach deren Maßgaben darf ein gewöhnliches ferngesteuertes Luftfahrzeug nur dann eingesetzt werden, wenn ein Flugplan und eine Genehmigung zur Nutzung des Flugraums vorliegen, welche wiederum ein Zertifikat zur Flugtauglichkeit und eine Zulassung voraussetzen. Luftaufnahmen sind hierbei nur mit einer Genehmigung des Geheimdienstes FSB und des russischen Verteidigungsministeriums möglich. Eine Privatperson, die unerlaubt eine Drohne zum Filmen des Roten Platzes benutzt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Dennoch sind in Russland viele unbemannte Luftfahrzeuge unterwegs. Im Land ist bereits eine ganze Industrie von Luftaufnahmen entstanden, und Drohnen lassen sich gut verkaufen. Die Kluft zwischen Gesetz und Realität hemmt die Entwicklung der Branche, von der Herstellung bis zum Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge.

Erleichterungen vom Staat

Das sieht auch der Staat, sagt der russische Drohnen-Experte Denis Fetudinow: „Man ist sich im Allgemeinen darüber im Klaren, dass es viele Wirtschaftsbereiche gibt, in denen der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen deutlich effizienter ist als der von herkömmlichen.“ Der Weltmarkt für Drohnen sei mittlerweile milliardenschwer, fügt er hinzu. „Eine Entwicklung des Drohnenmarktes wird bestehende und neue Technologien zwangsläufig preiswerter und zugänglicher machen, was im Interesse sowohl ziviler Anwender als auch des Militärs liegt.“

Und tatsächlich: Das russische Parlament beschloss Anfang Juni dieses Jahres in erster Lesung Änderungen zum Luftfahrtgesetz der Russischen Föderation. Sie sollen die rechtliche Grundlage für die Benutzung unbemannter Luftfahrzeuge in Russland bilden. Laut Entwurf müssen nur noch alle über 30 Kilogramm schweren Drohnen registriert werden. Für ihre Benutzung soll außerdem lediglich ein entsprechendes Zertifikat über die Flugtauglichkeit notwendig sein. Noch aber wird über den Gesetzentwurf beraten.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland

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