Anatoli Semjonow: „Jakutien ist die Brücke nach Asien“

Direktor des ostsibirischen Technoparks „Jakutien“ Anatoli Semjonow.

Direktor des ostsibirischen Technoparks „Jakutien“ Anatoli Semjonow.

Pressebild
Anatoli Semjonow, Direktor des ostsibirischen Technoparks „Jakutien“, erklärt im Gespräch mit RBTH, weshalb internationale Hightech-Konzerne an Datenzentren in der Dauerfrostzone interessiert sein könnten.

In der russischen Republik Sacha (Jakutien) ist der Sommer stets kurz, der Winter dauert hingegen sieben bis neun Monate. Hier befindet sich die Siedlung Ojmjakon, einer der kältesten Orte auf dem Planeten, wo die Lufttemperaturen bis auf minus 71 Grad Celsius sinken können. Vor ein paar Jahren wurde hier ein Technopark eröffnet. Generaldirektor Anatoli Semjonow erzählt im Interview, wozu man in der Dauerfrostzone Innovationen braucht.

RBTH: Was interessiert ausländische Partner am jakutischen Technopark?

Anatoli Semjonow: Geografisch liegen wir nah an Südostasien, daher könnten wir zu einer Brücke für russische Technologien nach Südostasien werden. Wir haben bereits gemeinsame Projekte mit dem koreanischen Fonds für Biotechnologien der Provinz Chungcheong, unter anderem zur Erforschung nützlicher Eigenschaften unserer Pflanzen wie zum Beispiel der Cladonia rangiferina (Rentiermoos).

Bis vor Kurzem gab es in Jakutien keine Großbetriebe, daher weist das Rentiermoos hoch konzentrierte nützliche Fermente auf. Wir haben mit der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln aus Rentiermoos begonnen, unsere koreanischen Partner meinen aber, dass man einen Schritt weiter gehen und Injektionen entwickeln sollte. Daher untersuchen sie zum Beispiel die Geweihe unserer Rentiere auf nützliche Fermente.

In China registrierten wir kürzlich unser erstes Produkt – einen Nanoverbundwerkstoff als Nahrungsergänzungsmittel für Hühner- und Fischfutter, das es den Tieren ermöglicht, das Futter besser zu verdauen. China ist Weltmeister in der Hühnerzucht, unsere Technologie hilft wiederum, die Vogelzucht um 17 Prozent zu beschleunigen.

RBTH: Was kann Jakutien der Welt noch anbieten?

Jakutien ist ein riesengroßes Versuchsgebiet und damit eine Chance für die Menschheit. Hier können Technologien für die Erschließung der Arktis und anderer nördlicher Gebiete getestet werden. Die Temperaturen schwanken hier zwischen plus 40 und minus 60 Grad. Vor Kurzem unterzeichnete unsere Universität mit der japanischen Firma Bridgestone einen Vertrag, nach dem der japanische Reifenhersteller hier seine Winterreifen testen wird.

Außerdem verfügen wir über eine einzigartige Sammlung von Keimen aus ganz Russland. Sie werden bereits seit 50 Jahren zwölf Meter tief unter der Erdoberfläche aufbewahrt. Diese Kryospeicherung bedarf keiner zusätzlichen Energiezufuhr.

Auch Datenzentren sind ein neues und aussichtsreiches Thema. Google und andere Großkonzerne gehen derzeit nach Norwegen, wo kaltes Klima herrscht. Einer der Nachteile von Datenzentren ist der massive Energieverbrauch, der für die Kühlung nötig ist. Dabei produzieren die Datenzentren viel Energie, die wir weiter verbrauchen könnten. Zum Beispiel, um unsere Wohn- und Gewächshäuser zu beheizen. Früher war dies nicht möglich, da wir keine Glasfaserkabel-Systeme hatten, nun hat sich die Lage geändert. Außerdem haben wir viel Erdgas und dadurch preiswerten Strom.

RBTH: Haben Sie Ihre Dienste Google schon angeboten?

Bisher nicht. Wir möchten klein anfangen und halten daher eher nach asiatischen Firmen Ausschau. In ferner Zukunft möchten wir unsere Dienste aber auch Global Players und Konzernen wie Google anbieten.

Messe Innoprom: Russische Highlights aus IT und Maschinenbau