Hundeschlitten als Wunderwaffe? Die Arktische Brigade rüstet auf

Lew Fedossjew/TASS
Die speziell für den Einsatz in der Arktis gegründete Schützenbrigade in Murmansk experimentiert mit neuen Methoden in dem unwegsamen Terrain: Hundeschlitten sollen zur Fortbewegung sowie zum Transport von Verwundeten und Gütern zum Einsatz kommen. Erste Tests haben bereits begonnen.

Die Ende 2014 gegründete sogenannte selbständige motorisierte Schützenbrigade in der Arktis hat mit Tests zur militärischen Nutzung von Hundeschlitten begonnen. Die ersten Übungen habe man in der Oblast Murmansk mit den besten Militärs und Tieren durchgeführt, hieß es.

Zwischenzeitlich herrschten Temperaturen von bis zu -30 0 C. Personal und Hunde mussten sich in Tschumen, den traditionellen Häusern der Nomaden des Hohen Nordens, wärmen. Die Tschumen eigneten sich besonders gut für einen Einsatz, da erfahrenes Personal nur 15 Minuten benötige, um ein solches Feldlager zu errichten, ließ der Leiter der Pressestelle der zuständigen Nordflotte Wadim Serg verlauten.

Harte Schule für die Hunde

„Schlittenhunde werden bereits als Welpen ausgewählt. Wenn ein Siberian Husky anderthalb Monate alt ist, erkennt man, ob er für den Lauf im Gespann geeignet ist. Wenn der Welpe immer nach draußen will, sehr aktiv ist und sich nicht ruhig in einem Raum aufhalten kann, dann ist er für das Training genau der Richtige“, erzählt der Leiter des Hundezwingers der Schützenbrigade Nr. 80 Sergeant Sergej Timonin gegenüber RBTH.

Mit drei Monaten zeige man den Welpen, wie erwachsene Hunde „arbeiten“. Auf dem Rücken des Kleinen werde zur Vermeidung einer Wirbelsäulenverkrümmung ein Gegengewicht befestigt, und dann lasse man den Welpen neben dem Gespann laufen. Dabei sei es sehr wichtig, dem Hund die Angst vor lauten und plötzlich auftretenden Geräuschen, wie zum Beispiel in einem Gefecht, zu nehmen.

„Zuerst lernen die Welpen, das Geräusch eines herunterfallenden Buches nicht zu fürchten, dann steigert sich das bis zum Laut von Schüssen aus Sturm- und Maschinengewehren. Die Ausbildung endet im Alter von 18 Monaten, dann werden sie in das Gespann mit erwachsenen Hunden übernommen“, erzählt der Kynologe.

Der Trainer glaubt, in der Meute existiere eine eigene Hierarchie: An vorderster Front liefen zwei Führer – „der Älteste“ und „der Zänker“. Diese bestimmten das Tempo für die anderen Hunde. „Hundeschlitten sind im Norden das bequemste Fortbewegungsmittel. Während eines Gefechts kann man mit den Hundeschlitten auf die Hügel hochfahren und Verletzte oder Vorräte transportieren. Wenn der Treiber verletzt wird, können die Hunde ihn bis zur nächsten Siedlung „ziehen“. Im Notfall würden die Hunde einen Kreis um ihren Treiber schließen, um ihn zu schützen und warm zu halten“, fügt Timonin hinzu.

Box

Die erste arktische Brigade für den Einsatz in Gefechten im Hohen Norden wurde 2015 in der Oblast Murmansk gebildet. Die zweite Brigade soll im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen entstehen. Neben Hunden werden auch Hirsch-Gespanne für militärische Zwecke eingesetzt.

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