Verteidigungsetat: Russland gehört nicht mehr zur Spitze

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Laut Informationen des schwedischen Forschungsinstituts Sipri zählt Russland seit dem vergangenen Jahr nicht mehr zu den drei Ländern mit dem weltweit größten Verteidigungsetat. RBTH geht der Frage nach, wie es dazu gekommen ist und was diese Entwicklung bedeutet.

Wie hoch sind Russlands Militärausgaben?

Russland habe den Verteidigungsetat im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent aufgestockt, heißt es im Jahresgutachten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. Damit standen dem russischen Verteidigungsministerium 66,4 Milliarden US-Dollar (58,8 Milliarden Euro) zur Verfügung.

Wieviel ist das verglichen mit anderen Staaten?

Bei den Rüstungsausgaben sind die Vereinigten Staaten unangefochtene Weltspitze: 596 Milliarden US-Dollar (528 Milliarden Euro) gab das Pentagon im vergangenen Jahr aus. Mit weitem Abstand folgt China auf Platz zwei. Das Reich der Mitte stellte 215 Milliarden US-Dollar (190 Milliarden Euro) für Militärausgaben zur Verfügung. Saudi-Arabien nimmt mit 84,2 Milliarden US-Dollar (74,6 Milliarden Euro) den dritten Platz ein. Russland folgt auf Platz vier.   

Welchen Anteil haben Rüstungsausgaben an Russlands Bruttoinlandsprodukt?

Prozentual betrachtet ist Russland eines der bei Militärausgaben führenden Länder. 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fließen ins Militär. Die USA geben 3,5 Prozent ihres BIP für die Streitkräfte aus, China 2,1 Prozent. Russland wird dabei nur von Saudi-Arabien mit 10,4 Prozent und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 5,1 Prozent des BIP übertroffen.

Wie entwickelt sich der Verteidigungsetat in Russland?

In nationaler Währung gerechnet hat Moskau seine Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr erhöht. Wegen der Rubelabwertung und der Sanktionen seien die Ausgaben jedoch teils umgeleitet und teils gestrichen worden, sagen Experten. Sipri geht für das laufende Jahr von einer Reduzierung des russischen Wehretats aus.

Wohin geht der globale Trend?

Die weltweiten Rüstungsausgaben sind seit 2011 erstmals gestiegen – um ein Prozent auf 1,7 Billionen US-Dollar (1,5 Billionen Euro).

Worauf ist der Anstieg zurückzuführen?

„Einerseits spiegeln die steigenden Rüstungsausgaben die eskalierenden Spannungen und Konflikte in zahlreichen Regionen der Welt wider. Andererseits zeigen sie, dass der schlagartige Anstieg der Militärausgaben im Zusammenhang mit den hohen Ölpreisen in der letzten Dekade inzwischen der Vergangenheit angehört“, sagt Dr. Sam Perlo-Freeman, Leiter des schwedischen Forschungsprojekts.

Was haben Ölpreise und Wechselkurse damit zu tun?

In 2015 erhöhte Russland die Ausgaben für seine Armee um 7,5 Prozent – in nationaler Währung gerechnet. Das Stockholmer Institut berechnet die Etats jedoch in US-Dollar. Nach dem Ölpreissturz und der Rubelabwertung konnte Russland seinen Platz unter den großen Drei nicht mehr halten.

Wo wird gespart? 

Wie Militärexperten erklären, spart Moskau an der Versorgung, nicht jedoch an der technischen Umrüstung und der Ausbildung der Truppen.

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