Raketenschild: Wie der Himmel über Moskau geschützt wird

 air defence unit involving Pantsir-S1 surface-to-air missile and anti-aircraft systems.

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Vitaly Nevar/TASS
Die Militäreinheiten zur Raketenabwehr rund um die russische Hauptstadt wurden für eine unangekündigte Militärübung in volle Kampfbereitschaft versetzt. RBTH erklärt, wer den Himmel über Moskau schützt und wie Gefahren abgewehrt werden.

Rund um die Hauptstadt sind Luft- und Raketenabwehrsysteme stationiert. Auf dem Bild ist das Flugabwehrsystem des Typs Panzir-S1 zu sehen.  / Vitaly Nevar/TASSRund um die Hauptstadt sind Luft- und Raketenabwehrsysteme stationiert. Auf dem Bild ist das Flugabwehrsystem des Typs Panzir-S1 zu sehen. / Vitaly Nevar/TASS

Auf Anordnung des russischen Präsidenten Wladimir Putin wurden vergangene Woche die russischen Luftstreitkräfte in der Oblast Moskau in volle Kampfbereitschaft versetzt. Anlass dafür war eine groß angelegte Militärübung, bei der die Luft- und Raketenabwehr der russischen Hauptstadt ihr Können unter Beweis stellen sollte.

Im Rahmen der Übung mussten die Truppen – laut russischem Verteidigungsministerium Divisionen mit Flugabwehrsystemen der Typen S-300, S-400 und Panzir-S – zu zugewiesenen Bahnverladestationen marschieren und einen Angriff von Aufklärungstruppen eines potentiellen Gegners abwehren.

Die Einheiten, die an dieser Militärübung teilnahmen, stellen jedoch nur einen Bruchteil der riesigen Kriegsmaschinerie dar, die die russische Hauptstadt im Falle eines Luft- und Raketenschlags schützen würde.

Radaranlagen zur Früherkennung

Die Luft- und Raketenabwehr Moskaus beginnt bereits weit außerhalb der Stadtgrenzen. Laut Wiktor Litowkin, Militärexperte der Nachrichtenagentur Tass, umfasst der Schutzschild Radarsysteme zur Früherkennung ballistischer Raketen, die über den ganzen europäischen Teil Russlands verteilt sind. 

 / Stepan Zharkij/RBTH / Stepan Zharkij/RBTH

Raketenabwehrsysteme rund um Moskau

Das Raketenabwehrsystem der russischen Hauptstadt kooperiert eng mit der Luftabwehr der Moskauer Oblast, die auf die Flugabwehrraketensysteme S-300 und S-400 setzt. Diese Systeme erkennen Ziele aus einer Entfernung von 250 bis 400 Kilometern und können sie aus einer Entfernung von 150 bis 250 Kilometern abwehren, selbst wenn die Objekte 9 000 Kilometer pro Stunde unterwegs sind – was der siebenfachen Schallgeschwindigkeit entspricht.

Details über die Größe und Stärke des Luftabwehrsystems, das Moskau schützt, werden freilich unter Verschluss gehalten. Doch man geht davon aus, dass die Anzahl der Abfangraketen sowie der Radare für Sichtung, Führung und Verfolgung in die Hunderte geht. Das russische Verteidigungsministerium plant, die Anzahl der Einheiten, die Moskau mit S-400-Anlagen schützen sollen, bis 2020 auf zwölf zu erhöhen.

„Die S-300- und S-400-Systeme rund um Moskau werden von Flugabwehrraketensystemen des Typs Panzir-S1 unterstützt“, sagt Wadim Kisjulin, Professor an der Akademie für Militärwissenschaften, RBTH. Panzir-S1 treffe Ziele in zehn bis 15 Kilometern Entfernung. „Dieses Kurzstrecken-Abwehrsystem greift alle verbliebenen Raketen an, die einen Angriff aus größerer Entfernung zur Stadt überstanden haben“, erklärt der Experte.

Neben den Raketenabwehrsystemen würden auch Abfangjäger der Typen Su-30SM, Su-35, MiG-29 und MiG-31 den Himmel über Moskau schützen, fährt Kisjulin fort. „Sie sind nicht nur in der Oblast Moskau stationiert, sondern auch in anderen angrenzenden Gebieten“, berichtet der Fachmann.

Gebrauch von Atomwaffen

Die Menschen in Moskau können sich also sicher fühlen, sind Experten überzeugt. Das Raketenabwehrsystem rund um Moskau sei ausreichend, um die Stadt vor jeden Luftangriff schützen zu können.  

Außerdem, so fügen die Fachleute hinzu, dürfe Moskau laut russischer Militärdoktrin im Falle eines Angriffs auch Atomwaffen einsetzen. Dies komme insbesondere dann infrage, wenn das angreifende Land oder dessen Bündnispartner ebenfalls über atomare Waffen verfügen.

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