Aus für die Boeing 737 in Russland?

Das Verbot wirkt sich in erster Linie auf die die Billigfluglinie Pobeda, deren Flotte ausschließlich aus Flugzeugen des Typs Boeing 737 besteht.

Das Verbot wirkt sich in erster Linie auf die die Billigfluglinie Pobeda, deren Flotte ausschließlich aus Flugzeugen des Typs Boeing 737 besteht.

AP
Die Luftfahrtbehörde der GUS hat ein Betriebsverbot für Flugzeuge des Typs Boeing 737 in Russland angeordnet. Offiziell werden Sicherheitsrisiken als Grund angegeben, doch Experten vermuten vielmehr eine Racheaktion.

Das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (MAK) der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hat den Betrieb sämtlicher Flugzeuge vom Typ Boeing 737 in Russland verboten. Betroffen sind beide Generationen, die „Classic“ und die „Next Generation“. Wie die Behörde auf Anfrage von RBTH erklärte, sei ein Problem mit dem Höhenruder in den Maschinen dieses Modells für das Verbot ausschlaggebend gewesen. 2013 war es deshalb zu einer Flugzeugkatastrophe in der Stadt Kasan gekommen: Beim Landeanflug stürzte die Maschine damals ab und riss alle 50 Passagiere an Bord in den Tod. 

Dass das Verbot erst jetzt ausgesprochen wurde, sei damit zu begründen, dass die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija entsprechenden Anweisungen bislang nicht nachgekommen sei. Das Verbot für die Boeing 737 habe zudem nichts mit der Flugzeugkatastrophe vom 31. Oktober in Ägypten zu tun, versicherte das MAK.

Die Airlines ignorieren das Verbot

Bei einer Sitzung der russischen Regierung in der vergangenen Woche erklärten die größten russischen Luftfahrtunternehmen jedoch ihre Weigerung, dem Verbot nachzukommen. Anschließend soll das MAK seine Anordnung zurückgenommen haben, wie Natalja Filjowa, Miteigentümerin der drittgrößten Airline Russlands S7, verkündete. Doch nur zwei Tage später teilte die Behörde mit, sie hätte ihre Entscheidung erneut revidiert.

Ein Sprecher von Rosawiazija, der offiziellen Regulierungsbehörde für den russischen Luftverkehr, erklärte, dass das MAK den Flugbetrieb eines konkreten Modells gar nicht verbieten könne. Zudem seien in Russland lediglich sechs Flugzeuge des Typs Boeing 737 registriert – nur diese unterliegen der russischen Jurisdiktion. Insgesamt sind rund 200 Flugzeuge des betroffenen Typs in Russland im Einsatz, was in etwa 20 Prozent des Flugparks des Landes entspricht. 

Insgesamt stößt die Anweisung des MAK auf Verwunderung. Denn das MAK, das sich mit der Zulassung von Flugzeugen und dem Monitoring von Ereignissen in der Luftfahrt befasst, ist keine russische Behörde. Die Geschäftsführung der Institution wird von den elf Mitgliedsstaaten der GUS bestimmt – Russland ist dabei nur ein Vertreter. Das Verbot, das sich allein auf die russischen Luftfahrtunternehmen beschränkt, wirkt sich in erster Linie auf die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot negativ aus, wie der Analyst des Brokerunternehmens Instaforex, Igor Kowaljow, bemerkt. Der Airline gehört unter anderem die Billigfluglinie Pobeda, deren Flotte ausschließlich aus Flugzeugen des Typs Boeing 737 besteht.

Ist Rache das wahre Motiv?

Russischen Medienberichten zufolge könnte das Verbot der Boeing 737 nicht nur mit Sicherheitsbedenken zu tun haben. Seit seiner Gründung im Jahr 1991 steht dem MAK Tatjana Adonina vor, die in der Vergangenheit an der Luftfahrtgesellschaft Transaero, der zweitgrößten Airline Russlands, beteiligt war – diese musste im Oktober Insolvenz anmelden. Adoninas Sohn Alexander Pleschakow ist Hauptaktionär der Pleitegesellschaft. Das Betriebsverbot für die Boeing 737 könnte also – so spekuliert zumindest das Wirtschaftsblatt „Wedomosti“ unter Verweis auf eine Quelle in der russischen Regierung – die Rache der Transaero-Eigentümer für die Schließung ihres Unternehmens sein.

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