Zwölf Kreml in Russland

Der Moskauer Kreml mit seiner mächtigen Mauer und den zwiebelturmgeschmückten Kirchen gilt als Symbol für Russland und für Macht und Pracht der ehemaligen Zaren. Heute wird der Begriff als Synonym für den Sitz des Präsidenten gebraucht. Doch dass es auch in anderen Städten Kreml gibt, bleibt Menschen außerhalb Russlands meist verborgen. Das Wort Kreml steht im Russischen für eine mittelalterliche Zitadelle im Zentrum einer alten russischen Stadt. Eine solche Festung war es, die den Unterschied zwischen einer ländlichen Siedlung und dem Stadtstatus ausmachte. Die meisten der noch erhaltenen russischen Stadtfestungen wurden inzwischen in Museen verwandelt − und hinter den Mauern lebt jeweils eine ganze eigene Legende weiter …

Staraja Ladoga: Die älteste Zitadelle

 


Staraja Ladoga („Alt-Ladoga“) befindet sich östlich von Sankt Petersburg etwa 15 Kilometer südlich der Mündung des Flusses Wolchow in den Ladogasee. Der schwedische Name lautet Aldeigjuborg. Die Siedlung war zwischen 750 und 950 eine der wichtigsten Handelshäfen Nordeuropas und gilt heute als älteste Stadt Russlands. Als Ladoga wurde sie 862 erstmals urkundlich erwähnt, als slawische Stämme im Nordwesten Russlands den Rurik und seine beiden jüngeren Brüder, Stammesführer der Waräger (skandinavische Wikinger), baten, sie in Krieg und Frieden zu beschützen.

Die Lage der Festung an der Stelle, wo das Flüsschen Elena in den Wolchow mündet, hatte als Hafen strategische Bedeutung und eröffnete vielfältige und lukrative Handelsmöglichkeiten, weil der Wolchow zu einer bedeutenden Handelsroute zwischen Skandinavien und Byzanz gehörte. Hier errichteten die Waräger eine Zollstelle für die Karawanen und Handelsschiffe. Ladoga war jedoch nicht lange Ruriks Hauptstadt: Er zog schon bald nach Nowgorod. Dort begründete Oleg von Nowgorod („Oleg der Weise“) zugeschrieben, welcher der Legende nach ein Schwager von Rurik oder einer seiner untergebenen Befehlshaber war oder gar als Regent die Herrschaft für Ruriks Sohn Igor innegehabt haben soll, die „Kiewer Rus“ (Russland), die Keimzelle für das heutige Russland, für Weißrussland und die Ukraine. Oleg führte zahlreiche militärische Feldzüge, unterwarf viele Stämme und nagelte sogar seinen Schild an die Tore der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel.

Wahrsager, so weiß die Legende, prophezeiten, dass Prinz Oleg durch sein geliebtes Schlachtross zu Tode kommen würde. Doch Oleg lachte über diese Prophezeiung und forderte sein Schicksal heraus. Er wurde von einer Schlange gebissen, die aus dem Schädel seines Pferdes entsprang. Selbst heute noch ist Region Nowgorod – Ladoga bekannt für die Schlangen, die dort zahlreich vorkommen. Örtliche Fremdenführer fordern Touristen dazu auf, bestimmte Orte zu meiden, an denen „noch immer Nachkommen dieser Viper“ leben. Einer anderen Legende zufolge waren sowohl die Schlange als auch das Pferd mythologische Merkmale des Gottes Veles, den lokale Stämme als König des Todes verehrten.

Aber auch nachem Ladoga seine Rolle als Hauptstadt des Warägerreiches an Nowgorod verlor, geriet die Siedlung zunächst nicht in Vergessenheit. Ende des neunten Jahrhunderts wurden seine ersten Steinmauern errichtet. Zar Peter der Große gründete dann 1703 nur 15 Kilometer entfernt, aber direkt an der Mündung des Flusses Wolchow in den Ladogasee, die Siedlung Nowaja Ladoga („Neu-Ladoga“) und benannte das alte Ladoga in Staraja Ladoga („Alt-Ladoga“) um. Während Nowaja Ladoga rasch Stadtgröße erreichte, ergab sich das zum Dorf zurückgestufte Staraja Ladoga seinem Schicksal.

Auch heute noch ist die Ansiedlung ein kleines Nest, und der Besucher kann sich nur wundern, ausgerechnet hier noch Reste eines einst mächtigen Kreml vorzufinden, der vielen Jahrhunderten getrotzt hat.

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Nowgorod: Der „Detinez“



Nowgorod („Neustadt“) steht mit dem Detinez eine der ältesten Stein-Zitadellen Russlands. Sie gehört zur UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Stadtbefestigung beherbergte bis zum 14. Jahrhundert die Heerscharen des Prinzen, die als Deti („Kinder“) bezeichnet wurden. Kurzerhand nannte der Volksmund den Kreml Detinez. Erstmalig werden Kreml und Stadt in den Chroniken des Jahres 1044 erwähnt, als man Erdwälle an Stelle älterer Befestigungen aus Holz errichtete. Die ersten Gebäude aus Stein entstanden erst Anfang des 14. Jahrhunderts. Die Türme und Mauern des Nowgoroder Detinez wurden mehrmals verändert und Ende des 15. Jahrhunderts nach Moskauer Vorbild durchweg aus Ziegelsteinen neu errichtet. Bis heute hat sich deswegen der Detinez des 15. Jahrhunderts erhalten. Seine mächtigen Mauern sind fast anderthalb Kilometer lang, über drei Meter stark und ragen über zehn Meter in die Höhe. Die Grundfläche des Kreml nimmt über zwölf Hektar ein. Das größte Gebäude des Detinez ist die Sophien-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert.  Sie gilt als eines der frühesten Steingebäude Nordrusslands.  

Unter der Herrschaft Iwans IV. („Der Schreckliche“) wurde die Stadt in politische Konflikte verwickelt. Nachdem Iwan IV. den Hinweis erhalten hatte, dass Nowgorod plante, die Verbindungen mit dem Moskauer Staat zu lösen, besetzte er die rebellische Stadt und verwüstete sie ohne Schonung. Der Legende zufolge endete das Blutbad erst, als eine Taube, die von Byzanz aus viele Meere überflogen hatte, sich auf dem Kreuz hoch oben auf der Spitze der Sophien-Kathedrale niederließ und angesichts der Gewalt um sie herum zu Stein erstarrte. Diese Erzählung hat ihren Ursprung offensichtlich in der Gewohnheit, in Byzanz − einem Reich, das einen großen und lange anhaltenden Einfluss auf das Moskauer Land hatte − Kirchenkreuze mit Tauben aus Eisen zu krönen. Sophia Paleolog, die Großmutter Iwans IV., entstammte übrigens der letzten Dynastie byzantinischer Herrscher.

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Nischni Nowgorod: Die Frauen-Festung


 


Nischni Nowgorod („Untere Neustadt“, von1932 bis 1990 Gorki) gilt als jüngere Schwester des älteren Nowgorod. Die Stadt wurde 1221 von Juri II., dem Großfürsten von Wladimir, am Zusammenfluss der beiden wichtigsten Flüsse seines Reiches, der Wolga und der Oka, gegründet und ist heute fünftgrößte Stadt Russlands. Ihre steinerne Zitadelle ist ebenfalls noch erhalten. Sie entstand im 16. Jahrhundert und diente als einer der wichtigsten Verteidigungsposten des jungen Moskauer Staats − zunächst gegen die im Niedergang begriffene, aber noch immer Respekt einflößende Goldene Horde der Mongolen, die vier Jahrhunderte zuvor vom unbesiegbaren Dschingis Khan gegründet worden war, und später gegen das Khanat Kasan. Die Festung erinnert an eine Halskette aus Stein, die auf den Tschasowaja (Wach-) Hügeln ausgebreitet ist.

Einer Legende zufolge, planten die Tataren 1520 einen Angriff auf Nischni Nowgorod. Sie sandten Späher aus, um das Gelände und die Schwachstellen der Stadtmauer auszukundschaften und den Großangriff vorzubereiten. Doch eine ortsansässige Frau machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollte sie nur Wasser holen und trat mit einer Schultertrage mit zwei Eimern vor die Festung. Dabei traf sie auf die Feinde und erboste sich derart, dass sie mit der Trage gleich zehn Späher totschlug. Einige Überlebende flüchteten sich zu den Ihren zurück und erstatteten Bericht. Furchtsam vernahmen die Tataren die Kunde: Wenn in dieser Stadt schon die Frauen so wild kämpften, was war dann erst von den Männern zu erwarten? So hielten sie es für besser, ihre Pläne nicht weiter zu verfolgen, und zogen ab.

Später jedoch − entweder, weil der Stadt die robusten Schultertragen ausgingen oder die Mädchen weniger Mumm hatten als früher − wurde Nischni Nowgorod wiederholt von der Goldenen Horde und den Heeren Kasans angegriffen.

Im frühen 17. Jahrhundert entwickelte sich Nischni Nowgorod zu einer Bastion des Widerstands gegen die Invasion der Polen. Aus den Toren der Stadt marschierte ein Freikorps , die von Kusma Minin und Prinz Poscharski angeführt wurde. Sie vertrieb die polnischen Truppen und trug dazu bei, dass der Moskauer Staat die Zeit der Wirren („Smuta“) überstand. Wegen ihrer Verdienste um Russland wurde in Moskau das Minin-und-Poscharski-Denkmal auf dem Roten Platz direkt vor der Basilius-Kathedrale errichtet.

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Pskow: Ein Zeichen des Himmels


 


Pskow, 290 km südwestlich von Sankt Petersburg und nahe der Grenze zu Estland gelegen, gehört ebenfalls zur Riege der ältesten Städte Russlands. Früher war sie eine mächtige Grenzfestung und Hauptstadt einer unabhängigen mittelalterlichen Republik. Die Stadt gilt als Heimat der Prinzessin Olga von Kiew, der Mutter Swjatoslaws I. (eines berühmten Kriegerprinzen, der das Chasarische Reich besiegte), sowie Großmutter des Prinzen Wladimir, der Russland zum Christentum bekehrte. Sie selbst war die erste Herrscherin Russlands, die noch vor der großen Massentaufe der Kiewer Rus zum Christentum konvertierte.  Als erste Russin wurde sie heilig gesprochen.

Olga leitete den Bau des Pskower Kremls in die Wege. Im Zentrum der Festung steht eine Kirche, deren Bau von Olga in Auftrag gegeben wurde. Die Legende will wissen, dass Olga drei Lichtstrahlen vom Himmel herabkommen gesehen hatte, die sich auf einem Felsvorsprung trafen, wo zwei Flüsse sich vereinten. Prinzessin Olga soll das einer göttlichen Vorsehung zugeschrieben haben und daraufhin den Bau der Dreifaltigkeitskirche und der Zitadelle angeordnet haben.

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Rostow: Traum der Schatzsucher


Die Stadt wurde im Jahr 1749 unter Elisabeth Petrowna (Kaiserin Elisabeth I.) am rechten Ufer des Dons, 46 Kilometer vor seiner Mündung in das Asowsche Meer, zum Schutz russischer Handelswege gegründet. Heute ist die Stadt Rostow am Don mit über 1 Million Einwohnern eine der größten des Landes. Im Jahr 1760 wurde in der Stadt die Rostower Festung errichtet. Er zählt zu den wenigen Festungen, die nicht zu Verteidigungszwecken errichtet worden sind, sondern als Sitz für den ortsansässigen orthodoxen Bischof. Bei den Mauern war der optische Eindruck wichtiger als der Schutz der Einwohner. Als Besonderheit beherbergt dieser Kreml noch die ursprünglichen Glocken und damit ein wertvolles kulturelles Erbe. Denn Peter der Große ordnete im Jahr 1700 an, die eisernen Glocken aus den Kirchen und Klöstern zu holen, einzuschmelzen und neue Kanonen zu gießen, nachdem die russische Armee in der Schlacht von Narwa eine vernichtende Niederlage gegen die Schweden erlitten und ihre gesamte Artillerie verloren hatte. Obgleich selbst Moskau dieser „Entglockungskampagne“ nicht entkommen konnte, blieb Rostow auf unerklärliche Weise davon verschont.

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Tula: Südliches Bollwerk und Moskaus Rivale


 


Die Stadt Tula, knapp 200 Kilometer südlich von Moskau, ist weltweit für ihre Lebkuchen und Samoware und als Waffenschmiede bekannt. Darüber hinaus spielte sie auch eine entscheidende Rolle in Russlands turbulenter Geschichte. Tula ist etwa genauso alt wie Moskau − die ältesten Chroniken erwähnen die Stadt sogar ein Jahr früher als Moskau − und war ein wichtiger Außenposten im südlichen Moskauer Staat. Dieser Ort war der ultimative Haltepunkt für mehrere aufeinander folgende Invasionen der Tataren und während des Zweiten Weltkriegs auch für Guderians Panzerarmee. Außerdem gibt es hier eine der ältesten Festungen Russlands - den Tulaer Kreml. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde er von italienischen Architekten errichtet, die nach Tula kamen, nachdem sie den Moskauer Kreml vollendet hatten. Historiker sind der Ansicht, dass die Zitadelle von mehreren Bautrupps erbaut wurde, was die augenfälligen Unterschiede zwischen ihren einzelnen Mauern erklären würde.

In der Zeit der Wirren nach dem Tode Iwans IV. hätte der Tulaer Kreml um ein Haar den Moskauer Kreml als Zarenresidenz abgelöst. Der falsche Dimitri I. („Pseudodimitri“), der behauptete, der überlebende jüngere Sohn Iwans IV. („Der Schreckliche“) zu sein, nahm in Tula den russischen Bojaren und Adeligen den Treueschwur ab.

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Kolomna: Gefängnis für eine falsche Zarin


Während seiner Blütezeit im frühen 16. Jahrhundert war der Kreml von Kolomna, rund 110 Kilometer südöstlich von Moskau am Zusammenfluss von Moskwa und Oka gelegen, eine der größten Festungen der damaligen Zeit. Bereits 1177 war die Stadt als  Grenzposten des Fürstentums Rjasan bekannt, 1301 wurde es Teil des Großfürstentums Moskau. Doch im 18. und frühen 19. Jahrhundert zerlegten die Einheimischen die alternden Mauern größtenteils in ihre Einzelteile, um Baumaterial zu gewinnen. Erst ein Erlass von Nikolaus I. verhinderte, dass die Festung dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Der Kreml von Kolomna hatte 17 Türme. Einer davon war nach Marina Mniszech benannt, der Ehefrau Pseudo-Dimitris I., die angeblich in diesem Turm eingesperrt war und auch dort starb. Eine der Legenden besagt jedoch, dass sie nicht als Mensch im Turm starb, sondern sich in eine Elster verwandelte und durch das Fenster davonflog. So kam der Marinkina-Turm zu seinem Namen. Es gibt allerdings noch eine andere Sage, die den Namen mit einer Nonne in Verbindung bringt. Ihr wurde vorgeworfen, lesbisch zu sein; sie wurde in diesem Turm eingesperrt, um andere Nonnen vor dieser krankhaften Veranlagung zu schützen.

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Kasan: Was für eine Frau!


Der Kreml in Kasan, heute Hauptstadt der Republik Tatarstan an der Wolga und im Jahr 1005 gegründet, beherbergt eine weitere russische Zitadelle, die in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Der Ort zieht Schatzsucher magisch an, denn er war der Sitz des Tataren Khan, der von den russischen Fürstentümern Steuern eintrieb. Archäologen fanden hier bereits mehrere Schätze mit Silbermünzen dieser Zeit.

Eines der Wahrzeichen ist der Sujumbike-Wachturm. Wie die Sage berichtet, eroberte die Tatarenkönigin Sujumbike mit ihrer überwältigenden Schönheit das Herz des brutalsten Herrschers des Moskauer Staats, Iwan des Schrecklichen. Der russische Zar hielt um Sujumbikes Hand an, doch die stolze Königin lehnte ab. Iwan IV. wurde daraufhin so zornig, dass er mit seiner Armee Kasan stürmte. Da blieb Sujumbike nichts anderes übrig, als anzunehmen oder zumindest ihre Einwilligung vorzutäuschen. Sie bat ihren unbarmherzigen Verlobten, ihr als Hochzeitsgeschenk innerhalb von einer Woche einen Turm zu errichten. Mitten in den Hochzeitsfeierlichkeiten stürzte sie sich dann von der Spitze des Turms in die Tiefe.

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Tobolsk: Sibirisches Exil


Tobolsk ist nach Tjumen die älteste russische Stadt in Sibirien. Sie wurde 1587 durch Kosaken östlich des Urals gegenüber der Mündung des Tobol in den Irtysch gegründet. Sie besitzt die einzige Steinfestung in ganz Sibirien. Sie beinhaltet einen Glockenturm, der speziell als „Exil“ für die Glocke errichtet wurde, die in der Stadt Uglich Alarm läutete, als Prinz Dimitri − der wahre Sohn Iwans des Schrecklichen − ermordet worden war. Auf Befehl von Prinz Schuiski wurde die Glocke offiziell auf dieselbe Weise bestraft, die auch bei Menschen üblich war: Man schnitt Zunge und Ohren ab. Bei der Glocke entfernte man den Schwengel (im Russischen „Zunge“) und die Befestigungskrone („Ohr der Glocke“), und die Glocke selbst wurde nach Sibirien ins Exil verbannt.

Der Tobolsker Kreml wird auch mit einer bemerkenswerten Episode aus der jüngeren Vergangenheit in Verbindung gebracht: Im vergangenen Jahr wurde ein Foto vom Kreml bei einer Weihnachtsauktion für atemberaubende 1,2 Millionen Euro verkauft! Zur Erklärung: Das Foto war vom russischen Präsidenten Dimitri Medwedew höchstpersönlich aufgenommen worden.

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Astrachan: Schiefer Glockenturm abgerissen


 


Seit dem 6. Jahrhundert war Astrachan an der Wolga ein wichtiger Handelsposten zwischen Europa und dem Kaspischen Meer. In der Astrachaner Festung nahm Iwan der Schreckliche die Huldigung der eroberten Stadt entgegen. Im 19. Jahrhundert konnte sich der Kreml damit brüsten, einen von Russlands schiefen Türmen zu besitzen, den Warwatsiew-Glockenturm. Praktisch veranlagte Astrachaner Fotografen begannen vermarkteten im großen Stil den  „schiefen Turm“ der Astrachaner Kathedrale. Schließlich gewannen Erwägungen zur Sicherheit den Sieg über das Geschäftemachen: Im Jahr 1910 wurde der Turm abgerissen und durch ein gerades, wenn auch weit weniger elegantes Gebäude ersetzt.

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Saraisk: der kleinste Kreml


 


Der Kreml der Stadt Saraisk, 150 Kilometer südöstlich von Moskau und am Ossjotr, einem Nebenfluss der Oka, erbaut, war eine der wenigen Festungen, die Moskau in der Zeit der Wirren („Smuta“) treu blieb. Der Kreml war die kleinste Steinzitadelle im Moskauer Staat. Heute ist der Saraisker Kreml (errichtet 1528–1531) der einzige vollständig erhaltene Kreml in der Region Moskau. Er diente zum Schutz insbesondere gegen die häufigen Angriffe der Krimtataren. Von hier aus brach Prinz Dimitri Poscharski mit seiner Freiwilligenarmee zum ersten Versuch auf, Moskau vor der polnischen Besatzung zu befreien. Der Kreml hat zwar nur eine bescheidene Größe, doch es gibt in einem seiner Türme noch immer einen unerforschten Gang, von dem vermutet wird, dass er mit einem ganzen Netzwerk unterirdischer Verliese verbunden ist. Trotz zahlreicher Belagerungen wurde die Stadt in der Zeit der Wirren nur ein einziges Mal kurzfristig erobert. Möglicherweise liegt der Grund für die Stärke der Zitadelle in ihren Katakomben, die immer noch nicht restlos erforscht sind.

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Moskau: Der Kreml


Die bekannteste Festung Russlands ist der ziegelrote Moskauer Kreml. Er ist der älteste Teil der russischen Hauptstadt und wurde zum größten Teil in den Jahren 1485 bis 1499 nach dem Muster einer Zitadelle erbaut. Kennzeichnend für das architektonische Ensemble des Moskauer Kremls ist seine Begrenzungsmauer mit ihren 20 Türmen. Am auffälligsten ist der Spaskaja-Turm mit der berühmten Kreml-Uhr. Wenn der Glockenturm an Silvester zwölf Mal schlägt, klingen überall in Russland die Champagnergläser, um auf das neue Jahr anzustoßen. Heute dient der Kreml dem russischen Präsidenten als Residenz. Neben den Befestigungsanlagen beherbergt der Kreml innerhalb seiner Mauern eine Reihe repräsentativer Sakral- und Profanbauten aus verschiedenen Zeitepochen. Das Ensemble des Moskauer Kremls gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Seine beeindruckenden, vergoldeten Kuppeln sind eine wahre Augenweide, ziehen aber auch Krähen an. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Krähen zu solch einer Plage, dass die Kreml-Verwaltung einen ornithologischen Dienst eingesetzt hat, der die Population der schädigenden Vögel kontrolliert. Dieser hält vier Falken, die unbarmherzig die störenden Tauben und Krähen vertreiben, welche immer wieder versuchen, die Goldschicht der Kirchenkuppeln und die Kremlgärten in Mitleidenschaft zu ziehen.

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