Russlands wichtigste Festung: Wie der Moskauer Kreml bewacht wird

Blick auf das Staatliche Historische Museum (vorne links) und auf den Rüstkammerturm des Moskauer Kremls (vorne rechts), wo Aktivistinnen am 8. März einen Banner mit feministischen Losungen aufgehängt haben sollen.

Blick auf das Staatliche Historische Museum (vorne links) und auf den Rüstkammerturm des Moskauer Kremls (vorne rechts), wo Aktivistinnen am 8. März einen Banner mit feministischen Losungen aufgehängt haben sollen.

Alexander Vilf/RIA Novosti
Ein Foto, wie Feministinnen am 8. März ein Banner von einem Kremlturm herabhängen lassen, ging viral – war aber ein Fake. Das ist nicht verwunderlich, wird doch der Amtssitz des Präsidenten penibel von Geheimdiensten und einem besonderen Armeeregiment bewacht. Es ist kaum möglich, dort einzudringen.

Auf dem Rüstkammerturm an der Moskauer Kremlmauer hängt ein Banner mit der Aufschrift „Feminismus – die nationale Idee“. Oberhalb der Brüstung sind zwei junge Frauen mit brennenden Fackeln in der Hand zu sehen, die das Banner offenbar dort angebracht haben. Dieses drastische Bild, das am vergangenen Weltfrauentag in den sozialen Netzwerken die Runde machte, war der Höhepunkt einer feministischen Aktion an diesem Tag in Moskau.

Und es war ein Fake, wie sich tags darauf herausstellte: Die Feministinnen hatten das Bild mit Photoshop fabriziert. Ein Kollege habe das Bild fahrlässig in die allgemeine Mediathek gestellt, wo es für authentisches Material gehalten worden sei, erklärten die Aktivistinnen, die im Kreml und im Alexandergarten protestierten, auf Facebook. Dieses Bekenntnis trübte die Wirkung der Aktion. Gleichzeitig zeigte es, dass es doch nicht ganz so leicht ist, den Kremlturm hinaufzuklettern.

Kameras, Sensoren und Gitter

Als einer der Ersten zweifelte der in Russland populäre Fotograf und Blogger Ilja Warlamow die Echtheit des Fotos an. „Ich kann nicht glauben, dass das jemand schaffen würde, bedenkt man die Bewachung im Kreml“, schrieb Warlamow auf seinem Blog. Der Fotograf hat selbst versucht, den Kreml zu erklimmen, 2011 ließ man ihn passieren.

„Alles ist mit Sensoren und Kameras gespickt“, bemerkt Warlamow, und auf seinen Fotos ist tatsächlich zu erkennen, dass alle paar Meter Kameras an der Kremlmauer angebracht sind. Zudem seien Durchgänge in der Wand durch Gitter und Einzäunungen versperrt – einfach so auf der Mauer spazieren gehen, geschweige denn den Turm hochklettern, sei unmöglich.

Warlamow bemerkt zudem, dass „auf jeden Schritt (auf der Kremlmauer) Mitarbeiter des Föderalen Dienstes für Bewachung (FSO) stehen, die jeden Eindringling sofort ausschalten“. Der FSO ist der Geheimdienst, der für die Sicherheit der obersten Führung des Landes sorgt, und der Amtssitz des Präsidenten – der Kreml – gehört zu seinem Verantwortungsbereich.

Die Garde des Präsidenten

Zum FSO gehört die Kremlgarnison, die auch Kreml- oder Präsidentenregiment genannt wird. Wie die Zeitschrift „The Village“ unter Berufung auf Regimentskreise berichtet, dienen dort in etwa 500 Personen. Zum Regiment gehören fünf Bataillone, von denen zwei unmittelbar für den Schutz der Festung verantwortlich sind. Dazu kommen noch Ehrenkompanien, die besondere Orte bewachen – die Ewige Flamme oder das Mausoleum beispielsweise – und an Paraden teilnehmen.

Nach Informationen von „The Village“ kann der FSO im Falle eines Angriffs auf den Kreml oder bei einer Gefahr für die Bewohner auf eine Kompanie der operativen Reserve – der sogenannten „Kreml-Speznas“ – sowie eine Motschützen-Kompanie mit Panzern und Panzerfahrzeugen, die im Moskauer Umland stationiert ist, zurückgreifen.

Der besondere Geheimdienst

Doch der FSO im Kreml beschränkt sich nicht nur auf das Kremlregiment. Dazu kommen auch die Agenten, die unmittelbar für die Sicherheit der höchsten Staatsbeamten sowie von ausländischen Gästen während ihrer Besuche im Kreml verantwortlich sind. Diese Mitarbeiter absolvieren eine besondere Ausbildung.

Laut der Dokumentation „Wie arbeitet die Wachmannschaft“ üben sie regelmäßig den Nahkampf und trainieren das Scharfschießen, unter anderem in Situationen, in denen sich das vermutliche Ziel in einer Menschenmenge befindet und nur schwer zu treffen ist. Außerdem untersucht der Geheimdienst Attentate auf internationale Staatsführer, analysiert das Vorgehen der ausländischen Kollegen und simuliert vergleichbare Situationen.

Ein Scharfschütze auf einem Kremlturm während der Militärparade am 70. Jahrestag des Kriegsendes am 9. Mai in Moskau.  / Maksim Blinov/RIA NovostiEin Scharfschütze auf einem Kremlturm während der Militärparade am 70. Jahrestag des Kriegsendes am 9. Mai in Moskau. / Maksim Blinov/RIA Novosti

Insbesondere vor Staatsbesuchen hat der FSO am Amtssitz des Präsidenten viel zu tun. Dann wird einige Tage vorher die Zahl der Museumsbesucher im Kreml drastisch verringert und die Geheimdienste suchen mit Spürhunden mehrfach die Räume des 1849 gebauten Großen Kremlpalastes – gewöhnlich der Ort, an dem die Treffen stattfinden – auf Sprengstoff ab.

Von Zeit zu Zeit führt der FSO auf dem Gelände des Kremls auch Übungen durch: So simulierte der Geheimdienst am 17. November 2016 zusammen mit der Polizei und der Nationalgarde mehrere Stunden lang das Eindringen von Saboteuren in den Kreml. Der Besucherbetrieb war zu der Zeit vollständig eingestellt.

Die verbotene Zone

Die Einschränkungen im Kreml gelten nicht nur für die Türme und die Kremlmauer. Über dem Kreml sind jegliche Flüge, auch von Drohnen, verboten, weshalb bisweilen Touristen festgehalten werden. So nahm der FSO im Jahr 2015 den deutschen Kameramann Holger Fritzsche fest, als dieser versuchte, den Kreml von einer Drohne aus zu filmen. Fritzsche kam mit einem „blauen Auge“ davon – er musste lediglich eine Geldstrafe zahlen.

Von vielen wird übrigens vermutet, dass der Geheimdienst Signale von Drohnen gezielt stört. Der FSO dementiert das zwar, aber ungewöhnlich ist es doch, dass in der Nähe des Kremls immer wieder GPS- und Glonass-Signale verschwinden oder Navigationsgeräte anzeigen, man befinde sich nicht am Amtssitz des Präsidenten, sondern an einem der Moskauer Flughäfen.

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