Geschichte Tag für Tag: 14. September

Stolypin im Totenbett

Stolypin im Totenbett

D. Michajlow / "Ogonjok" №38 1911
In unserem heutigen Rückblick lesen Sie von einem verwundeten Reformer-Premier, Feuern gegen Napoleon und dem altslawischen Neujahrsfest.

1911: Anschlag auf einen Reformer unter dem Zaren

Der russische Ministerpräsident Pjotr Stolypin wird bei einem Attentat schwer verletzt und stirbt vier Tage später.

Stolypin war noch zu Zarenzeiten ein sehr fortschrittlicher Premier und nahm zahlreiche tiefgreifende Reformen in Angriff. Vor allem im Bereich der Landwirtschaft. Von der Leibeigenschaft waren die Bauern in neue Abhängigkeiten geraten, diesmal von der Dorfgemeinschaft (Mir). Die Felder wurden zwar individuell bewirtschaftet, waren aber kollektives Eigentum und wurden in bestimmten Abständen neu verteilt. Außerdem fehlte Ackerland zum Ausbau der ineffektiven Landwirtschaft. Diesen Defiziten wollte Stolypin zu Leibe rücken.

1862, ein Jahr nach der Bauernbefreiung, in Dresden geboren, wurde er 1906 Innen- und Premierminister. Seine Agrarreformen beinhalteten den legalen Ausstieg der Bauern aus den Dorfgemeinschaften, die  Privatisierung von Ackerland, die freie Übersiedlung in das noch kaum bestellte Sibirien sowie die mögliche Unterstützung der Bauern bei zusätzlichem Landkauf durch Gründung einer speziellen Bauernbank. Ziel war in erster Linie, den Wohlstand auf dem Lande zu erhöhen, soziale und wirtschaftliche Infrastruktur sowie ein rechtliches und finanzielles Sicherungssystem zu schaffen.

Zerstörte Kutsche nach Anschlag auf den russischen Ministerpräsidenten Pjotr A. Stolypin am 25.8.1906 auf seinem Landsitz auf der Apothekerinsel bei St. Petersburg

Allein von 1906 bis 1911, als Stolypin von einem Attentäter schwer verletzt wurde und später im Krankenhaus starb, machten sich 22 Prozent der Bauern selbstständig, wenn auch nur auf 14 Prozent des Ackerlands. Gleichzeitig begann die Umsiedlung von selbstständigen Bauern nach Sibirien und Mittelasien. Während der ersten Reformjahre verdoppelte sich so die Einwohnerzahl des asiatischen Teils des russischen Imperiums. Bis 1915, als der Erste Weltkrieg die Reformbemühungen jäh unterbrach, konnte der Getreideertrag um durchschnittlich 12 bis 15 Prozent pro Jahr erhöht werden. Im Jahr 1913 exportierte Russland Getreide für umgerechnet rund 637 Millionen Rubel. Zum Vergleich: Die Jahre 1904 bis 1908 brachten zusammen genommen nur 470 Millionen Rubel aus Getreideexporten ein.

Stolypins Wohnhaus auf der Aptekarsky-Insel in St. Petersburg wurde völlig zerstört.

Ein erstes Attentat 1906 überlebte er noch (sein Landhaus jedoch wurde zerstört - suehe Foto). Am 14. September 1911 aber wurde er bei einem Opernbesuch in Kiew durch Pistolenschüsse schwer verwundet.

Vier tage später erlag seinen schweren Verletzungen vier Tage später in Kiew Sein Grab befindet sich in der heute ukrainischen Hauptstadt, denn Stolypin in seinem Testament bestimmt: „Begrabt mich dort, wo ich ermordet wurde.“

1812: Napoleons Feuerspur

Der französische Feldherr  Napoléon zieht während seines Russlandfeldzuges in Moskau ein. Die sich zurückziehenden Russen legten mehrere Feuer, um den Franzosen nichts Wertvolles zu überlassen. In den folgenden Tagen werden weite Teile der Stadt stark zerstört.

>>> Kanonendonner vor Moskau: Noch einmal schlagen Russen Napoleon

>>> Zwischen den Zeilen von „Krieg und Frieden“

Alexander Smirnow: Brand von Moskau

Vor 1700: Urslawisches Neujahr

Bis ins Jahr 1700 feierten die Slawen am Ende der Erntezeit Neujahr. Im Orthodoxen Jahreskreis ist dies der erste Tag. Der Jahresbeginn wurde schon damals mit einem großen Essen begangen – die Ernte war ja eingefahren!

Die Menschen zogen durch die Felder, um auch künftig eine gute Ernte zu bekommen. Es wurde gesungen, getanzt und Feuer gemacht.

Seit 1700 feiert Russland Neujahr nun am 1. Januar.

>>> Ein Jahr im russischen Volksmund

>>> Weihnachten und Neujahr: Russland feiert doppelt

Vom Sommerende in den tiefsten Winter wurde das Neujahrsfest im Jahr 1700 verlegt.

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