Im Feuer der Revolution 1917: Moskauer Kreml unter Beschuss

Kaum bekannt sind die Ereignisse, die in den Revolutionstagen 1917 im Zentrum von Moskau stattfanden: Der Aufstand der Bolschewisten in der damaligen Nicht-Hauptstadt kostete vielen Zivilisten das Leben.
Die Kirche der Heiligen Konstantin und Helena im Südostflügel des Kremls und der Beklemischewskaja-Turm

Während der bolschewistische Aufstand in der damaligen Hauptstadt Petrograd (heute Sankt Petersburg) am 25. Oktober relativ schnell und blutlos verlief, dauerten die Kämpfe in Moskau mehrere Tage lang an und forderten in Hunderte Tote. Einige Historiker sehen gerade in diesen Ereignissen den Beginn des Bürgerkriegs in Russland. Der Kreml, das Herz der heutigen Hauptstadt, litt am meisten.

Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, wo sämtliche russische Zaren von 1547 bis 1896 gekrönt wurden.

Als die Nachricht von Aufstand und Sturz der provisorischen Regierung im entfernten Petrograd Moskau erreichte, wurden die dortigen bolschewistischen Truppen zur Einnahme des Kremls ausgesandt. Die revolutionären Regimenter besetzten ihn am 26. Oktober, nahezu ohne jeden Widerstand.

 
Löcher in den Mauern der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, der größten Kirche innerhalb des Moskauer Kremls

Die Gegner der Bolschewisten stützten sich hauptsächlich auf Kadetten und Studenten der Militärschulen. Da die revolutionären Soldaten Schwierigkeiten mit der Kommunikation mit den Vorgesetzten hatten, nutzten die Kadetten die Situation beim Kreml-Sturm zu ihren Gunsten. So sagten sie den Aufständischen, dass die regierungstreuen Streitkräfte die Bolschewiken besiegt hätten und die ganze Stadt wieder unter Kontrolle bringen wollten.

Alexiuskirche und Tschudow-Männerklöster, die in den Jahren 1929–30 abgerissen wurden. An dieser Stelle steht heute das Verwaltungsgebäude des Moskauer Kremls.

So zwangen sie die Revolutionäre, ihre Waffen abzugeben. Viele von ihnen, Schätzungen zufolge 50 bis 300, wurden dann von den Kadetten erschossen, der Rest verhaftet. Am 28. Oktober kontrollierten die anti-bolschewistischen Kräfte den Kreml.

Schäden an der äußeren Barbakane des Nikolaj-Turms. Blick vom Roten Platz.

Aber die Bolschewiki gaben nicht auf und bescherten Moskau am folgenden Tag heftigen Artilleriebeschuss.

Im Innern der Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Zu Sowjetzeiten zum Museum erklärt, wurde die Kirche erst nach dem Zerfall der UdSSR 1991 der Russisch-Orthodoxen Kirche zurückgegeben.

Den Regierungstruppen blieb derweil nichts anderes übrig, als auf Verstärkung zu warten, denn in Moskau waren sie den revolutionären Kräften stark unterlegen. Sie erhielten jedoch nahezu keine Hilfe, da die Versuche des gestürzten Premierministers Alexander Kerenskij, Petrograd zurückzunehmen, scheiterten.

Die Metropoliten-Kammer des Tschudow-Klosters.

Die schwere Artillerie war für die Bolschewisten ein strategischer Vorteil, der ihnen letztlich auch den Sieg brachte. Der Beschuss des Kremls dauerte mehrere Tage, besonders intensiv war es am 2. November. Die Bolschewisten versprachen dann wiederum, die gegnerischen Kräfte zu befreien, falls diese ihre Waffen strecken. Die Revolutionäre hielten ihr Wort und die Kadetten verließen unbeschadet den Kreml.

Im Innern der Zwölf-Apostel-Kirche, die Anfang der 1990er Jahre dem Moskauer Patriarchat zurückgegeben wurde.

Mehrere Kirchen und Klöster im Moskauer Kreml erlitten schwere Schäden, ebenso Türme und Mauern. Als Reaktion auf die Bombardierung des Kremls und anderer historischer Denkmäler Moskaus und die zahlreichen Opfer verließ Anatolij Lunatscharskij als Volkskommissar für Bildungswesen seinen Posten. Doch auf Lenins persönliche Bitte hin kehrte er zurück.

Der Patriarchen-Palast, der bis zum 18. Jahrhundert als Wohn- und Arbeitsresidenz des Moskauer Patriarchen diente.

Noch während der blutigen Ereignisse appellierte die Russisch-Orthodoxe Kirche, das Blutvergießen zu beenden: “Russische Waffen beschossen den heiligsten Ort Russlands: den Moskauer Kreml.” Nachdem die Kämpfe beendet waren, begann die Kirche mit der Bestattung der Toten und der Begutachtung der Schäden am Kreml.

Zerstörte Vitrine mit dem Mistislaw-Evangelium, das etwa 1117 in Nowgorod auf Befehl des Fürsten Mstislaw geschaffen wurde. Heute befindet es sich im Staatlichen Historischen Museum am Roten Platz.

Im Dezember 1917 wurde ein Bericht unter dem Titel “Der Beschuss des Moskauer Kremls” herausgegeben: Aber nahezu die gesamte Auflage wurde von den Behörden beschlagnahmt.

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