Im Schatten der Macht: Stalins Familie und ihr Schicksal

Geschichte
OLEG JEGOROW
Josef Stalin (1878 - 1953) war der autoritärste Herrscher der Sowjetunion. Auch für seine nächsten Verwandten war das Leben mit einer der bedeutendsten politischen Figuren des 20. Jahrhunderts alles andere als einfach.

Josef Stalins Name löst in Russland bis heute kontroverse Reaktionen aus. Manche sehen in ihm einen Volkshelden, andere einen paranoiden Verbrecher. In einer Sache sind sich jedoch die meisten einig: Stalin war eine schwierige Person, auch für seine Familie. Vier seiner Familienmitglieder stellt Russian Beyond Ihnen nun im Folgenden genauer vor.

Sein Sohn Jakow Dschugaschwili wurde in deutscher Gefangenschaft erschossen

Laut Simon Montefiores Biographie „Der junge Stalin“ heiratete der Georgier seine erst Frau Kato Swanidze im Jahr 1906. Diese starb jedoch 16 Monate später an Typhus. Auf ihrer Beerdigung soll er verzweifelt in ihre Grabstätte gesprungen sein und musste von den Gästen wieder herausgezogen werden.

Seinem Sohn von Kato, also Jakow Dschugaschwili, wurde diese Liebe nicht zuteil. Im Jahr 1921 kam Jakow nach Moskau und stellte für seinen Vater, der ihn als schwach ansah und der sich mit ihm immer stritt, eine einzige Enttäuschung dar. Im Jahr 1925 verbot Stalin seinem Sohn sogar die Heirat. Jakow unternahm einen Selbstmordversuch und fügte sich mit einer Schusswaffe eine Verletzung zu, woraufhin Stalin höhnisch erwidert haben soll: „Ha, du hast daneben geschossen!“

Dennoch ließ Stalin nach diesem Vorfall seinen Sohn am Leben. Im Jahr 1941 trat dieser dann als Artillerieoffizier unter dem Nachnamen seines Vaters im Zweiten Weltkrieg der Roten Armee bei, wurde von den deutschen Streitkräften nach einem Monat jedoch gefangengenommen und weigerte sich, mit diesen zu kooperieren.

Im Jahr 1943 wurde Jakow schließlich ermordet, als er zu fliehen versuchte. Historiker diskutierten später, ob es sich dabei wirklich um einen Flucht- oder doch vielmehr um einen Selbstmordversuch gehandelt haben könnte. Ebenso unklar ist, ob der Tod seines Sohnes Stalin jemals Leid tat.

Seine zweite Ehefrau Nadeschda Allilujewa beging Selbstmord

Seine zweite Ehefrau Nadeschda heiratete Stalin, als sie 18 und er 39 Jahre alt war und nachdem sie sich kopfüber in den charismatischen Revolutionär verliebt hatte. In den 1920er-Jahren wurde sie zur „First Lady“ der UdSSR und widmete sich vorwiegend dem Haushalt.

Sie zog ihre beiden Kinder Wassilij und Swetlana, geboren im Jahr 1920 und 1926, aber auch Jakow sowie ihren Ziehsohn Artem Sergejew groß. Das Familienleben gestaltete sich jedoch schwierig, da sie und Stalin sich fortwährend stritten. Aber es war auch nicht frei von Zärtlichkeiten, wie der Briefwechsel des Ehepaares beweist. So soll Stalin einst an sie geschrieben haben: „Ich küsse meine Nadeschda so sehr. Dein Josef.“

Unklar bleibt dennoch, warum Nadeschda im Jahr 1932 Selbstmord begangen haben soll. Laut ihrer Tochter Swetlana konnte sie die brutale Politik ihres Mannes nicht mehr ertragen: „Sie war unglücklich und verärgert, musste ihre Gefühle aber unterdrücken… Später kam es dann auf diese Weise zum Ausbruch.“

Ihr Ziehsohn Artem Sergejew behauptete jedoch, dass die Politik seines Vaters nichts mit ihrem Tod zu tun gehabt habe. Seiner Ansicht nach hatte Nadeschda an chronischer Migräne gelitten und konnte sie nicht mehr ertragen. Deshalb habe sie sich am 9. November erschossen – und ließ Stalin am Boden zerstört zurück.

Sein Sohn Wassili Stalin saß sieben Jahre lang im Gefängnis

Wassilij war zur Zeit des Todes seiner Mutter erst zwölf Jahre alt. Um sich von dieser Familientragödie abzulenken, konzentrierte sich Stalin immer mehr auf seine politische Karriere und schenkte seinem Sohn und dessen Schicksal kaum Beachtung: „Wir hatten ein sehr schlechtes Leben“, erinnerte sich Stalin Junior später.

Sich selbst überlassen, verfiel Wassilij dem Alkohol, der zu seinem Zusammenbruch führte. Dennoch galt er als begabter Pilot und diente im Zweiten Weltkrieg. Sein Kollege Sergei Dolguschin sagte einst über ihn, dass er ein mutiger und gewissenhafter Befehlshaber gewesen sei.

Nach dem Krieg, im Jahr 1948, wurde Wassilij zum Befehlshaber der Russischen Luftstreitkräfte in Moskau ernannt und behielt diesen Rang bis 1953, als er sturzbetrunken zu einem Bankett seines Vaters erschien und dessen Unmut hervorrief. Daraufhin feuert Stalin seinen Sohn, der als Reaktion auf die Vorfälle umso heftiger zu trinken begann.

Nach Stalins Tod im Jahr 1953 ging es mit Wassilij weiter bergab. Nach einem Streit mit der neuen sowjetischen Führung wurde er zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt und starb ein Jahr nach seiner Freilassung 1962 an einer Alkoholvergiftung.

Seine Tochter Swetlana Allilujewa floh nach Amerika

„Ich habe das sowjetische Russland immer gehasst“, sagte Stalins Tochter, Swetlana Allilujewa, in einem Interview. Auch die Einstellung ihrem Vater gegenüber war negativ. Obwohl sie sich durchaus an seine Zärtlichkeit in ihrer Kindheit erinnert, konnte sie ihm seine Versuche, ihr Leben zu kontrollieren, niemals vergeben.

Stalin schrieb ihr nicht nur vor, welchen Beruf sie zu wählen hatte, sondern verbannte den älteren Mann, in den sie sich verliebte, für fünf Jahre in ein Arbeitslager. Damit hatte er das Verhältnis zu seiner Tochter endgültig ruiniert.

Nach Stalins Tod träumte sie davon, das Land zu verlassen. Als ihr vierter Ehemann, der indische Kommunist Brajesh Singh, im Jahr 1966 starb, bekam sie die Erlaubnis der sowjetischen Führung, ihn nach Indien zu bringen und seine Asche am Ganges zu zerstreuen. Dort angekommen, begab sie sich zur amerikanischen Botschaft, bat um Asyl und ließ die Sowjetunion sowie ihre zwei Kinder zurück.

Dort starb sie im Jahr 2011. Zuvor wurden ihre Memoiren über ihren Vater unter dem Titel „Zwanzig Briefe an einen Freund“ veröffentlicht. Ihre dort geborene Tochter lebt bis heute in den USA. Allilujewa selbst fühlte sich Zeit ihres Lebens von ihrer Familienvergangenheit verfolgt. „Wo auch immer ich hingehe: Ich werde immer ein politischer Gefangener des Namens meines Vaters sein“, schrieb sie.

>>> Stalins Frauen: An der Grenze zwischen Liebe und Grausamkeit

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