Napoleons erbeutete Schätze: Befinden sie sich noch in Russland?

Napoleons Rückzug aus Moskau im Herbst 1812

Napoleons Rückzug aus Moskau im Herbst 1812

Global Look Press
Napoleons Armee soll während der Invasion in Moskau im Jahr 1812 rund 80 Tonnen Gold erbeutet haben. Dieser Schatz soll sich in Russland befinden und auch nach 200 Jahren noch auf seinen Entdecker warten.

„Man konnte meinen, es handle sich um eine Art Karawane oder ein Regiment, die nach einem gewaltigen Überfall mit Gefangenen und Beute zurückkehrten“, so beschrieb Phillippe Segur, ein Mitarbeiter von Napoleon und späterer Historiker, das Bild von dutzenden Karren, die im Jahr 1812 mit in Moskau erbeuteten Diebesgut beladen waren, als die Franzosen die Stadt verließen.

Aus den Kirchen entwendete Edelmetalle

Das Schicksal der Beute ist bis heute unbekannt. Es gibt Grund zu der Annahme, dass sie sich immer noch in Russland befindet. Der Forscher und Schatzjäger Wladimir Porywajew behauptet, dass es eine Liste von Schätzen gibt, die Napoleons Truppen aus Moskau mitnahmen. „Die dort erwähnten Gegenstände wurden weder auf Auktionen verkauft noch tauchten sie in privaten Sammlungen auf. Das bedeutet, dass Napoleons Schatz Russland nicht verlassen hat und man hier danach suchen muss", schrieb Porywajew in einem russischen Artikel.

Auf diesen 200 Karren befanden sich auch Güter, die von den Einwohnern Moskaus gestohlen wurden. Laut dem Historiker Alexander Seregin sollen die Franzosen 15 000 Moskauer Wohnungen gnadenlos geplündert haben. „Das Widerlichste jedoch war, was sie in Kirchen und Klöstern getan haben. Sie klauten Ikonen, nahmen den Schmuck heraus... Sie schmolzen ihn ein, da es in jeder Kirche einen Schmelzofen gab. Edelmetalle wurden zu Barren geschmolzen und mit dem Buchstaben N versehen. All dies fand innerhalb eines Monats statt. Das entsetzte sogar Napoleon und er erließ den Befehl, mit dem Plündern aufzuhören“, sagte der Historiker in einer russischen Fernsehsendung.

Man vermutet, dass sich unter den gestohlenen Dingen auch ein aus Gold gefertigtes Kreuz vom Glockenturm Iwan des Großen, dem höchsten Gebäude in Moskau, befand. Laut einigen Berichten hatte Napoleon vor, es auf dem Dach der Residenz der Invaliden in Paris aufzustellen, wo er ein Museum der eroberten Nationen errichten wollte.

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Walter Scotts’ Hinweis

Die bekannteste Theorie besagt, dass Napoleon das Diebesgut während seines Rückzugs aus Moskau im Herbst des Jahres 1812 irgendwo versteckte. Obwohl der französische Kaiser es schaffte, die Stadt einzunehmen, konnte er die russischen Truppen am Ende nicht besiegen. Er musste also zurückkehren, um schnell vor den ständigen Angriffen der russischen Regimenter zurückzuweichen. Auf seinem Weg waren einige der Beutekarren, die nach einigen Schätzungen 80 Tonnen Gold enthielten, für ihn eine zu große Last, so dass er befahl, diese zu verstecken.

Laut Segur wurde der Schatz von den Franzosen in den See Semljowskoje in der Nähe von Wjasma, 300 Kilometer westlich von Moskau, geworfen. Ebenso vermutet man, dass Napoleon selbst im Dorf Semljowo auf der Flucht vor den russischen Truppen einen Zwischenhalt eingelegt hatte. Segurs Aussage wurde später vom schottischen Schriftsteller Walter Scott in seinem Buch „Das Leben von Napoleon Bonaparte, dem Kaiser der Franzosen“ aufgegriffen.

Das Geheimnis des Sees

Direkt nach dem Krieg wurden in der Nähe des Ortes eine Menge unterschiedlicher Munition und Dutzende von Gewehren entdeckt. Die Suche nach dem Gold am Semljowskoje See begann bereits in den 1830er Jahren, nachdem Scotts Buch veröffentlicht wurde. Im Jahr 1836 investierte der Gouverneur von Smolensk, Nikolai Chmelnizkij, viel Geld, um die Tiefen des Sees zu erforschen, leider vergeblich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte die Archäologin Jekaterina Kletnowa ihr Glück, aber auch sie erzielte keine Ergebnisse.

Semljowskoje See

In der Sowjetzeit wurden ebenso mehrere Versuche unternommen, die Gewässer des Sees zu erforschen. „Die am besten organisierte Expedition fand Ende der 1970er Jahre statt“, behauptete Andrej I, ein Schauspieler und Fernsehmoderator, der damals als Taucher dabei war. In einer russischen Fernsehsendung erinnerte er sich an die Details der Expedition.

„Wir haben gründlich und systematisch gearbeitet. Zuerst haben die Topografen im Winter eine genaue Karte des Sees erstellt. Dann kamen die Geophysiker und Geochemiker mit ihrer Arbeit an die Reihe. Es wurden zwei mögliche Hinweise unter dem See entdeckt. ... Der erste befand sich nicht im Wasser, sondern in der Nähe, also haben wir einen Bagger benutzt, der ein zwölf Meter tiefes riesiges Loch gegraben hat. Wir haben auf dem Grund gesucht, jedoch nichts gefunden. Im zweiten Fall installierten wir einen Wassermonitor. Die Taucher gruben dort ein Loch. Auf dem Grund des Schafts entdeckten sie jedoch nur einen riesigen Stein.“

Gleichzeitig ist der See Semljowskoje nicht der einzige Ort, an dem Forscher nach Napoleons Schatz suchten. Laut Poriwajew lohnt es sich, in der Nähe von Beresina im heutigen Weißrussland danach zu suchen, dort, wo die französischen Truppen einen erbitterten Kampf gegen die Russen führten und viele Soldaten ihr Leben ließen sowie viele der in Russland geraubten Güter verloren gingen. Dort arbeitete eine Reihe von Forschungsgruppen. Im Jahr 2012 hat ein französisch-belorussisches Team zum Beispiel das Gelände durchsucht, aber nichts gefunden. Das Geheimnis bleibt also bestehen.

>>>Kutusows Schachzug: Wie Moskau für Napoleon zur Falle wurde

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