So wurde Russland zur Großmacht: Fünf Fakten über den Großen Nordischen Krieg

Peter der Große

Peter der Große

Global Look Press
Der Große Nordische Krieg mit Schweden verwandelte das wenig bekannte Russland in eine globale Supermacht – das Russische Reich. Während dieses Konflikts errang Russland seinen ersten Flottensieg und die russische Garde wurde geboren.
  1. Europa hat Russland als Kaiserreich bezeichnet, bevor es eins wurde

Die Schlacht bei Poltawa

Der Sieg in der entscheidenden Schlacht bei Poltawa im Jahr 1709 wurde zu einer Sensation in Europa: Der wilde russische Bär hatte es geschafft, den mächtigen schwedischen Löwen zu besiegen. Das obskure Großherzogtum Russland, das sich am Rande Europas befand, wurde plötzlich zum Zentrum der Aufmerksamkeit führender europäischer Mächte.

Trotz der Tatsache, dass Peter der Große erst nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges 1721 den Titel eines Kaisers erhielt, begannen die Europäer bereits nach dem Sieg bei Poltawa Russland als Imperium zu bezeichnen.

Der Große Nordische Krieg ermöglichte es Russland, Schweden als dominierende Macht in Osteuropa abzulösen. Nachdem es weite Gebiete im Ostseeraum erobert, eine Festung an der Ostsee errichtet und eine starke Armee und Marine geschaffen hatte, präsentierte sich Russland als ernstzunehmende Macht.

  1. Kamele zwangen die schwedische Kavallerie zum Rückzug

Die Schlacht bei Lesnaja von Jean-Marc Nattier

Zu Beginn des Krieges im Jahr 1700 hatten russische und schwedische Truppen ein kleines Gefecht in der Nähe von Pskow. Während des Angriffs stand die schwedische Kavallerie plötzlich ungewöhnlichen Gegnern gegenüber – kalmückischen Kamelreitern.

Kalmücken, ein nomadisches Volk aus Südrussland, dienten als Sondertruppen in der russischen Armee. Ihre plötzlichen Kavallerieangriffe sorgten für Chaos im Hinterland und in den Flanken der schwedischen Armee. Manchmal ritten sie auch auf Kamelen in die Schlacht.

Die schwedischen Pferde flohen – aufgeschreckt durch den Anblick dieser exotischen Tiere. Der Sieg wurde von der kalmückischen Reiterei gesichert, die hinter den Kamelen folgte.

  1. Die Geburt der Russischen Garde

Die Schlacht bei Narva am 19. November 1700 von Alexander von Kotzebue

Der russische Zar Peter der Große hatte einige Jahre vor Beginn des Krieges angefangen, seine Eliteeinheiten ins Leben zu rufen. Das Preobraschensker- und Semjonowskoje-Leibgarderegiment waren Militäreinheiten im europäischen Stil – sie waren neu für Russland und im Vergleich zu den veralteten Strelizen auch erfolgreicher.

Am 2. September 1700 gab Peter der Große den Regimentern den offiziellen Titel der Leibgarde und im November standen sie bereits vor ihrer ersten schwierigen Prüfung – der ersten großen Schlacht mit der Armee des schwedischen Königs Karl dem Zwölften in der Nähe von Narwa.

Der Kampf erwies sich als verheerende Niederlage für die russische Armee: Tausende von Soldaten wurden getötet, überall herrschten Panik und Chaos und sehr viele Offiziere ergaben sich. Die einzige Ausnahme bildeten die Leibgarderegimenter, die drei Stunden lang die Gefechtsgliederung aufrecht erhielten und den schwedischen Ansturm diszipliniert und standhaft zurückschlugen. Nur ihr Einsatz rettete die Armee vor einer völligen Zerstörung.

Peter der Große belohnte seine Gardisten großzügig und machte sie zu einer bemerkenswerten Truppe der russischen Armee. Er befahl außerdem, ihre grünen Strümpfe durch rote zu ersetzen, um zu symbolisieren, dass sie „knietief im Blut“ kämpften.

  1. Die Schweden baten die Russen, ihnen Waffen zu verkaufen

Das Mosaikbild

Der Große Nordische Krieg war geprägt von beispielloser Grausamkeit und Verbitterung zwischen den Kriegsparteien. Trotzdem gab es auch paradoxe und fast schon komische Vorfälle.

Einige Monate vor der Niederlage der schwedischen Armee in der Schlacht bei Poltawa hielten Karl der Zwölfte und Peter der Große ihre ersten Friedensverhandlungen ab, die jedoch zu keiner Einigung führten. Während der Verhandlungen überbrachte der schwedische Gesandte allerdings eine persönliche Anfrage des Königs von Schweden an den Zaren.

Karl der Zwölfte klagte darüber, dass seinen Truppen Lebensmittelvorräte fehlen würden, dass viele Soldaten krank seien und dass seine polnischen Verbündeten zu viel für die Versorgung verlangten. Deshalb schrieb Karl der Zwölfte, dass er dankbar wäre, wenn die Russen ihm Getreide, Wein, Medikamente, Schießpulver und Blei zu einem erschwinglichen Preis verkaufen könnten.

Peter der Große weigerte sich, den Feind zu bewaffnen. Er lieferte ihnen jedoch – kostenlos – drei Karren Korn, zwei Karren Wein und mehrere Karren mit Medikamenten.

  1. Russlands erster Flottensieg

Die Seeschlacht von Hanko (auch Die Schlacht von Gangut)

Bis 1714 konnte Russland einige bedeutsame Erfolge im Krieg verzeichnen – es hatte bereits Mittel- und Südfinnland erobert. Die Ostsee stand jedoch noch unter feindlicher Kontrolle und Russland bemühte sich, diesen Umstand schnell zu ändern.

Am 7. August attackierten knapp 20 russische Galeeren am Kap Gangut, dem heutigen Hanko, eine Abteilung von zehn schwedischen Schiffen, die von der Prahm „Elefant“, einem großen Flaggschiff mit flachem Boden, angeführt wurde.

Die russische Flotte nutzte das ruhige Wetter und den Fehler der Schweden aus, ihre Flotte aufzuteilen. Sie schafften es, die schwedischen Schiffe einzunehmen, indem sie an Bord gingen. Peter der Große selbst nahm an dieser Seeschlacht teil.

Der Sieg wurde in Sankt Petersburg mit einem Triumphbogen zelebriert, der einen Adler darstellt, der auf dem Rücken eines Elefanten sitzt. Die Inschrift lautet: „Ein russischer Adler fängt keine Fliegen“.

In der russischen Geschichte gab es nicht nur große militärische Siege, sondern auch schmerzhafte Niederlagen – mit oft katastrophalen Folgen. Russia Beyond stellt Ihnen die verheerendsten Kriege vor.

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