Große Liebe Katharinas und Eroberer der Krim: Sieben Fakten über Grigori Potjomkin

Geschichte
GEORGI MANAJEW
Lange Zeit galt Grigori Potjomkin als heimlicher Herrscher Russlands. Er hatte einen festen Platz im Herzen der Kaiserin Katharina der Großen. Selbst neben ihrer beeindruckenden Persönlichkeit konnte er sich behaupten.

1. Potjomkin verdankte seine ersten Erfolge seiner Intelligenz 

Grigori Potjomkins Vater starb, als der spätere Fürst sieben Jahre alt war. Seine Mutter zog ihn alleine auf. Potjomkin besuchte ein Gymnasium und später die Moskauer Universität. Er war ein hervorragender Student, der schon nach seinem ersten Jahr eine Medaille für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt und später zu den besten zwölf Studenten der Hochschule gehörte. Doch er beendete sein Studium nicht, sondern trat in das Reiterregiment der Armee ein. 

2. Er war ein schöner und einnehmender Mann

„Er war groß, gut gebaut und muskulös und hatte eine breite Brust, eine gebogene Nase, eine hohe Stirn, hervorgewölbte Brauen, strahlende blaue Augen, einen ebenmäßigen Teint mit leichter Wangenröte und dazu weichgelocktes Haar und strahlend weiße Zähne”, beschrieb der Historiker und Potjomkin-Biograf Wasili Ogarkow ihn.

Potjomkin war nicht nur gutaussehend, sondern auch charakterstark und tatkräftig. Es versteht sich fast von selbst, dass er bei den Damen beliebt war. Er selbst war in eine der mächtigsten Frauen seiner Zeit verliebt: Katharina II., genannt Katharina die Große.  

3. Potjomkin und Katharina die Große sollen ein Ehepaar gewesen sein 

Unter den Favoriten der Kaiserin stand ihr Grigori Potjomkin am nächsten. Er hatte ihren Respekt. Es gab Gerüchte, sie seien heimlich verheiratet gewesen. Nach russischer Tradition hätte die Kaiserin offiziell keinen rangniedrigeren Mann heiraten dürfen und Potjomkin war nur ein einfacher Adeliger, der zudem nicht blaublütig geboren, sondern dem der Titel Fürst erst später verliehen worden war.

Doch lange Zeit lebten sie wie ein Ehepaar gemeinsam im Winterpalast. Potjomkins Gemächer lagen direkt über denen der Kaiserin. Nur ihm war es gestattet, jederzeit und unaufgefordert deren private Räumlichkeiten betreten zu können. In Briefen nannte Katharina II. Potjomkin „meinen lieben Gemahl“ und bezeichnete sich selbst als Frau und Ehefrau.  

4. Er war der engste Vertraute von Katharina II. 

1774 wurde Potjomkin zum Gouverneur der neu gegründeten Provinz Neurussland ernannt. Er stand Katharina nicht mehr ganz so nahe und spürte die Trennung sehr deutlich. 

Doch er war es auch, der ihr 1775 seinen Untergebenen Peter Sawadowski vorstellte, der ihr Sekretär und neuer Geliebter wurde.

Potjomkin beriet die Kaiserin weiterhin in Staatsangelegenheiten und blieb ihr Vertrauter. „Niemand kommt an Dich heran“, schrieb Katharina II. ihm. Potjomkin hatte viele wichtige Aufgaben. Er baute Neurussland auf, eroberte die Krim und begann 1775 eine Armeereform. 

5. Er verbannte Perücken aus der Armee 

Potjomkin gehörte selbst zum Militär. Er wusste, dass es wichtig war, dass sich die Männer wohlfühlten. Er schaffte die zuvor üblichen Perücken ab, die gelockt und geflochten werden mussten. Nur Offiziere trugen diese weiterhin. Auch ersetzte er die zwar sehr stattlich aussehenden, aber sehr unbequemen, doppelt gewebten Wollmäntel mit Gürtel durch praktische Hosen, Jacken und Stiefel. Aufwendige Kopfbedeckungen wichen schlichten Helmen. 

Der wichtigste Punkt seiner Reform war jedoch, dass den Soldaten Respekt entgegengebracht werden sollte. Er sorgte sich auch um deren Gesundheit und betonte, dass bisher im Krieg mehr Soldaten durch Schmutz und Krankheiten gestorben waren als durch Kugeln und Granaten.

6. Er machte die Krim zu einem Teil Russlands 

Als Gouverneur von Neurussland, entwickelte Potjomkin einen Plan, um auch die benachbarte Krim zu erobern. Nach dem Sieg über das Osmanische Reich 1774 wurde das Chanat der Krim im Rahmen eines Friedensvertrages zum Freistaat erklärt. Die Türken hatten es jedoch nicht eilig, ihre Truppen von dort abzuziehen. Unter der Führung von Potjomkin gelang es den Russen über viele Jahre hinweg, ohne Blut zu vergießen, eine Einigung mit den Türken und der Bevölkerung der Krim über den Zusammenschluss mit Russland zu erzielen. 

Im Jahr 1783 leisteten der Adel und das Volk der Krim auf dem Plateau des Berges Ak-Kaya in Anwesenheit von Potjomkin einen Eid auf die Kaiserin. Potjomkin stieg in den Rang eines Feldmarschalls auf.

1787 besuchte Katharina II. die Krim in Begleitung ihres gesamten Hofstaates. Fast 3.000 Menschen, 14 Wagen, 124 Schlitten mit Wagen und 40 Ersatzschlitten waren auf der Halbinsel im Zuge dieser kaiserlichen Prozession. Katharina saß in einer Kutsche, die von 40 Pferden gezogen wurde. Zwölf Tage verbachte sie auf der Krim.  Potjomkin wurde für diesen Erfolg der Beiname „von Taurien“ verliehen. 

7. Er starb wie ein Soldat auf offenem Feld 

Der Krieg gegen die Türken ging weiter. Auf dem Weg von Jassy nach Nikolajew am 16. Oktober 1791 wurde Potjomkin sehr krank. Er wollte die Kutsche verlassen und starb auf offenem Feld. Die Kaiserin war untröstlich über diesen Verlust. „Mein Schüler, mein Freund, man könnte sagen, mein Idol, Fürst Potjomkin von Taurien ist tot“, schrieb sie. Potjomkins Asche wurde in der Katharinen-Kathedrale in Cherson beigesetzt. 

>>> Warum Katharina II. die Große genannt wird