3 ungewöhnliche Geschenkewünsche von sowjetischen Kindern an Väterchen Frost

Alexander Makarow/Sputnik
Ded Moroz oder Väterchen Frost, der russische Weihnachtsmann, wurde in der UdSSR gottgleich verehrt. Sowjetische Kinder waren überzeugt, es gebe keinen Wunsch, den er nicht erfüllen könne.

1. Mandarinen

„Der Geruch von Wodka, Kiefer und Kabeljau, Mandarinen, Zimt und Äpfeln!“, so beschrieb der Dichter und Nobelpreisträger Josef Brodsky den Neujahrsgeist.

Mandarinen, die erstmals in den 1870er Jahren aus Deutschland nach Russland importiert wurden, galten fast einhundert Jahre später als Symbol für den guten Start in ein neues Jahr. Anfang des 20. Jahrhunderts schmückten einige Moskauer Familien ihren Weihnachtsbaum sogar traditionell mit dem Obst.  

Zwischen den 1920er und 1960er Jahren waren Mandarinen in der UdSSR schwer zu bekommen. Nur diejenigen, die im Süden des Landes lebten (in der Georgischen SSR und in Abchasien, damals Teil Georgiens), hatten Zugang zu solchen exotischen Früchten.

Die Sonne begann erst in den frühen 1960er Jahren auf der anderen Seite des Zauns zu scheinen. Ab da waren Mandarinen fast überall in der Sowjetunion erhältlich. Zwischen Marokko und der UdSSR wurde ein bahnbrechendes Abkommen erzielt, wonach Mandarinen aus dem nordafrikanischen Land im Austausch gegen sowjetische Traktoren, Erntemaschinen und Stickstoffdünger importiert wurden. Mandarinen kosteten einen Rubel und 30 Kopeken pro Kilo. Das durchschnittliche Monatsgehalt betrug damals 80 Rubel.

„Ich träumte von einer Kiste Mandarinen“, erzählt der 71-jährige Boris. „Mitte der 1950er Jahre war der Duft von Mandarinen in Moskau so selten wie der Duft der Freiheit. Ich schrieb mehrere Briefe an Ded Moroz und bat ihn, mir ein paar Mandarinen zu bringen. Ich habe versprochen, mich gut zu benehmen und ein sehr guter Schüler zu werden.“ 

2. Reise zu den Sternen 

Der legendäre sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin schaffte es als erster Mann im Weltraum in die Geschichtsbücher. Sein 108-minütiger Orbitalflug am 12. April 1961 leitete die Ära der Weltraumforschung ein. Seine Begeisterung und sein entschlossener Ehrgeiz machten Gagarin zum Vorbild von Generationen sowjetischer Männer.

Dmitri war sieben Jahre alt, als Gagarin an Bord von „Wostok 1“ ins All reiste. „Ich war so beeindruckt, dass ich den Appetit verlor und an einer mysteriösen Krankheit erkrankte. Ich hatte ein paar Schultage verpasst, weil ich nur an Juri Gagarin denken konnte! Ich fragte meine Eltern immer wieder: ‚Wie hat er das geschafft?‘ Ich habe meinen Wunschzettel schon acht Monate früher als sonst an Ded Moroz geschickt. Ich habe darin nicht einmal ‚Guten Tag‘ gesagt, sondern bin gleich zur Sache gekommen. Väterchen Frost sollte mir helfen, so schnell wie möglich zu den Sternen fliegen zu können,“ Dmitri erinnert sich, dass alle Jungs in seiner Nachbarschaft besessen vom Thema Raumfahrt waren und jeder hoffte, eines Tages zum Mond und zurück fliegen zu können. 

3. Weltfrieden

Nina war gerade sechs Jahre alt, als sie zum ersten Mal an Ded Moroz schrieb. Sie beschloss, ihm ihre Sorgen und Ängste anzuvertrauen. Am meisten fürchtete sie sich vor einem Krieg zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten. Ninas Vater Viktor, ein begabter Zeichner, hatte seiner Tochter ein düsteres Bild der Kubakrise gemalt, die Moskau und Washington 1962 fast an den Rand eines Atomkrieges gebracht hatte.

Nina steigerte sich in die Vorstellung hinein, die ganze Welt würde Krieg gegeneinander führen und in nuklearer Zerstörung enden. „In meinem kurzen Brief an Väterchen Frost habe ich ihn gebeten, die Welt zu retten“, erinnert sich die heute 47-jährige Nina. „Ich habe vorgeschlagen, dass seine schöne Begleiterin Snegurotschka ihren ganzen Charme spielen lassen sollte, um die beiden Seiten zu versöhnen. Ich war nicht alleine mit diesen Ängsten. Einige meiner Klassenkameraden erzählten mir später, dass sie sich in ihren schlimmsten Albträumen oft einen Atomkrieg vorgestellt hätten.“ 

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