Mehr Geld für russische Naturschutzgebiete

In den nächsten Jahren ist in Russland die Eröffnung von 21 zusätzlichen Nationalparks geplant. Auf dem Bild: Das föderale Naturschutzgebiet Solowezki-Inseln.  Foto: Lori/Legion Media

In den nächsten Jahren ist in Russland die Eröffnung von 21 zusätzlichen Nationalparks geplant. Auf dem Bild: Das föderale Naturschutzgebiet Solowezki-Inseln. Foto: Lori/Legion Media

In den nächsten Jahren soll die Zahl der Naturschutzgebiete und Nationalparks deutlich erhöht werden. Sie sollen den Tourismus ankurbeln und Naturlandschaften schützen.

Bis Ende 2014 wird es in Russland zwei neue Sapowedniki, Gebiete, die von menschlichen Einflüssen so frei wie möglich gehalten werden, sowie fünf Nationalparks und föderale Naturschutzgebiete geben. Bis 2020 soll die Zahl der Reservate um weitere sechs landschaftlich besonders geschützte Gebiete und elf Nationalparks erweitert werden. Pläne für neue Sapowedniki gab es schon lange, erläutern Experten. Bislang scheiterte ihre Umsetzung am Geld.

Um ein Sapowednik oder einen Nationalpark zu gründen, muss man das betreffende Gelände nicht nur einzäunen und Aufseher mit seiner Überwachung beauftragen. Es bedarf auch eines ganzen Stabs von Spezialisten, die kompetent sind, das Objekt zu erforschen und für Naturliebhaber Exkursionen zu organisieren.

„Der Erhalt eines jeden Gebietes bedeutet finanziellen Aufwand. Der Schutz wertvoller Naturgebiete ist eine staatliche Aufgabe. Er verlangt Forschungsarbeiten, die Bevölkerung muss aufgeklärt werden, die Unterhaltung des Geländes erfordert spezielle Maßnahmen. Auf dem Gebiet von Nationalparks können sich Siedlungen befinden, deren Bewohner man ebenfalls unterrichten muss", erklärt die Leiterin der gemeinnützigen Organisation „Ökologisches Bildungszentrum ‚Sapowedniki'" Natalja Danilina.

Häufig stehe auch nicht nur die Natur, sondern das kulturelle Erbe unter Schutz. Daher sollten angesichts der verstärkten Tourismusförderung vor allem Nationalparks gegründet werden, an denen es in Russland vor allem mangelt.

„Diese Form geschützter Naturzonen ist für die Entwicklung des Tourismus besonders wertvoll. Es gibt nicht nur insgesamt zu wenig von solchen Gebieten, sie sind auch sehr ungleich verteilt im Land. Nationalparks haben zwei gleich wichtige Aufgaben. Sie sollen den Tourismus ankurbeln und ein Stück Natur erhalten. Nationalparks zu unterhalten ist ein besonders schwieriges Unterfangen, weil die Besucher Müll hinterlassen und die Logistik eigene Probleme aufwirft", erklärt die Expertin.

 

Die Ziele sind ehrgeizig

In den nächsten eineinhalb Jahren ist in Russland die Eröffnung von fünf zusätzlichen Nationalparks geplant, bis zum Jahr 2020 soll ihre Zahl auf 16 steigen. Als erste werden die Nationalparks Schantar-Inseln (Region Chabarowsk), Tschikoi (Region Transbaikalien), Atarskaja Luka (Region Kirow), Sengilejewskije Gory (Gebiet Uljanowsk) und Moskworezkij (Moskauer Gebiet) eröffnet. Es entstehen außerdem die neuen Sapowedniki Ingermanlandskij (Leningrader Gebiet) und Wassjuganje (Gebiete Tomsk und Nowosibirsk) sowie das föderale Naturschutzgebiet Solowezki-Inseln (Gebiet Archangelsk).

„Diese Gebiete stehen ab 2014 unter besonderem Schutz, die entsprechenden Planungen sind schon sehr weit vorangeschritten. Es liegen bereits wissenschaftliche Untersuchungen vor und man hat die erforderlichen Vereinbarungen geschlossen. Jedes Naturdenkmal ist

einzigartig", sagt Wsewolod Stepanizkij, Leiter der Abteilung für staatliche Politik und Regulierung im Bereich Naturschutz und Öko-Sicherheit des Umweltministeriums.

„Das Sapowednik Ingermanlandskij zum Beispiel wird nördlich des Finnischen Meerbusens an der russisch-finnischen Grenze auf Inseln gegründet. Dort findet man einzigartige Ökosysteme, die für die Wanderung von Wasser- und Küstenvögeln und für den Erhalt der Ringelrobbe sehr wichtig sind. Jenseits der finnischen Grenze gibt es schon lange einen Nationalpark, der die Inseln vor dem Finnischen Meerbusen umfasst."

Bei Moskau sollen die neben der großflächigen Bebauung mit Wohnhäusern und Datschensiedlungen verbliebenen Wälder besonderem Schutz unterstellt werden. Experten zeigen sich besonders erfreut angesichts der Gründung des Sapowedniks Wassjuganje. „Wir haben es hier mit einem der weltweit größten Ökosysteme zu tun, mit einzigartigen Sumpflandschaften und einem großen Vorrat an Süßwasser", bemerkt der Beamte.

 

Es mangelt an finanziellen Mitteln

Noch seien aber, so Stepanizkij, nicht alle Hindernisse einer Realisierung der umfangreichen Projekte aus dem Weg geräumt. So seien verhältnismäßig wenig Gelder für diese Ziele bereitgestellt worden. Als schwierig könne sich außerdem die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern erweisen.

„Die Ausgaben sind in der föderalen Haushaltsplanung bis 2020 festgeschrieben. Für unsere Objekte sind, abhängig von Lage und Zweckbestimmung, jeweils verschiedene Summen vorgesehen. Derzeit gibt es 102 staatliche Sapowednikis, 45 Nationalparks und 70 föderale Naturschutzgebiete. Unser größtes Problem sind die niedrigen Gehälter der Mitarbeiter. Das Defizit an qualifiziertem Personal ist eine unmittelbare Folge dieses Problems. Um die Situation grundsätzlich verändern zu können, müsste das Budget für alle Bereiche auf das Doppelte erhöht werden", erklärt Stepanizkij. Heute stehen für alle geschützten Naturgebiete insgesamt 128 Millionen Euro bereit.

Mit der Zeit werde man Experten finden, auch wenn die Gehälter in diesem Bereich des Naturschutzes nicht gerade verlockend seien, meint Danilina.

Wie Mitarbeiter in Internetforen berichten, bieten die Naturschutzzonen im Norden noch die am besten bezahlten Arbeitsplätze. Dennoch brauche man einen zweiten Job, um genug zum Leben zu haben. „Im Ural liegen die Gehälter bei 115 Euro, mit Prämien und Sonderzulagen kann man auf 180

Euro kommen. Dabei muss man eine Menge Geld dafür ausgeben, sich eine Wohnung vor Ort zu beschaffen und einzurichten", berichten Ökologen über ihre Erfahrungen.

Hochschulabsolventen lassen sich allerdings erfahrungsgemäß nicht von den mageren Verdienstaussichten abschrecken. Sie sind auch für wenig Geld dazu bereit, in die Wälder und Sümpfe der Naturschutzzonen zu ziehen.

„Ich liebe seit meiner Kindheit die Natur und habe immer davon geträumt, mich im Naturschutz zu verwirklichen", erzählt Jelena Babenkowa, Studentin der Fakultät für Biologie und Bodenkunde der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, Russland HEUTE. „Die Arbeit in einem Sapowednik ist eine ganz besondere Aufgabe. Sobald ich meinen Master habe, suche ich mir auf jeden Fall einen solchen Arbeitsplatz."

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