Flugzeugabsturz: Wie kam die Bombe an Bord des Airbus?

Flugexperten gehen davon aus, dass die Bombe durch einen Flughafenangestellten an Bord des Airbus A321 gebracht wurde.

Flugexperten gehen davon aus, dass die Bombe durch einen Flughafenangestellten an Bord des Airbus A321 gebracht wurde.

AP
Offenbar war ein Bombenanschlag die Ursache für den Absturz der russischen Passagiermaschine in Ägypten. Das bestätigte der Geheimdienst. Doch wie konnte eine Sprengladung trotz strenger Sicherheitskontrollen an Bord gelangen?

Der Absturz des russischen Passagierflugzeugs am 31. Oktober in Ägypten war ein Terroranschlag. An Bord des Airbus A321 der Fluggesellschaft Kogalymavia soll sich eine Bombe befunden haben, wie der russische Inlandsgeheimdienst FSB am Dienstag mitteilte. Bis zu 1,5 Kilogramm TNT-Sprengstoff habe der wahrscheinlich selbstgebaute Sprengkörper enthalten. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete kurz darauf, dass am ägyptischen Flughafen Scharm al-Scheich zwei Mitarbeiter verhaftet worden seien. Später erfolgte jedoch ein Dementi. Russland hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Drahtzieher des Anschlags führen, eine Belohnung von 50 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Bei den Personen- und Gepäckkontrollen soll es keine Sicherheitsmängel gegeben haben. Flugexperten gehen davon aus, dass die Bombe durch einen Flughafenangestellten an Bord gebracht wurde. Ein Selbstmordattentat halten die Experten dagegen für eher unwahrscheinlich. Wadim Lukaschewitsch vom Raumfahrtcluster Skolkowo erklärt: „Ein Selbstmordattentäter trägt die Sprengladung entweder am Körper oder stellt sie erst im Flugzeug her, aus Substanzen, die er an Bord gebracht hat.“ Im Falle des abgestürzten Airbus sei jedoch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Explosion durch eine Bombe in einem Gepäckstück im Laderaum der Maschine oder durch eine an eine an Flugzeugteilen angebrachte Sprengladung erfolgt sei, so Lukaschewitsch.

Leonid Koschelew, Vorstandsmitglied des russischen Verbands der Piloten und Flugzeugbesitzer, hält es durchaus für vorstellbar, dass der Sprengsatz  tatsächlich in einem Gepäckstück platziert wurde. So war es auch beim Lockerbie-Anschlag 1988. In diesem Fall wäre die Bombe aber erst nach den Sicherheitskontrollen dort platziert worden, meint er, etwa durch einen der Belader. Das Ladepersonal verstaut die Gepäckstücke nach den Kontrollen auf Gepäckkarren oder in Containern und bringt die Ladung ins Flugzeug. „Jedes Flugzeug hat zwei Frachträume. Beim Airbus brach infolge der Explosion der hintere Teil auseinander. Dies deutet auf eine Bombe im hinteren Frachtraum hin“, sagt Lukaschewitsch.

Nicht nur die Passagiere sollten kontrolliert werden

Ein Terrorist unter dem Flughafenpersonal hätte die Gelegenheit, einen Sprengsatz auch in anderen Bereichen eines Flugzeugs anzubringen. „Es gibt technische Luken. Wer sich mit Flugzeugbau auskennt, der kann sie bedienen. Und bei einer Flugzeugwartung kann man durch diese Luken alles hineinbringen“, sagt Magomed Talboew, ein bekannter russischer Testflieger und Ehrenpräsident des Internationalen Luft- und Raumfahrtsalons MAKS. Für eine verheerende Explosion seien bereits 200 Gramm Sprengstoff ausreichend. Der Täter könnte also auch in den Reihen des Wartungspersonals zu finden sein. „Früher wurde eine Maschine durch den Bordingenieur gewartet“, erzählt Talboew. Diese Stelle gebe es heute aber nicht mehr: „Eine Chartermaschine wie diese landet und startet gleich wieder. Wer das Flugzeug wartet, wer für die Kontrollen vor dem Abflug verantwortlich ist, das weiß man nicht.“

Eine weitere Möglichkeit sei, dass der Sprengkörper am Fahrwerk platziert wurde. Die Fahrwerksklappen sind offen, wenn das Flugzeug am Boden ist.  „Nach einer Magnetisierung könnte dort leicht eine Bombe versteckt werden“,  sagt Lukaschewitsch. Es sei auch denkbar, dass Mitarbeiter des Reinigungspersonals Sprengstoff an Bord schmuggelten. Nicht auszuschließen sei auch, dass eine Bombe im Speisewagen des Cateringservices versteckt wurde, so wie in dem Film „Concorde Affaire ʽ79“. Lukaschewitsch hält dieses Szenario auch beim Absturz der russischen Passagiermaschine für möglich.  

Wird das Flughafenpersonal überprüft? Theoretisch, ja. Das ist ebenso ein Teil der Flugsicherheit wie beispielsweise Körperscanner für Fluggäste. Doch in Ägypten würden die Kontrollen laut Koschelew nicht akribisch genug durchgeführt. Dort vertraue man den Angestellten, etwa weil sie schon jahrelang dabei seien.

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