Lebendige Dokumentation: Putin eröffnet Jelzin-Museum

Acht Jahre nach Jelzins Tod eröffnet ihm zu Ehren ein Museum.

Acht Jahre nach Jelzins Tod eröffnet ihm zu Ehren ein Museum.

Tatiana Andreewa
Der russische Präsident Wladimir Putin eröffnete am Mittwoch in Jekaterinburg ein Museum, das an den ersten Präsidenten Russlands Boris Jelzin erinnert. In den Ausstellungsräumen werden die turbulenten Jahre des Umbruchs wieder lebendig.

In Jekaterinburg wurde am Mittwoch ein Museum eröffnet, das an den ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin und seine Amtszeit erinnert. Grundlage dafür war ein Gesetz aus dem Jahr 2008, das die Bewahrung des historischen Erbes von russischen Präsidenten vorschreibt. So erschien zur Eröffnung auch Russlands amtierender Präsident Wladimir Putin, den Jelzin einst mit den Worten: „Gib acht auf Russland“ zu seinem Nachfolger gemacht hatte.

Foto: Tatiana Andreewa

„Das Wirken jedes Präsidenten eines Landes ist seine Zeit, unabhängig davon, wie lange er regiert hat. Es ist eine Epoche in der Geschichte des Landes mit all den Leistungen und Verfehlungen des Staatsoberhaupts“, sagte die Witwe Naina Jelzina bei der Eröffnung. „Es muss so sein, dass ein Präsidentenzentrum – nicht nur das von Jelzin, sondern auch das eines jeden nächsten Staatschefs – Antworten auf alle Fragen jener Zeit bietet. Natürlich sollte das absolut glaubwürdig geschehen, das heißt ohne überzogenen Lack; allein die dokumentierte Wahrheit muss gezeigt werden“, betonte Jelzina.

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Und Authentizität bietet das neue Museum, das zugleich das erste seiner Art ist. Der Kurator Ralph Appelbaum, der unter anderem auch das Jüdische Museum in Moskau konzipiert hat, steht wie kaum ein anderer für Lebendigkeit und Interaktion. Auch das Jelzin-Museum enttäuscht nicht. In der Eingangshalle wird der Besucher von einer lebensechten Jelzin-Bronzeskulptur auf einer Bank empfangen – man muss sich einfach dazu setzen.

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Durch die Ausstellung begleiten Audioguides. Neben Russisch gibt es auch eine englischsprachige Version. Es ist geplant, die Führung künftig zudem in Deutsch, Spanisch und Französisch anzubieten. Es war nicht leicht, das Material für die Ausstellung zusammenzustellen, denn viele Aufzeichnungen waren einfach überspielt worden. Nicht nur deshalb sind einige Schaukästen im Museum leer geblieben. Hier können die Besucher selbst Gegenstände aus der Jelzin-Ära ausstellen oder Erinnerungen teilen.

Sieben Räume für sieben Phasen

Foto: Tatiana Andreewa

Das Museum ist in sieben Räume unterteilt, die die sieben bedeutendsten Ereignisse der Geschichte Russlands am Ende des 20. Jahrhunderts zeigen: Glasnost und Perestroika, der Putschversuch gegen Michail Gorbatschow im August 1991, Reformen, Verfassung, Wahlen, Präsidentschaftszeit und Abschied Jelzins aus dem Kreml. Die Ausstellungsräume sind kreisförmig angeordnet, sie sollen das Rad der Geschichte symbolisieren. „Diese Anordnung war eine Idee des bekannten russischen Regisseurs Pawel Lungin“, erzählt Ljudmila Telen die stellvertretende Leiterin des Jelzin-Zentrums.

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Zur Einstimmung können die Besucher einen Film über die Geschichte Russlands anschauen, von der alten Rus bis zur Gegenwart. Zahlreiche Dokumente, Fotos und Videos zeugen von der wechselvollen Geschichte und der Einstellung der Gesellschaft zu verschiedenen historischen Ereignissen. Ein Highlight ist der originalgetreue Trolleybus, mit dem Jelzin unterwegs war, bevor er Präsident wurde. Viele Filme geben einen Einblick in den Arbeitsalltag Jelzins.

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Und auch sonst wird im Jelzin-Museum die Geschichte lebendig, etwa in einer für die Zeit ganz typischen Wohnung oder im Arbeitszimmer Jelzins, das eigens aus dem Kreml nach Jekaterinburg gebracht wurde. Es scheint, als würde Jelzin jeden Moment zurück ins Zimmer kommen: Sein Jackett hängt über der Stuhllehne, auf dem Tisch steht noch eine Teetasse und der Stift, mit dem er Gesetze unterzeichnete, liegt griffbereit. Sogar das Fenster, aus dem Jelzin sich in der Neujahrsnacht vom russischen Volk verabschiedete, ist nachgebildet, inklusive der Eisblumen an den Scheiben. Und der Besucher hört die berühmten letzten Worte des Präsidenten in seiner Amtszeit: „Ich bin müde. Ich gehe.“

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