Nachwuchs für Lawrow: So wird man russischer Diplomat

Alexander Shcherbak / TASS
Der 10. Februar ist in Russland der Tag der Diplomaten. An gleich zwei Ausbildungsstätten wird vermittelt, wie man sicher auf dem mitunter glatten diplomatischen Parkett besteht: Am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) und der Diplomatische Akademie Moskau.

Wer sich in Russland berufen fühlt, die Interessen seines Landes im Ausland zu vertreten, kann entweder in die Politik gehen und sich dort einen großen Namen machen oder den herkömmlichen Weg beschreiten und eine Diplomatenausbildung absolvieren. Auf der Karriereleiter im Außenministerium voranzukommen ist mitunter mühsam und langwierig. In jedem Falle ist die erste Stufe eine Ausbildung entweder am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) oder an der Diplomatischen Akademie Moskau.

In Russland verbindet man die Ausbildung zum Diplomaten vor allem mit dem MGIMO. Es entstand ursprünglich als Fakultät für internationale Beziehungen der Lomonossow-Universität Moskau. Im Jahr 1944 wurde die Fakultät jedoch in eine selbständige Universität unter der Leitung des Außenministeriums umgewandelt. Im Laufe der Jahre entstanden neue Fakultäten und Abteilungen. Heute werden hier nicht nur Diplomaten, sondern auch Journalisten, Juristen und Volkswirte ausgebildet.

Karriereschmieden

Die Universität war und werde immer eine Schmiede für zukünftige Mitarbeiter des Außenministeriums sein, ist man an der Hochschule überzeugt. Von den rund 90 Neueinstellungen in den diplomatischen Dienst seien die Hälfte Absolventen des MGIMO, weiß Jewgeni Baschanow, Rektor der zweiten Ausbildungsstätte, der Diplomatischen Akademie Moskau, zu berichten. Baschanow selbst kommt vom MGIMO, ebenso wie Russlands amtierender Außenminister Sergej Lawrow. Der Rektor des MGIMO Anatoli Torkunow war im selben Jahrgang. Lawrow und Torkunow haben orientalische Sprachen studiert: der Außenminister Singhalesisch, der Hochschulrektor Koreanisch. Nicht nur Liebhaber solch eher selten gelernter Sprachen haben am MGIMO eine riesige Auswahl: 54 Fremdsprachen bietet die Hochschule und schaffte es damit 2010 sogar ins Guinness-Buch der Rekorde als Universität mit dem größten Fremdsprachenangebot.

Das MGIMO nimmt längst nicht jeden auf. Das war bereits zu Sowjetzeiten so und gilt noch heute. Es hält sich das Gerücht, dass eine Aufnahme nur mit sehr guten Beziehungen und reichen Eltern möglich wäre. Nachweisbar ist, dass die Aufnahmebedingungen der Hochschule Jahr für Jahr anziehen.

Dass es auch ohne Beziehungen geht, beweist Julia Kowaljowa, die zurzeit ihren Master absolviert. Vor fünf Jahren kam sie aus der Oblast Brjansk im Westen Russlands nach Moskau und glaubte nicht wirklich, jemals so weit zu kommen: „Ich habe mich an mehreren Universitäten beworben“, erzählt Kowaljowa. „Das MGIMO hatte die schwierigste Aufnahmeprüfung in Englisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die überhaupt irgendjemand bestehen könnte. Dann stellte sich heraus, dass ich es geschafft hatte“, berichtet sie. Kowaljowa wurde den Sprachen Thailändisch und Laotisch zugeteilt, was sie zunächst überrascht hatte. Doch bedauert hat sie es nie: „Besuche in der Botschaft anlässlich des Geburtstages des Königs von Thailand, fünf Monate Praktikum in Bangkok und die Teilnahme an vielen kulturellen Veranstaltungen – all das hat mein Studentenleben unvergesslich gemacht.“

Das richtige Auftreten

Neben dem MGIMO ist auch die Diplomatische Akademie Moskau für die Ausbildung der Mitarbeiter des Außenministeriums zuständig. Sie wurde im Jahr 1934 gegründet. Dort wurden in über 80 Jahren mehr als 8 000 Diplomaten und etwa 700 Botschafter aus verschiedenen Ländern ausgebildet. Der Schwerpunkt der Akademie liegt in der Verwaltungsausbildung. Zudem lernen die Studierenden auch das richtige Auftreten auf internationaler Bühne.

Der Student Maxim Swiridow machte seinen Bachelor am MGIMO und wechselte für den Master zur Diplomatischen Akademie. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es an der Akademie sehr viel förmlicher zugeht. Beispielsweise würde schon an der Hochschule darauf geachtet, dass die Kleiderordnung des Außenministeriums eingehalten wird: „Hier ist alles sehr offiziell. Es empfiehlt sich, im Anzug zu erscheinen, sonst wird man schon einmal schief angesehen.“ Die konservative Ausrichtung der Akademie ist nachvollziehbar. Hierher kommen auch bekannte Wissenschaftler und Politiker aus dem Ausland. Sie lehren jedoch nicht nur, sondern besuchen gelegentlich selbst Kurse, um ihre Kompetenzen zu erweitern.

Info:

Am MGIMO studieren rund 1 000 Ausländer. Ein Teil von ihnen muss keine Studiengebühren bezahlen, wenn es eine entsprechende vertragliche Vereinbarung zwischen der Russischen Föderation und dem Entsendeland gibt. Ansonsten kostet das Studium etwas. Es gibt auch englischsprachige Lernprogramme. Interesse? Die Aufnahmebedingungen finden Sie auf der Homepage des MGIMO.  

An der Diplomatischen Akademie Moskau studieren mehrere hundert Ausländer. Die Studiengebührenregelung gleicht der des MGIMO. Vor der Aufnahme muss ein russischer Sprachtest absolviert werden.

Für das Studium an einer russischen Universität benötigen Ausländer das entsprechende Visum.

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