Von Schätzen und Spickzetteln: Geschichten von Universitätsgebäuden

Moscow State University. Source: Lori / Legion Media

Moscow State University. Source: Lori / Legion Media

Die wertvollsten Gebäude in Russlands Städten wurden den russischen Hochschulen übergeben. Nur in seltenen Ausnahmen liegen Hochschulgelände vor den Stadtgrenzen. Und so haben manche Universitätsgebäude besondere Geschichten zu erzählen.

1. Das Hauptgebäude der Moskauer Staatsuniversität, bekannt auch als Lomonossow-Universität, auf den Sperlingsbergen in Moskau ist das bekannteste Universitätsgebäude in Russland. Neben dem Hauptcampus auf den Sperlingsbergen neben der gleichnamigen U-Bahnstation gehören der MGU noch eine Vielzahl von Gebäuden in der ganzen Stadt an. 

Das Gebäude der Lobatschewski-Universität. Foto: Pressebild 

2. Das Gebäude der Lobatschewski-Universität, die sich in der Nähe des Nowgoroder Kremls befindet, beherbergte vor der Revolution eines der besten Hotels der Stadt. 1833 stieg dort Alexander Puschkin ab, im Sommer 1826 mieteten sich die Dekabristen ein, die in die Verbannung nach Sibirien ziehen mussten.

Das Hauptgebäude der Staatlichen Universität Tomsk. Foto: Pressebild

3. Der Entwurf des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität Tomsk – der ältesten russischen Universität zwischen dem Ural und dem Pazifik – wurde unter dem Chemiker Dmitrij Mendelejew entwickelt, der das Periodensystem der Elemente aufstellte. Auf dem Campus der TGU befindet sich das geografische Zentrum Eurasiens, das im Jahr 1911 auf der Internationalen Seismologie-Konferenz in Manchester bestätigt wurde.

Foto: www.ifmo.ru

4. Es ist nicht authentisch belegt, ob sie gefunden wurden oder nicht, aber es gibt allen Grund zur Annahme, dass im Gebäude der Staatlichen Universität für Informationstechnologien, Mechanik und Optik (ITMO) in Sankt Petersburg nach wie vor Schätze verborgen liegen. Im Gebäude an der Börsenlinie der Wasiljewski-Insel, wo vor der Oktoberrevolution der Kaufmann Grigorij Jelisejew wohnte, gibt es zahlreiche zugemauerte Gänge und hohle Mauern. Man nimmt an, dass auch Jelisejew seine Schätze dort versteckt haben könnte, bevor er im Jahr 1914 eilig Russland verließ. Zwischen 1918 und 1922 hat man mehrmals Versuche unternommen, den Schatz zu finden, aber vergebens. Vielleicht liegt er dort immer noch versteckt.

Staatliche Polytechnische Universität Sankt Petersburg. Foto: Pressebild

5. Der 1899 angelegte Campus der Staatlichen Polytechnischen Universität Sankt Petersburg, „Peter der Große“, war als autonome Anlage ähnlich wie Oxford gedacht. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Campus, der damals außerhalb der Stadt lag, mittels einer Pferdebahn angeschlossen. Später wurde eine einzige Straßenbahn in Betrieb genommen, die unter den Studenten zur Legende wurde. Das jüngste Bauwerk auf dem Universitätsgelände ist der Wasserturm mit einer Höhe von 43 Metern – er ist höher als die berühmte Alexandersäule.

Fernöstliche Föderale Universität in Wladiwostok. Foto: Pressebild

6. Der Campus der Fernöstlichen Föderalen Universität auf der Insel Russkij in Wladiwostok ist einer der jüngsten in Russland und wurde anlässlich des Apec-Gipfeltreffens im Jahr 2012 erbaut.

<Staatliche Universität Nowosibirsk. Foto: Pressebild

7. Der Campus der Staatlichen Universität Nowosibirsk befindet sich im Wald am Ufer des Flusses Ob. Allerdings kommen die Touristen seit kurzer Zeit zum Hauptgebäude der Hochschule nicht nur, um die frische Luft zu atmen, sondern auch, um auf der sogenannten Spickzettel-Bank zu sitzen. Die Bank ist in Form eines ziehharmonikaartigen Spickzettels „gefaltet“, in dem die Schöpfer der Idee Formeln aus verschiedensten Wissenschaftsgebieten verewigt haben. In der Bank gibt es sogar eine Vertiefung, in der ausgediente Materialien nach Prüfungen als Unterstützung für die jüngeren Jahrgänge hinterlassen werden können.

Nationale Universität der Wissenschaften und Technologie (MISIS) in Moskau. Foto: Pressebild

8. Eines der Gebäude der Nationalen Universität der Wissenschaften und Technologie (MISIS) in Moskau, in dem sich heute ein Wohnheim mit 600 Einheiten – das Kommune-Haus – befindet, wurde 1932 nach einem Entwurf des Architekten Iwan Nikolajew erbaut. 1964 wurde es der Universität übergeben. Inzwischen stellt es eines der wenigen erhalten gebliebenen Gebäude aus der Zeit des Konstruktivismus dar. Zurzeit wird das Gebäude modernisiert.

Uralische Föderalen Universität in Jekaterinburg. Foto: Pressebild

9. Das Gebäude der Studentenschaft der Uralischen Föderalen Universität in Jekaterinburg wurde in den Jahren des Zweiten Weltkriegs als Lazarett genutzt. Die verlegten Schienen dienten dem Transport verwundeter Soldaten und Offiziere.

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