Moskaus berühmteste Hotelgäste

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Mao Zedong, George Bernard Shaw oder John Reed – diese Persönlichkeiten waren nicht die einzigen berühmten Gäste in Moskaus besten Hotels. RBTH erzählt, welche Geschichten sie dort erlebt haben.

Hotel Metropol. Pressebild.

Moskau zählt fünf altehrwürdige Hotels, die schon seit mehr als einem Jahrhundert Gäste empfangen: Metropol, National, Savoy, Baltschug Kempinski und Budapest sind die Namen dieser luxuriösen Herbergen. Ausländische Staatsgäste residierten mit ihren Delegationen für gewöhnlich im National und Metropol.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden die Hotels umbenannt und zweckentfremdet. Sie fungierten als Wohnheime für sowjetische Abgeordnete und Agenten. Zudem dienten sie als Veranstaltungsorte für Versammlungen der Kommunistischen Partei. Sie wurden mehrfach umgebaut und teils zu Abhörzwecken verwanzt. Erst viel später versuchte man durch erneute Umbauarbeiten den Glanz vergangener Zeiten wieder zum Leben zu erwecken.

Hotel National im Jahre 1939. Archivbild

Licht und Schatten haben diese Luxusherbergen erlebt. RBTH begab sich in zwei Hotels auf Spurensuche, im National und im Metropol, zwei der wohl bedeutendsten Hotels der russischen Hauptstadt.

Schaljapins Volkslied

Porträt von Fjodor Schaljapin aus dem Multimedia-Archiv in Nizhni Nowgorod. 

Am 17. Oktober 1905 unterzeichnete Russlands letzter Zar Nikolai II. ein Manifest, das sogenannte Oktobermanifest, das dem russischen Volk erstmals demokratische Freiheiten zugestand. Dieses historische Ereignis feierte die fortschrittliche Moskauer Elite am nächsten Tag im Restaurant des Hotels Metropol. Unter den Gästen befand sich damals auch niemand geringerer als Russlands berühmter Opernsänger Fjodor Schaljapin.

Schaljapin stimmte vor allen Versammelten a cappella das Volkslied „Dubinuschka“ an, welches auf Deutsch unter dem Titel „Lied der Wolgaschlepper“ bekannt wurde und bis zu jenem Moment als vulgär galt. Schaljapin hatte dieses Lied allerdings nicht zufällig ausgewählt, denn auch er stammte aus einer Bauernfamilie. Nach seiner Darbietung nahm der Opernsänger seinen Hut, ging durch den Saal und sammelte eine beachtliche Geldsumme ein. Diese überreichte er anschließend den Revolutionären. Das „Lied der Wolgaschlepper“ war seit diesem Auftritt untrennbar mit Schaljapin verbunden.

George Bernard Shaw und die charmanteste Witwe der Welt

Ein Taxi fährt Bernard Shaw (hinten rechts) durch Moskau. Foto: Ria Novosti

Im Jahre 1931 hielt sich der berühmte irische Dramatiker George Bernard Shaw im Hotel Metropol auf. Der Schriftsteller war ein großer Bewunderer der Sowjetunion und wollte mit eigenen Augen den seiner Meinung nach „idealen Staat“ sehen, was ausländischen Staatsbürgern damals nicht ohne Weiteres möglich war. Doch Shaw gelang es, nach Moskau zu reisen. So soll es sich zugetragen haben, dass er gleich nach dem Frühstück verlangt hat, unverzüglich Lenin an dessen Grab die letzte Ehre zu erweisen. Anschließend soll er Lenins Witwe Nadjeschda Krupskaja getroffen haben. Für Shaw war sie die „charmanteste Witwe der ganzen Welt“.

Als Mao Stalin aus dem Kreml lockte

Mao Zedong (l.) und Stalin (r.) im Hotel Metropol. Foto: Wikipedia.org

1950 war im Hotel Metropol Mao Zedong zu Gast, der Vater der chinesischen Revolution.  Um die Unterzeichnung des sowjetisch-chinesischen Bündnisses zu feiern, schlug Mao Zedong vor, zu diesem feierlichen Anlass im Restaurant des Hotels Metropol ein Bankett zu veranstalten. Sowjetführer Stalin, der niemals Restaurants oder ausländische Botschaften besuchte, war anderer Meinung: Er wollte, dass man die Unterzeichnung des Vertrages im Kreml feierte. Doch Mao bestand auf das Hotelrestaurant. Stalin gab nach. Ob er sich auch in der anschließenden Schachpartie, die beide später am Abend gespielt haben sollen, geschlagen geben musste, ist historisch nicht überliefert.

John Reed und zehn Tage, die die Welt veränderten

Foto: Ria Novosti

Im November 1917, auf dem Höhepunkt der Oktoberrevolution, begrüßte man im Hotel National den berühmten US-amerikanischen Journalisten und Reporter John Reed. In seinem Werk „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“ beschreibt der überzeugte Sozialist die sowjetische Hauptstadt, die damals vom Bürgerkrieg gezeichnet war. „Auf der Twerskaja waren alle Schaufenster zerschlagen, allenthalben in der Straße Granatlöcher und aufgewühlte Pflastersteine. (…) Im großen Hotel National nahm man uns dann endlich auf. (…) Der Hoteldirektor führte uns umher und zeigte uns durch Schrapnelle zertrümmerte Fensterscheiben im Dachgeschoß. (…) Wir aßen in einem vegetarischen Restaurant, mit dem verlockenden Namen ‚Ich esse Niemand‘ und einem auffallend großen Bild Tolstois an der Wand. Dann eilten wir hinaus, die Stadt zu sehen.“

Pablo Nerudas Abneigung gegen Interpretation

Pablo Neruda mit seiner Frau  Matilde Urrutia auf dem Roten Platz. Foto: Ria Novosti

Auch der berühmte chilenische Poet Pablo Neruda stieg bei seinem Besuch in der Sowjetunion 1949 im Moskauer Edelhotel National ab. Neruda war ein derartiger Feind von Deutungen und Interpretationen seiner eigenen Poesie, dass er im Restaurant des Hotels immer bewusst Tische neben dem dort auftretenden Orchester reservierte. Dadurch stellte er sicher, dass die von ihm eingeladenen Moskauer Freunde und Bekannte nicht mit ihm über seine Werke sprechen konnten.

Der Artikel entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Verein für russische Restaurants und Hoteliers.

Mein Leben in Russland: Oliver Eller, Hoteldirektor des Baltschug Kempinski
 

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