Zu Besuch auf dem Newski-Prospekt: Was die meisten Besucher übersehen

Beinahe jeder Besucher Sankt Petersburgs wird den Newski-Prospekt entlanggelaufen sein. Er ist das Herz der Stadt. Neben berühmten Sehenswürdigkeiten gibt es dort aber auch weniger bekannte Orte zu entdecken. RBTH stellt einige von ihnen vor.

Der Newskij Prospekt / Legion MediaDer Newskij Prospekt / Legion Media

Der Newski-Prospekt, oft von Einheimischen auch einfach Newski genannt, ist ohne Zweifel Sankt Petersburgs wichtigste Straße. Ursprünglich im frühen 18. Jahrhundert als Teil der Hauptstraße von Moskau nach Nowgorod geplant, ist er mittlerweile eine der größten Touristenattraktionen der Stadt.

Ihren heutigen Namen erhielt die Straße 1781. Davor nannte man sie schlicht „eine Straße zum Newski-Kloster“, das heute als Alexander-Newski-Kloster bekannt ist. In den frühen Sowjetjahren wurde sie zudem zeitweise in „Straße des 25. Oktobers“ umbenannt.

Die Straße war aber in jedem Fall schon immer die zentralste und wichtigste der Stadt, gesäumt von einer Vielzahl berühmter historischer Gebäude. Wer hat noch nicht von der berühmten Kasaner Kathedrale oder der Auferstehungskirche gehört? Allerdings gibt es auf dem Newski noch viel mehr zu entdecken. Deshalb hat sich RBTH auf einen Spaziergang begeben, um weniger bekannte Sehenswürdigkeiten zu entdecken, die Sie dennoch auf jeden Fall kennen sollten.

Das Singer-Gebäude (Dom Knigi oder Haus der Bücher), Newski 28

Das Singer-Gebäude / Legion MediaDas Singer-Gebäude / Legion Media

Im Jahr 1902 erwarb der Nähmaschinenhersteller Singer ein Gelände an der Ecke des Newski-Prospektes und des Gribojedow-Kanals, um dort die russische Firmenzentrale sowie den Hauptausstellungsraum des Unternehmens zu errichten. Das Design des Gebäudes war innovativ und gewagt für Sankt Petersburg. So benutzte man zum Beispiel Stahlträger in der Konstruktion, die zu dieser Zeit noch als sehr ausgefallen galten.

Zu dieser Zeit expandierte das amerikanische Unternehmen rasant schnell, sowohl auf dem Heimatmarkt als auch im Ausland. Das Russische Reich war dabei einer der größten Märkte für Singer. Auch deshalb wurden bei der Errichtung des opulenten Hauptsitzes in Sankt Petersburg keine Kosten gespart. Ursprünglich sollte es mit mindestens elf Stockwerken auch das höchste Gebäude des Newskis werden. Dies hätte allerdings gegen Gesetze verstoßen, die besagten, dass kein Gebäude den 23,5 Meter hohen Winterpalast überragen dürfe. Trotz zahlreicher Proteste erlaubte Zar Nikolaus II. schließlich den Bau eines Gebäudes im Art-Nouveau-Stil, wenn auch nur mit sieben Stockwerken.

Architekt Pavel Suzor vollendete das Gebäude letztlich mit einem Turm aus Glas und Stahl, auf dessen Spitze ein Globus mit dem amerikanischen Wappen thronte.

Auch heute noch ist das Singer-Gebäude eine der eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten des Newski-Prospektes. Zu Sowjetzeiten war der Bau als Dom Knigi oder „Haus der Bücher“ bekannt – und noch bis heute beherbergt er den größten Buchladen der Stadt und ein Literaturcafé. Die beiden obersten Stockwerke sind jedoch mitten im 21 Jahrhundert angekommen: Dort befinden sich die Büroräume des großen russischen Netzwerks VKontakte.

 

Der Feinkostladen Jelissejew, Newski 56

 / Legion Media / Legion Media

Errichtet im Jahr 1903, gehörte das wunderschöne Art-Nouveau-Gebäude zunächst den berühmten russischen Jelissejew-Brüdern, die mit dem Handel viel Geld verdient hatten. Das große Lagerhaus war für seine Zeit luxuriös ausgestattet: Buntglasfenster und bronzene Innenausstattung sollten, so hofften die Brüder, Kunden anlocken. Zu Sowjetzeiten war das Gebäude dann als „Gastronom Nr. 1“ bekannt.

 / Alexei Danichev/RIA Novosti / Alexei Danichev/RIA Novosti

Wenn Sie heute den Newski-Prospekt entlanglaufen, nehmen Sie sich eine Minute Zeit und betrachten Sie den Feinkostladen Jelissejew von außen. Sie werden von den berühmten Schaufenstern, in denen sich Puppen aus dem Nussknacker-Märchen bewegen, begeistert sein. Innen wiederum finden Sie ein Süßwarengeschäft, dessen verzauberndes Interieur den Entwürfen der Jelissejew-Brüder entspricht.

Straßenkünstler auf dem Newski, Newski 32-34

/ Legion Media/ Legion Media

Was sonst könnte die Atmosphäre des zauberhaft schönen Sankt Petersburgs besser verkörpern als Straßenkünstler? Seit Jahrzehnten versammeln sie sich jeden Tag vor der katholischen Sankt-Katharina-Kirche und nennen sich „freie Künstler“. Einige der Maler arbeiten seit 20, teils gar 40 Jahren an diesem Ort. Hier finden Sie verschiedenste Künstler und Kunstrichtungen – und das vielleicht beste Souvenir, das Sie aus Sankt Petersburg mit nach Hause bringen können, ist ein Porträt von Ihnen, geschaffen von einem der vielen Künstler, die Sie hier antreffen.

 

Das Aurora-Kino, Newski 60

Das "Aurora" Kino / Legion MediaDas "Aurora" Kino / Legion Media

Als die Ära des Kinos vor mehr als einem Jahrhundert begann, war das Aurora-Kino eines der modernsten und opulentesten in ganz Russland. Es öffnete unter seinem ursprünglichen Namen Piccadilly-Kino im Jahr 1913, und weil das Kino so luxuriös war, wurde die Eröffnung zu einem großen Event in der Stadt. In der Zeit der Stummfilme spielte ein Sinfonieorchester zu den Bildern des Films und die bekanntesten Menschen der Stadt waren regelmäßig zu Besuch. Wladimir Nabokow erwähnte das Kino gar in seiner Autobiografie „Andere Ufer“ im Jahr 1951.

Seinen aktuellen Namen, Aurora, erhielt das Kino 1932, weil der britische Name Piccadilly in der Sowjetunion nur schwer zu erklären war. Deshalb benannte man das Kino kurzerhand nach dem berühmten russischen Kriegsschiff, das entscheidend dazu beitrug, die Sowjets 1917 an die Macht zu bringen. Bis heute ist das historische Innenleben erhalten. So wird aus dem Aurora mehr als nur ein Filmtheater: Es ist ein wahres Museum des Kinos.

 

Die Anitschkow-Brücke, Newski 39 und 41

Die Anitschkow-Brücke / Legion MediaDie Anitschkow-Brücke / Legion Media

Brücken sind ein zentraler Bestandteil der Sankt Petersburger Identität, und die Anitschkow-Brücke am Newski-Prospekt, die sich über den Fluss Fontanka spannt, ist eine der ältesten der Stadt. Ihre Schönheit wurde schon von den Schriftstellern Puschkin, Dostojewski und Gogol gelobt. Berühmt ist die Brücke aber vor allem wegen ihrer vier berittenen Reiter, die als Bronzestatuen das Bauwerk verzieren. Geschaffen wurden diese von Peter Klodt. Heute dient die Brücke zudem auch dem Andenken an die Belagerung Leningrads. Während des Krieges wurde die Brücke schwer beschädigt und während der Restauration wurden Spuren des deutschen Mörserbeschusses zurückgelassen, um an diese dunklen Jahre zu erinnern.

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