„Zur Arbeit mit dem Fahrrad” will Russen das Rad schmackhaft machen

Roman Pankov/bike2work.ru
Die Aktion findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt und soll den Menschen in Russland das Fahrradfahren näher bringen. Neben vielen Unternehmen beteiligen sich auch deutsche Institutionen an „Zur Arbeit mit dem Fahrrad”. Radfahrern bieten sich so noch bis Ende Mai viele spannende Aktionen und Rabatte.

Zurzeit findet in Russland zum dritten Mal die Aktion „Zur Arbeit mit dem Fahrrad” statt. In diesem Jahr dauert sie zwei Wochen, vom 15. bis zum 28. Mai, und endet mit einer großen Veloparade, also einer gemeinsamen Fahrradfahrt durch die Stadt. Hauptziel der Aktion ist es, zu zeigen, dass auch das Fahrrad ein bequemes und vernünftiges Gefährt und eine gute Alternative zum PKW in der Großstadt sein kann. Dabei hat das Rad einige Vorteile zu bieten: Es schont die Umwelt und hilft den Fahrern, gesund und sportlich zu bleiben. In diesem Jahr nehmen an der Aktion mehr als 60 russische Städte teil. Die größten Veranstaltungen werden traditionell in Moskau organisiert – diesmal in einem neuen Format.

Eine Neuerung ist, dass „Zur Arbeit mit dem Fahrrad” im Jahr 2017 länger dauert als bisher. So sind Russen diesmal eingeladen, ganze zwei Wochen lang mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren oder in andere Städte zu reisen. Während dieser Zeit stehen für die Teilnehmer verschiedene Bonusse und Rabatte verschiedener Partnerorganisationen und Unternehmen bereit. So können sich die Menschen in Moskau heute, wie auch bereits gestern, Fahrräder kostenfrei in einem Fahrradсlub reparieren lassen. Auch viele Cafés und Kaffeehäuser der Stadt bieten ihren Besuchern während der gesamten Aktion bei Nennung der Losung „Zur Arbeit mit dem Fahrrad“ Rabatte von bis zu 50 Prozent.

Zudem werden in diesem Jahr erstmals sogenannte „Energiepunkte“ organisiert – Standorte, an denen Radfahrer Verpflegung und Souvenirs erhalten und einander kennenlernen können. Die Eisenbahn der Moskauer Region bietet ein weiteres Sonderangebot: Am heutigen Freitag ist die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen ohne Zuzahlung möglich. Die städtischen Fahrradverleihe Moskaus erhöhen zudem die Zeit der kostenlosen Miete eines Fahrrads auf bis zu 60 Minuten anstatt der sonst geltenden halben Stunde, um Menschen das Konzept schmackhaft zu machen.

Mehr als 100 Unternehmen und 5 000 Teilnehmer

Auch viele deutsche Einrichtungen unterstützen die Aktion. Das Goethe-Institut in Moskau etwa beteiligt sich bereits seit 2014 an der Förderung der Fahrradbewegung in Russland. „In Deutschland ist das Fahrrad ein ganz normales Verkehrsmittel für alle Generationen und gesellschaftliche Schichten“, sagt Astrid Wege, Leiterin der Kulturprogramme am Goethe-Institut in Moskau. „Dementsprechend ist auch die Infrastruktur für Radfahrer gut entwickelt. In Moskau ist eine Fahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad eine bislang nicht allzu häufige Erscheinung. Zudem sind die Entfernungen hier recht groß.“ Dennoch steige die Zahl der Radfahrer, sagt Wege. Immer mehr Menschen würden umweltschonend zur Arbeit kommen.

Auch die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt die Aktion. Sie ist seit letztem Jahr dabei. „Die Mitarbeit ist Teil unserer Kooperation mit „Let’s bike it!“, einem weiteren Projekt der Fahrradbewegung. Wir veranstalten Events nicht nur in Moskau sondern auch in anderen russischen Städten“, sagt Daria Jefimenko, Koordinatorin für Nachhaltigkeitsprojekte bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Russland. „Deshalb sind wir besonders froh, dass die Aktion in diesem Jahr russlandweit stattfindet. Wir sehen das Rad als ein alternatives Verkehrsmittel. Einige unserer Mitarbeiter kommen ebenfalls mit dem Fahrrad ins Büro.“

In diesem Jahr ist die Aktion noch einmal deutlich größer geworden: Mehr als 100 russischen und internationalen Firmen sind in die Organisation der verschiedenen Veranstaltungen eingebunden, mehr als 5 000 Teilnehmer haben sich angemeldet. All jene, die schon zuvor teilgenommen haben, und auch die von ihnen inspirierten Moskauer, sagen, dass sie das Fahrrad öfter als früher benutzen würden. „Zur Arbeit fahre ich schon seit anderthalb Jahren regelmäßig mit dem Rad“, erzählt Iwan Iwanow. Der 33-Jährige ist leitender Architekt in einem Ingenieursbüro. „Ich versuche jeden Tag abwechslungsreich zu fahren, vor allem am Abend nach der Arbeit.“

„Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, das sind jeweils etwa 20 Kilometer pro Strecke“, sagt Anton Rudenko, 43 Jahre alt und Spezialist für Arbeiten der Druckvorstufe. „Seitdem ich vom öffentlichen Verkehr zum Fahrrad gewechselt bin, ermüden mich solche Wege nicht mehr. Andere Menschen finden das cool.“

Die Aktion “Zur Arbeit mit dem Fahrrad” findet seit 2015 statt. Im September des gleichen Jahres legte die Moskauer Stadtregierung Termine zur Durchführung fest: Jedes Jahr sind dies der vorletzte Freitag im Mai und der 22. September. Die Teilnehmerzahl steigt dabei stetig an.

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