Kwas statt Smoothie: Sieben altrussische Getränke zum Erfrischen

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Schwer erging es dem russischen Bauer, wenn der Winter kalt war und der Sommer heiß. Ausgerechnet auf die heißesten Monate entfiel die schwerste Arbeit auf dem Feld. Den Herausforderungen des Wetters musste mit improvisierten Mitteln entgegengewirkt werden. So bereitete man verschiedenste kühlende Getränke in Altrussland aus den Produkten vor, die die Natur hergab.

Kwas

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Kwas – ist eine vollwertige nichtalkoholische Alternative zum Bier. Die Slawen tranken das aus Roggen und Gerste gebraute Getränk zu jeder Tageszeit, während der Arbeit und manchmal sogar während der Fastenzeit. Kwas war eines der Hauptgerichte auf dem Tisch eines jeden Menschen – vom Bauern bis zum Zaren.

Öfter wurde er mit grünem Lauch und Schwarzbrot anstelle des Abendbrots gegessen; es gab aber auch Früchte- oder Beerenkwas als Nachtisch. Es gibt sogar eine besondere Art von Kwas – Sauerschtschi (säuerliche Kohlsuppe). Trotz des Klischeebildes ist diese Art von Schtschi keine Suppe, sondern ein säuerliches Getränk aus Roggenmalz.

Es ist nicht schwierig, Kwas selbst zuzubereiten. Man bedeckt Schwarzbrot vom Vortag mit kochendem Wasser, lässt es für vier Stunden stehen, dann fügt man Zucker, Hefe und Minze hinzu und lässt das Getränk eine Stunde lang gären – fertig ist der Kwas.

Mors

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Dieses Getränk aus Beerensaft war bereits zu jener Zeit bekannt, in der das altrussische Buch über die Haushaltsführung, das sogenannte „Domostroj“, geschrieben wurde. Mors konnte aus Preiselbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren oder Kirschen gekocht werden. Um dieses Getränk zuzubereiten, reicht es, wenn man den Saft frischer Beeren mit einem Sieb auspresst. Dann kocht man den Rest mit Zucker auf und kühlt den dabei entstehenden Sud ab. Dem abgekühlten Sud gibt man schließlich den frisch ausgepressten Beerensaft hinzu. Auf diese Weise hergestellter Mors kann etwa eine Woche lang an einem kühlen Ort aufbewahrt werden.

Preiselbeerwasser

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Der russische Dichter Alexander Puschkin hat das Preiselbeerwasser in die Speisekarte seines berühmtesten Romanhelden Ewgenij Onegin aufgenommen. Das Preiselbeerwasser wird noch einfacher zubereitet als Mors.

Preiselbeeren auslesen, von Blättchen und Stielen befreien, mit Wasser bedecken und für 7-10 Tage an einem kühlen Ort stehen lassen. Danach das Wasser durch ein Sieb ziehen, mit Zucker oder Honig süßen und in Gefäße zur Aufbewahrung füllen. Aus den übrigen Preiselbeeren kann man zum Beispiel Mors kochen.

Kissel

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Traditioneller russischer Kissel ist ein Weizengetränk. Es wurde kalt im Sommer als zweiter Gang getrunken. Den Weizenkissel bereitete man aus Weizenmehl vor, das in Wasser aufgekocht und im traditionellen russischen Ofen gebacken wurde. Den bekannten Früchtekissel, gibt es erst seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, wo er als sehr angesagtes Getränk in Adelshäusern serviert wurde. Bereits in den Zeiten der Sowjetunion gab es trockene Kisselmischung, meist in Blöcke geformt, die man einfach in warmem Wasser auflösen und aufkochen konnte. Sowjetische Kinder liebten Kissel, haben sich aber nicht die Mühe gemacht, ihn regelgerecht zu kochen: Stattdessen hat man am trockenen Kisselblock gekaut und den Früchtegeschmack genossen.

Der echte Früchtekissel wird aus beliebigen Beeren oder Früchten gekocht. Es reicht, wenn man beim Kochen je einen Esslöffel Kartoffel- oder Maisstärke und Zucker hinzufügt.

Kompott

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Das Kompott ist eine der Variationen von Beeren- und Früchtegetränken. Im Gegensatz zu Mors gilt Kompott allerdings nicht als alltägliches Getränk, sondern als etwas für Festtage. Es wird aus getrockneten Äpfeln, Birnen oder Pflaumen gekocht. Das Kompott kann man in einem geschlossenen Gefäß bis zu einigen Monaten aufbewahren. Diese Vorgehensweise erlaubte die Überschüsse an Lebensmitteln aufzuheben.  

Wer sich mit einem Kompott verwöhnen möchte, braucht Dörrobst. Dieses begießt man mit Wasser und fügt je nach Geschmack den Zucker hinzu. Nachdem man das Kompott aufgekocht hat, lässt man es noch etwa 20 Minuten köcheln und kühlt es anschließend ab.

Syt‘, oder Honigwasser

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Syt‘ wurde von den Altslawen getrunken bevor es Tee gab. Oft hat man es gekühlt genossen, dann entwickelte es nämlich neue Geschmackseigenschaften.

Hauptbestandteil von Syt‘ war Honig. Dieser wurde aufgekocht, durch ein Sieb gegossen und gekühlt, danach mit Gewürzen (beispielsweise Zimt oder Nelken) je nach Geschmack ergänzt.

Dickmilch (Prostokwascha)

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Milch wurde im alten Russland in jeder Form verwendet. Mit ihr wurden Pfannkuchen angesetzt und Quark oder Käse hergestellt. Manchmal machte man aber auch die sogenannte Prostokwascha, eine Art Dickmilch.

Traditionelle russische Dickmilch herzustellen war und ist sehr einfach. Einen Behälter mit naturbelassener Kuhmilch ließ man über Nacht an einem warmen Ort stehen. Schon am Morgen bekam man hervorragende Prostokwascha. In der modernen Küche kann man in die Milch einen Teelöffel eines beliebigen Sauermilchproduktes hinzufügen und das Entstandene über Nacht an einem warmen Ort stehen lassen. Diese zweite Variante der Zubereitung von Prostokwascha gilt jedoch nicht als authentisch und könnte daher den Verfechtern der historischen Genauigkeit nicht gefallen.

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