Klänge aus einer anderen Welt: So hört es sich an, wenn das Eis des Baikalsees bricht (FOTOS/VIDEO)

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Diese sphärischen Klänge, die der tiefste See der Erde erzeugt, erinnern an Laserwaffengefechte in Weltraumfilmen.

„Ich dachte zuerst, das seien kitschige Soundeffekte … wow!“ 

Auf solche Kommentare stößt man im Internet häufig, wenn ein neues Video über das Knistereis-Phänomen am Baikalsee auftaucht. Wenn er mit Eis bedeckt ist, gibt der tiefste See der Welt einige wirklich erschreckende Geräusche von sich, die an alles erinnern, nur nicht an das Knacken von Eis. 

„Ich fand es wirklich seltsam, dass die Leute kommentierten, wie cool die Geräusche waren, obwohl sie offensichtlich gefälscht waren. Ich hatte keine Ahnung, dass das tatsächlich das Geräusch von knackendem Eis ist", schrieb ein Reddit-Nutzer.

Hören Sie selbst - das Geräusch erinnert eher an ein Laserwaffengefecht.  

Einer derjenigen, die ein solches Video aufgenommen haben, war der Fotograf Alexei  Kolganow. Im Februar 2021 fuhr er auf Skiern über den gefrorenen See und zeichnete dabei das Geräusch des krachenden Eis unter seinen Füße auf.  Und ja, es ist so beängstigend, wie es klingt!

„Ein normaler Tourist, der das Eis des Baikalsees zum ersten Mal sieht, hat genau davor Angst - vor der Tiefe des Sees unter der transparenten Schale und dem plötzlichen, ätherischen Geräusch des Eises. Obendrein bekommt man ein Video mit sichtbaren Rissen zu sehen", schrieb Kolganow.

Im Gespräch mit der „Siberian Times“ beschrieb er, dass er die Aufnahme verlangsamt und die Lautstärke erhöht hat, da es oft sehr schwierig sei, diesen charakteristischen Klang mit einem einfachen Kameramikrofon einzufangen. 

Trotzdem bekommt man einen guten Blick auf die massiven Risse und das Wasser unter der superglatten, kristallinen Oberfläche. Der Baikalsee ist zugleich der sauberste Süßwassersee der Welt, weshalb man einen so guten Blick auf das Geschehen unter der Oberfläche hat. 

Kolganow stellte klar, dass das Eis, über das er mit Skiern fuhr, etwa 50 Zentimeter dick ist, so dass das Auftreten von Rissen nicht allzu beängstigend ist. 

Viele kommen im Winter hierher, um einen Blick auf die wundervollen frostigen Gebilde des Baikalsees zu werfen: mehrere Dutzend verschiedene Arten von Eis, von vertikalen weißlichen Rissen bis hin zu scharfen Zacken und Millionen von gefrorenen Wasserblasen.

Aber zurück zu den ätherischen Klängen, die so fantastisch erscheinen. Dieses Naturphänomen wird als „akustische Dispersie“ bezeichnet. Das Geräusch, das an das Abfeuern von Laserwaffen erinnert, entsteht, wenn bestimmte Schallfrequenzen den Raum schneller durchqueren als andere. Wenn sich der Schall in der Luft ausbreitet, bewegen sich die Frequenzen in der Regel im gleichen Tempo und erreichen das menschliche Ohr zur gleichen Zeit. Beim Durchgang durch einen festen Raum verhält sich eine Schallwelle jedoch anders - hohe und niedrige Frequenzen teilen sich auf. Diese Aufspaltung macht sich in Form von unterschiedlichen Tönen bemerkbar. Das ist die akustische Dispersie, die hier zum Tragen kommt.

Das Eis ist in der Lage, sich auszudehnen und zusammenzuziehen, was dazu führt, dass es Risse bekommt und Schwingungen erzeugt (mit dem zusätzlichen Effekt seismischer Aktivität). Diese Schwingungen durchdringen das Eis mit ungleicher Geschwindigkeit, wodurch diese Töne entstehen. 

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