Wie die USA trotz Sanktionen Kalaschnikows einkaufen

Ein afghanischer Soldat bewacht mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr in der Hand den Darul-Aman-Palast, zehn Kilometer von Kabul entfernt.

Ein afghanischer Soldat bewacht mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr in der Hand den Darul-Aman-Palast, zehn Kilometer von Kabul entfernt.

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Die USA rüsten die afghanische Armee mit Kalaschnikow-Sturmgewehren aus, ohne das Einkaufsverbot für russische Waffen zu verletzen. Möglich wird das durch osteuropäische Länder, die Raubkopien herstellen und verkaufen.

Ungeachtet der Sanktionen, die eine Zusammenarbeit mit der russischen Rüstungsindustrie verbieten, kaufe das Pentagon Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow und liefere sie an die afghanische Armee. Das sagte Sergej Tschemesow, Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Rostech, am Dienstag dem Fernsehsender Rossija 24.

„Die Amerikaner beziehen die Waffen nicht direkt aus Russland, sondern über europäische Länder, die Mitglieder des Warschauer Vertrags waren“, erklärte Tschemesow. So würden vor allem alte Waffen gekauft, die die osteuropäischen Staaten noch aus Sowjetzeiten lagerten. „Dann werden diese Waffen zu einem bestimmten Grad wiederaufbereitet und an die afghanische Regierung weiterverkauft“, führte der Rostech-Chef aus.

Warum die USA Kalaschnikow bevorzugen

Die Kalaschnikows seien jedoch nicht alle alt, glauben Experten. Einige würden in Lizenz in Polen und Bulgarien neu hergestellt.

„Die Amerikaner liefern Sturmgewehre vom Typ АK-47 Kaliber 7,62 mal 39 Millimeter nach Afghanistan. Sie stammen aus Werken und Lagern in Polen und Bulgarien, denen zu Sowjetzeiten das Werk Ischmasch Lizenzen zur Fertigung dieser Waffen verkauft hatte“, erzählt Dmitrij Safonow, Militärspezialist der Zeitung „Iswestija“, RBTH. Außerdem kaufe das Pentagon Sturmgewehre vom Typ АK-47 Kaliber 5,45 mal 39 Millimeter in der Ukraine ein.

Warum die USA ausgerechnet russische Sturmgewehre bevorzugen, liegt für den Experten auf der Hand: „Die afghanische Armee setzt das Sturmgewehr Kalaschnikow seit Jahrzehnten ein, weil es in den Steinwüsten und Trockensteppen dieser Region ausfallfrei funktioniert“, erklärt Safonow.

Zwar hätten die Amerikaner versucht, die afghanische Armee von den Waffen aus ihrer eigenen Produktion zu begeistern, ergänzt Andrej Kirisenko, der frühere Berater des Konzernchefs von Kalaschnikow. Doch mit wenig Erfolg: Ihre Waffen hätten sich im Einsatz als komplizierter und launenhafter als die sowjetische АK-47 erwiesen.

„Die Entscheidung wurde in erster Linie aus Gründen der Zuverlässigkeit getroffen – die meisten Opfer in Afghanistan hatte das Pentagon wegen Aussetzern seiner Waffen zu verzeichnen. Das war eine Art Anti-Werbung, die verhinderte, dass die Afghanen vollständig mit US-amerikanischen Waffen ausgestattet werden“, fügt Kirisenko hinzu.

Raubkopien sind das eigentliche Problem

Ein politischer Interessenskonflikt besteht bei dem Vorgehen der USA nach Meinung von Experten aber nicht. Russland kann nicht selbst Waffen nach Afghanistan liefern, weil die dortige Regierung von den USA finanziert wird. Außerdem wählt Kabul seine Waffen selbst aus und schickt seine entsprechenden Anfragen an Washington.

„Das einzige Problem ist, dass seit dem Zerfall der UdSSR weder Polen noch Bulgarien den Konzernen Kalaschnikow und Rostech Lizenzgebühren für die verkauften Sturmgewehre gezahlt haben. Sie halten das nicht für notwendig“, hebt Safonow hervor.

Die russischen Unternehmen hätten jahrelang versucht, diese Frage zu klären, aber ohne Erfolg. „Das einzige Land, das Lizenzgebühren für die von ihm hergestellten und im Ausland verkauften Kalaschnikows bezahlt, ist China. Bei allen anderen Ländern ist dieses Problem bisher ungelöst“, sagt der Experte.

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