Vier verlorene Zivilisationen, die einst im heutigen Russland siedelten

Varvara Grankova
Von Karelien im Westen bis ins östliche Tschukotka - das weite Territorium Russlands hat schon lange vor den Slawen alte Völker und lang vergessene Gesellschaften gesehen. Heute erinnern daran nur noch einige wenige seltene Knochen, Steine und kleine Schätze, die die Jahrhunderte überdauerten. RBTH stellt Ihnen vier solche Orte vor.

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1 Die Teufelsnase, Karelien

Auf den ersten Blick ist diese malerische Klippe an der Ostseite des nordrussischen Onegasees - des größten Sees Europas rund 700 Kilometer nordwestlich von Moskau - einfach ein schöner Ort, wo die Karelier jagen und fischen. Nichts Teuflisches? Nun, das scheint nur so:

Als orthodoxe Mönche im 16. Jahrhundert hierher kamen, war dieser Ort über und über dekoriert mit rätselhaften Bild- und Schriftzeichen. Eines davon ist fast 2,5 Meter lang und stellt wohl einen Teufel in Form einer riesigen unmenschlichen kreatur mit einem platten Kopf dar. Die Mönche fürchteten die Kreatur so sehr, dass sie umgehend ein großes Kreuz neben ihr aufstellten. In der Hoffnung, Jesus würde die heidnischen Kräfte schnell besiegen.

Archäologen bescheinigten den Malereien später ein Alter von rund 5000 Jahren. Ihre Autoren waren vermutlich Vorfahren der heutigen Finnen oder Karelen. Ob die Zeichnungen wirklich über dunkle Kräfte verfügen, ist derweil mehr als strittig. Zumal seit Langem niemand mehr nahe der sogenannten "Teufelsnase" lebt. Die letzten Dörfer in der Gegend verschwanden in den 70er Jahren.

2 Arkaim, Gebiet Tscheljabinsk

 / Pavel Lisitsyn/RIA Novosti / Pavel Lisitsyn/RIA Novosti

Die alte Siedlung Arkaim ist erst in den 80er Jahren entdeckt worden und liegt praktisch mitten im Nirgendwo. Nichts als Steppe befindet sich dort. Archäologen begannen dann in den 90ern mit Ausgrabungen an dem rätselhaften Ort. 

Arkaim muss einst ein sehr lebendiger Ort gewesen sein - allerdings noch etwa 3000 bis 2000 v.Chr. Wahrscheinlich bestand es - wie heutige Städte - aus einem zentralen Platz, einer Stadtmauer und einem Burggraben. Die Historiker haben erforscht, dass die Bewohner Arkaims sich hier vermutlich richtig ansiedelten, was für Steppenvölker ungewöhnlich ist, und sogar Rinder hielten und züchteten.

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Die alte Stadt gilt heute als großer Schatz der südlichen Uralregion. Nur Pseudo-Wissenschaftler schreiben ihr noch mehr Kräfte zu: Als "stadt der Sonne" könnte sie demnach gar die Wiege der Zivilisation gewesen sein. Und klar, ihre Bewohner waren selbstverstänlich Russen! Weil doch die Russen die Wiege der Menschheit waren... Echte Historiker allerdings stehen solch mutigen "Theorien" eher skeptisch gegenüber.

3 Ukok-Plateau, Altai

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Die Menschen im Altai-Gebirge glauben, dass das Ukok-Plateau im Süden ihrer kleinen Republik etwa 3100 Kilometer östlich von Moskau ein heiliger Ort sein muss. Hier leben angeblich die Seelen ihrer Vorfahren weiter, sagen sie. Darum gebühre dem Ort größter Respekt. Hier darf nicht laut gesprochen werden, um die Toten nicht zu stören. 

Gegen diese Regeln aber verstießen die Historiker, die 1993 vor Ort forschten dann doch: Denn sie fanden eine gut erhaltene Mumie einer Frau, die vermutlich vor 2500 jahren gestorben war. Die Presse nannte den Fund später "Altai-Prinzessin", weil die Tote einst möglicherweise einer gut gestellten Adelsschicht angehört haben könnte.

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Die Wissenschaftler fuhren mit der "Prinzessin" dann zu Untersuchungen nach Nowosibirsk, weil dort die Labore besser ausgestattet waren. Dies wiederum verärgerte die Altai-Bevölkerung: Nach ihrem Glauben verfügte die Tote über mystische Kräfte und schützte das Land damit vor Bedrohungen. Sie zu entführen, brachte demnach also das Gebiet in Gefahr.

Fast 20 Jahre lang diskutierten die Einheimischen und die Wissenschaftler über diese Frage. 2012 dann kehrte die "Prinzessin" zurück in die Altai-Republik. Laut den Einheimischen aber muss die Mächtige, die vor Ort Ak-Kadyn genannt wird, noch immer wütend sein über die Entführung. Allein darum geschähen immer wieder Naturkatastrophen in der Region, beispielsweise das Hochwasser 2014, das mehrere Menschen das Leben kostete.

4 Allee aus Walknochen, Tschukotka

Es gibt wohl kaum entlegenere Orte in Russland als die Yttigran-Insel in der Bucht von Tschukotka (etwa 6500 Kilometer östlich von Moskau). Die Insel ist völlig ausgestorben, aber einige gruselige Relikte einer einstigen Besiedlung haben die Zeiten überstanden. Die Küste beispielsweise säumen massenweise Skelettknochen von Grönlandwalen - und dass auch noch in strikter geometrischer Ornung. Jeder Knochen misst über fünf Meter.

Im Mittelalter noch bauten Eskimos nachweislich eine Art Gebäude, die oft eine Pyramide aus Walknochen einschlossen. Allerdings lebten diese Inuit nie auf der Insel .Womöglich handelte es sich bei diesen Knochen um Opfergaben. Warum diese Gebete und Opfergaben offensichtlich von einem Tag auf den anderen eingestellt worden waren, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Aber: Die Walknochen selbst bleiben - still und rätselhaft.

Dieser Artikel ist Teil der X-Files-Serie, in der RBTH Geheimnisse und paranormale Phänomene unter die Lupe nimmt, die mit Russland im Zusammenhang stehen

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