Russlands "Teufelsstadt": Wer hat sie errichtet und wer lebt heute dort?

Dmitry Karpunin
Trotz ihres Namens wurde die "Teufelsstadt" im Mittelural nicht von Dämonen errichtet. Aber auch nicht von Menschenhand...

Diese einmalige „Stadt“ im Permer Gebiet besitzt enge Straßen und breite Alleen, einen Platz und ein Tor. All das wurde jedoch nicht von Menschen geschaffen. Dieser Komplex aus riesigen Felsen und Gesteinsspalten sieht zwar wie eine echte Stadt aus, ist jedoch „nur“ eine Schöpfung von Mutter Natur.

Es gibt mehrere Legenden über die Entstehung der Felsstadt. Laut der am weitesten verbreiteten befand sich an diesem Ort in alten Zeiten eine wunderschöne Großstadt. Alle Einwohner verehrten ihre Schönheit – außer der Königstochter, denn sie war blind. Ein böser Zauberer versprach dem König, die Prinzessin zu heilen. Dabei aber ließ er die ganze Stadt samt ihrer Einwohner zu Stein erstarren. Die Prinzessin konnte zwar endlich die schöne Stadt sehen, aber leider nur noch in Stein.

Der Ort ist auch unter seinem alten Namen "Teufelsstadt" bekannt. Im Jahr 1879 entstand in der Nähe die kleine Siedlung Uswa. Die Einheimischen glauben, dass solche bizarren Steinfelsen nur von Dämonen geschaffen worden sein könnten, und mieden die Gegend.

In Wirklichkeit aber wurde die Stadt nur durch Wasser und Wind geschaffen, die vor Millionen von Jahren die "Straßen" und "Alleen" in die Felsen schürften. Die "Häuser" sind 8-12 Meter hoch und manche befinden sich so nah zu einander, dass man über die Spalten springen kann. Andere sind mit kleinen Brücken verbunden.

Die Steinstadt teilt sich in zwei "Bezirke": Großstadt und Kleinstadt sind etwa 150 Meter voneinander entfernt. Man braucht aber mehrere Stunden, um den ganzen Weg um sie herum zurückzulegen. Der Ort ist ein echtes Labyrinth, wo man sich leicht verlaufen kann.

Einige der steinernen „Einwohner“ heute sind die Große und Kleine Schildkröte, die Ratte und Robbe. Diese Namen gaben die Einheimischen den Felsen, weil ihre Form sie an die Tiere erinnerte. Sobald ein Reisender die Stadt durch "Tore" betritt, trifft er den örtlichen Wachmann, der als "Idol" bekannt ist.

Im Sommer finden hier zahlreiche Veranstaltungen statt: Kletterwettbewerbe und das Theaterfestival "Geheimnisse des Krestowaja-Berges". Die Natur dient als Kulisse und Schauspieler treten direkt auf den Felsen auf.

Die "Dächer" der Steinstadt bieten eine unglaubliche Aussicht auf die Gebirgstaiga. Die beste Jahreszeit für einen Besuch ist der Herbst oder Winter.

Obwohl Wasser sie einst formte, ist die Steinstadt heute praktisch wasserlos. Touristen müssen sich darum Trinkwasser mitbringen.

Steinstadt liegt etwa 200 Kilometer von der Gebietshauptstadt Perm entfernt. Von dort aus fährt ein Linienbus in Richtung der Stadt Kisel. Bis ins Dorf Uswa fährt man etwa zwei Stunden. Von dort aus sind es dann noch etwa zwei Kilometer zu Fuß.

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