Neun überwältigende Avantgarde-Bauten zwischen Moskau und dem Fernen Osten

William Brumfield
Nach der Revolution 1917 erschufen die Bolschewiki nicht nur einen neuen russischen Staat, sondern mit ihm auch eine neue Architektur-Ästhetik: den Konstruktivismus. Überall in Russland sind bis heute zahlreiche beeindruckende, über-pragmatische Bauten zu bewundern.

Jüngst hielt der US-amerikanische Historiker und regelmäßige Russia-Beyond-Autor William Brumfield im Moskauer Jüdischen Museum eine Vorlesung über das Fotografieren der sowjetischen Avantgarde-Architektur in Russland. 

"Die Avantgarde-Architektur ist keinesfalls weniger wertvoll als die alte russische Bauweise", so Brumfield, der sich in seinen Büchern und Artikeln zumeist auf die russische Holzarchitektur und die Sakralbauten des Landes konzentriert. "Sie ermöglicht eine ausgezeichnete und innovative Reflexion ihrer Entstehungszeit."

Nach der Lesung stellte Brumfield Russia Beyond eine Auswahl seine besten Avantgarde-Aufnahmen zur Verfügung.

Moskau: Narkomfin-Wohnhaus (1928, Architekten: Moisei Ginzburg und Ignatij Milinis), Südseite, Foto 1994. Es ist das wohl berühmteste Gebäude des sowjetischen Konstruktivismus. Trotz seines bemitleidenswerten Zustands werden noch immer Führungen angeboten.
Moskau: Narkomfin-Wohnhaus (1928, Architekten: Moisei Ginzburg und Ignatij Milinis), Foto 1994. Dies ist ein typisches Beispiel für ein Kommunen-Haus für höher gestellte Mitarbeiter einer Institurion, hier des Narkomfin, des Finanzkommissariats.

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Moskau: Melnikow-Haus (1927), Foto 1984. Hier baute sich der sowjetische Architekt Konstantin Melnikow ein Studio und Einfamilienhaus. Da damals jedes Privateigentum verstaatlicht und Massenwohnblocks errichtet wurden, war das eine Ausnahme.  Das Haus war als Prototyp für spätere Rundbauten gedacht.
Moskau: Bachmetew-Garage (Konstantin Melnikow,und Wladimir Schuchow, 1927), Foto 1994. Der Bau wurde lange als Buswerkstatt genutzt, dann zog das berühmte Museum für Zeitgenössische Kunst
Jekaterinburg: Tschekistendorf (1929), Treppenaufgang, Foto 1999. Mit der rasenden Industrialisierung der Regionen in den 20er und 30er Jahren der Sowjetunion wurde auch die Ural-Hauptstadt Swerdlowsk (heute Jekaterinburg) neu gestaltet. Hier erhielten die Geheimdienstler ein eigenes Wohnviertel.

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Jekaterinburg: Weißer Turm der UralMasch-Fabrik (Moses Reischer, 1928), Foto 1999. Die Ural-Maschinenwerke ließen diesen Wasserturm für die Siedlung ihre Mitarbeiter entwerfen. Nach 1950 sollte hier in Café entstehen, dann aber stand der Bau lange verlassen. Mittlerweile ist er renoviert worden.
Nowosibirsk: Staatsbank (Andrej Krjatschkow, 1930), Foto 1999. Der Bau gehört zum Ensemble des Lenin-Platzes im Stadtzentrum. Der Grundriss erinnert an den kyrillischen Buchstaben P (П), die Flügel sind unterschiedlich hoch. Da an der Nordseite Lagerräume geplant waren, gibt es dort keine Fenster.
Nowosibirsk: Kraiispolkom-Bürogebäude (Andrej Krjatschkow, 1932), Foto1999. Dieses Gebäude, gedacht für die Mitarbeiter des Komitees, war das erste Haus in Nowosibirsk mit Aufzügen.
Nowosibirsk:
Chabarowsk: Fernost-Bank (Wladimir Wladimirow, 1928), Foto 2000. Das Gebäude ist heute ein Bürohaus und steht unter Denkmalschutz. Wie viele weitere Bauten in Chabarowsk wurde auch dieses Haus höchstwahrscheinlich von Häftlingen des BAM-Lagers gebaut.

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