Die „dritte Hauptstadt Russlands“: Was bietet Jekaterinburg im Winter?

Reise
ANNA SOROKINA
In Jekaterinburg wird Brad Pitts favorisierte Motorradmarke produziert. Sie können sich aber auch als Goldgräber betätigen. Auch bei Temperaturen unter dem Nullpunkt hat die Hauptstadt des Urals viel Interessantes zu bieten.

Das schöne und alte Jekaterinburg (1,5 Millionen Einwohner) - die größte Stadt im Ural und die inoffizielle „dritte Hauptstadt Russlands“ - ist nur wenige Flugstunden von Moskau und St. Petersburg entfernt. Der neue Flughafen Kolzowo zählt zu den besten. 

Das gut ausgebaute Straßen- und Schienennetz macht eine Uralreise sehr komfortabel. Anhänger von Outdoor-Aktivitäten kommen hier auf ihre Kosten. Für sie gibt es wunderschöne Berge, Höhlen, die Wälder der Taiga und Orte, an denen man energetisch auftanken kann. Fans des Industrietourismus können an einer der Werksführungen teilnehmen, die viele Unternehmen anbieten.  

1. Machen Sie eine Tour durch Jekaterinburg, die kompakte Millionenstadt 

Jekaterinburg ist das Moskau des Urals. Hierher kommen die Bewohner der Nachbarstädte, um zu studieren, zu arbeiten und wegen des kulturellen Angebots. Moderne Wolkenkratzer, Parkplätze, Skizentren und Hipster-Restaurants (von Craft-Burger-Restaurants bis zu Cafés mit glutenfreien Desserts) sprießen in der ganzen Stadt wie Pilze aus dem Boden. 

Jekaterinburg ist vor allem berühmt für drei Dinge: es ist der Ort, an dem der letzte russische Kaiser hingerichtet wurde, im Keller des Hauses des Ingenieurs Iwan Ipatjew. An der Stelle steht heute die Kathedrale auf dem Blut und erinnert an die damaligen Ereignisse. 

In Jekaterinburg wurde außerdem der erste Präsident Russland, Boris Jelzin, geboren. Die Stadt gedenkt seiner mit dem Jelzin-Zentrum mit Museum und Andenkenläden. 

Es ist zudem die kompakteste Millionenstadt in Russland. Die 1,5 Millionen Bewohner leben auf relativ begrenztem Raum. Jekaterinburg hat eine U-Bahn, deren Plan die Stationen in lateinischer Schrift angibt. 

2. Besuchen Sie das größte Museum für militärische Ausrüstung und Fahrzeuge 

Das Militärmuseum der Bergbau- und Metallurgie-Holding UGMK befindet sich auf einem riesigen Gelände in Werchnjaja Pyschma, einem nördlichen Vorort von Jekaterinburg (nehmen Sie den Bus Nr. 111 vom U-Bahnhof Prospekt Kosmonawtow zur Metallurgow Straße). Im Freiluftbereich finden Sie von Luftfahrtausrüstung und Artillerie bis hin zu gepanzerten Oldtimern, einschließlich verschiedener Modifikationen des berühmten T-34-Panzers, eines gepanzerten Flussboots Project 1125 (ein Veteran der Schlacht von Stalingrad) und eines 1943 -Vintage Panzerzuges, einfach alles.

Wenn es Ihnen zu kalt wird, gehen Sie ins Innere und bewundern Sie die ausgestellten militärischen Ausrüstungsgegenstände. Haben Sie schon einmal einen gepanzerten Schlitten gesehen? In der Fahrzeugabteilung stehen sogar estnische Rennwagen. Der Eintritt ins Museum kostet 300 Rubel (etwa 4,25 Euro), der Freilichtbereich ist kostenlos.   

3. Besichtigen Sie den schiefen Turm von Jekaterinburg 

Jekaterinburg ist umgeben von attraktiven Kleinstädten mit perfekt erhaltener vorrevolutionärer Architektur. Kaufmannshäuser, Holzkirchen… Newjansk, 85 km nördlich von Jekaterinburg, ist berühmt für seinen schiefen Turm. Die Abweichung von der Vertikalen beträgt beachtliche 1,85 Meter. 

Er beherbergt ein historisches Museum. Sie können es mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof Jekaterinburg in zwei Stunden erreichen. 

4. Fahren Sie in den Schacht ein 

Es mag ein Klischee sein, aber der Ural ist eine Schatzkiste voller Edelsteine und Halbedelsteine. Es werden Malachit, Smaragde, Amethyst, Jaspis und verschiedene Metalle in der Region abgebaut.  Zahlreiche lokale Bergbauunternehmen haben sich in den letzten Jahren dem Tourismus geöffnet und ermöglichen die Besichtigung ihrer Minen.

Die Jekaterinburg am nächsten gelegenen Orte sind das Russkoje Soloto Museum und die stillgelegte Mine (im nordöstlichen Vorort Berjosowski gelegen, Bus Nr. 114 vom Marins Park Hotel zur Haltestelle Chram). Hier können Sie eine Tour buchen.

In der Nähe der Stadt Asbest können Sie auch eine echte Smaragdmine besuchen. Die Lagerstätte Malischewskoje ist die größte in Europa. Hier werden Smaragde, Alexandrit, Lithium und vieles mehr gewonnen. Touristen können sich wie die Goldgräber des frühen 20. Jahrhunderts fühlen und selbst ihr Glück versuchen. Anmeldungen erfolgen über die Webseite.

5. Werfen Sie einen Blick auf die postindustrielle Zukunft 

Möchten Sie herausfinden, was mit Städten passiert, die einst Industriezentren waren, aber nun verwaist sind? Zum Beispiel können Sie Degtjarsk (60 km südwestlich, Anreise mit dem Bus) besuchen. Das Stadtbild wird beherrscht von den Überresten der Abbauprodukte aus den Minen. In der frühen Sowjetzeit gab es hier eine Kupfermine, die von einer US-amerikanischen Firma betrieben wurde, in der angeblich die Eltern des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon beschäftigt waren. Nixon besuchte den Ort 1959. Die Stadt selbst gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

Nördlich von Jekaterinburg (vier Stunden Zugfahrt entfernt) liegt der alte Fabrikstandort Alapajewsk, in der sich tief in der Taiga noch eine der längsten Schmalspurbahnen Russlands befindet. Nicht weit davon liegt die eindrucksvolle Stadt Irbit, in der noch heute Ural-Motorräder produziert werden. In der Sowjetunion war es die gefragteste Zweiradmarke, doch inzwischen ist die Produktion stark zurückgegangen. Es scheint, dass nur noch der US-Schauspieler Brad Pitt eine Ural fährt.