Nordsee-Deal: Russisches Energieunternehmen kauft Ölfelder

Da L1 Energy ein Privatunternehmen ist, blieb es von den Sanktionen, die sich vornehmlich gegen russische Staatsunternehmen richten, unberührt.

Da L1 Energy ein Privatunternehmen ist, blieb es von den Sanktionen, die sich vornehmlich gegen russische Staatsunternehmen richten, unberührt.

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Für rund 1,45 Milliarden Euro hat das russische Energieunternehmen L1 Energy Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee gekauft. Die Firma des russischen Oligarchen Michail Fridman macht damit einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einem global operierenden Energiekonzern.

Das russische Unternehmen L1 Energy hat vom deutschen Energieversorger Eon dessen in  der norwegischen Nordsee gelegenen Öl- und Gasvorkommen gekauft. Rund 1,45 Milliarden Euro hat das Unternehmen des Oligarchen Michail Fridman dafür bezahlt. Fridman ist der Gründer der Alfa Group, einer der größten russischen Finanzholdings. Inzwischen sei der Deal von den Aufsichtsbehörden Norwegens und der Europäischen Union genehmigt worden, berichtet die russische Wirtschaftszeitung „RBC Daily“.

Mit dem Ankauf erwarben die russischen Investoren 43 Förderlizenzen und damit die Eigentumsrechte am größten Erdöl- und Erdgaskondensat-Vorkommen in der Nordsee. „Es ist der größte Deal unter Kontrolle russischer Kapitalgeber der letzten Zeit“, sagt Iwan Kapitonow, Dozent am regierungsnahen Institut für Öffentliche Verwaltung und Management an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst. L1 Energy steige nun zu einem bedeutenden internationalen Öl- und Gasproduzenten auf.

Zahlreiche russische Firmen, etwa die größten Staatsbanken des Landes und der Ölförderer Rosneft, sind von den in der ersten Hälfte 2014 eingeführten Sanktionen der EU gegen Russland betroffen. Da L1 Energy ein Privatunternehmen ist, blieb es von den Sanktionen, die sich vornehmlich gegen russische Staatsunternehmen richten, unberührt. Dennoch stellten die Sanktionen auch die Privatunternehmer in Russland vor große Schwierigkeiten, sagen Analysten. Deshalb hätten außer L1 Energy keine weiteren russischen Investoren derartige Ankäufe auf dem europäischen Energiemarkt getätigt.

Attraktives Anlageobjekt

Die Beweggründe Fridmans und seiner Partner für das milliardenschwere Geschäft seien recht eindeutig, meint Nikita Kulikow, geschäftsführender Direktor der Unternehmensberatung Heads. Einerseits „hat der Öl- und Gasmarkt an Fahrt verloren, weswegen zahlreiche Aktiva bedeutend an Wert eingebüßt haben und daher für Anleger sehr attraktiv geworden sind“, erklärt er. Sergej Iljin, Analyst der Investmentholding Premier, ergänzt: „L1 Energy wurde eigens für Investitionen in den Energiebereich gegründet und zielt von Anfang an auf internationale Projekte ab.“ Der Deal sei durchaus bedeutend, angesichts der aktuellen Zurückhaltung russischer Unternehmer gegenüber Beteiligungen an internationalen Projekten, betont er.

Andererseits sei das Geschäft eine gewisse Kompensation für Michail Fridmans erzwungene Veräußerung von Nordsee-Gasvorkommen aus dem Portfolio von L1 Energy an das schweizerische Chemieunternehmen Ineos. Der Verkauf fand auf Drängen der britischen Regierung statt.

Woher kommt das Kapital?

L1 Energy wurde im Juni 2013 von den Anteilseignern der Alfa Group gegründet, nachdem sie ihre Anteile am Joint Venture TNK-BP an den russischen Staatsriesen Rosneft abgestoßen hatten. TNK-BP war der größte Ölproduzent mit britischer Beteiligung in Russland. Durch den Verkauf erhielten die Aktionäre der Alfa Group und zukünftigen L1 Energy-Gründer 12,6 Milliarden Euro.

Im März 2015 erwarb Fridmans Holding das Unternehmen Dea UK, eine Tochter der deutschen RWE, für rund 5,1 Milliarden Euro. Zuvor galt es, viele Steine aus dem Weg zu räumen. Die britische Regierung hatte Bedenken, dass bei einer Verschärfung der antirussischen Sanktionen Versorgungsengpässe drohen, und forderte von den russischen Investoren den Verkauf ihrer Nordsee-Felder.

Am 11. September wurde bekannt, dass L1 Energy die Anteile an den Vorkommen an die schweizerische Ineos abgetreten hatte. Das Unternehmen habe rund eine Milliarde Euro mit dem Verkauf erzielen wollen. Die tatsächlich für die Aktiva gebotene Summe habe sich aber auf lediglich rund 681 Millionen Euro belaufen, wie die Nachrichtenagentur Reuters mitteilte.

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