Saudi-Arabien: Russland soll Öl-Förderquoten reduzieren

Es ist ein Konkurrenzkampf um Marktnischen, der sich wegen der US-Exporte und der Lieferungen aus dem Iran noch ausweiten könnte.

Es ist ein Konkurrenzkampf um Marktnischen, der sich wegen der US-Exporte und der Lieferungen aus dem Iran noch ausweiten könnte.

Shutterstock / Legion-Media
Wenn es nach Saudi-Arabien ginge, sollte Russland pro Tag fünf Prozent weniger Erdöl fördern. Dadurch könnte das Angebot auf dem Weltmarkt verringert werden und die Preise wieder steigen. Die Saudis selbst möchten jedoch weiter so viel Öl fördern und verkaufen wie bisher.

Saudi-Arabien hat Russland vorgeschlagen, die Ölförderquote um fünf Prozent am Tag zu verringern. Das berichtete das russische Nachrichtenportal Gaezta.ru und berief sich dabei auf eine anonyme Quelle. Am Donnerstag gab es Gespräche zwischen Vertretern russischer Erdölkonzerne und Russlands Energieminister Alexander Nowak. Dabei wurde auch der saudische Vorschlag diskutiert, der im Rahmen einer erweiterten Opec-Sitzung über eine mögliche Förderkürzung fiel. Nicht nur die Opec-Mitglieder unterstützen diese Idee, auch andere führende Förderstaaten sprachen sich für den Vorschlag aus.

Keine Kürzung vorgesehen

Russland fördert derzeit etwa 10,1 Millionen Barrel Erdöl pro Tag. Mitte Januar hatte die Opec mit durchschnittlich 10,74 Millionen Barrel pro Tag gerechnet. Russlands größter Ölkonzern Rosneft hat aber nicht vor, die Förderquoten zu reduzieren. Rosneft-Pressesprecher Michail Leontjew kündigte in einem Gespräch mit Gazeta.ru sogar eine Erhöhung an, um den Cashflow zu steigern. Vor allem an den Lagerstätten, die rasches wirtschaftliches Wachstum bringen können.

Interessant ist, dass Saudi-Arabien selbst nicht vorhat, weniger Erdöl zu gewinnen. Der Vorsitzende von Saudi Aramco, Khalid Al-Falih sagte Anfang der Woche, dass die Preise durch die Nachfrage ausgeglichen würden. Zuvor hatten die Vertreter des Konzerns betont, dass die Notierungen aufgrund des Marktausstiegs von investierenden Konzernen steigen würden. Mitte Januar wurden Einzelheiten über den saudi-arabischen Ölexport im Monat November bekannt. Dieser soll um 4,8 Prozent bis auf 7,719 Millionen Barrel am Tag gestiegen sein.

Konkurrenzkampf

Die Saudis leugneten nicht, dass das ursprüngliche Ziel der Fördermengenkürzung die Verdrängung von Projekten mit hohen Investitionen gewesen sei. Damit war vor allem US-amerikanisches Schieferöl gemeint. Die Rede war aber auch von Russland. Tatsächlich ist es ein Kampf um Marktnischen, der sich wegen der US-Exporte und der steigenden Lieferungen aus dem Iran nach der Aufhebung der Sanktionen noch ausweiten könnte.

Der Vorsitzende der Analyseabteilung von Golden Hills Capital AM, Michail Krylow, betont, dass alleine die Ankündigung einer Reduzierung zu einem Anstieg des Ölpreises führen könnte. Bereits die Nachricht über die Gespräche zwischen den russischen Konzernen und dem Energieministerium ließ den Preis von 31,1 US-Dollar am Mittwoch zum Börsenschluss auf 33,3 US-Dollar pro Barrel am Donnerstag steigen. Damit diese Marke gehalten werden könne, sei es nötig, dass auch Saudi-Arabien die Gewinnung verringert, so Krylow: „Förderkürzungen in Russland und Saudi-Arabien können zu einer weltweiten Reduzierung von einem Prozent führen, vorausgesetzt, beide Länder halten sich daran. Das wird helfen, das Überangebot auszugleichen, und könnte sogar dazu führen, dass Erdöl auf dem Markt knapp wird.“

Dieser Beitrag erschien zuerst bei gazeta.ru.

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