Anleitung zum Selbstversuch: So registriert man in Russland ein Auto

Sie haben beschlossen, sich in Russland niederzulassen, und sind mutig – oder naiv? – genug, auf russischen Straßen Auto fahren zu wollen. Nun müssen Sie sich der schwierigen Aufgabe stellen, Ihr Auto zu registrieren. Herzlich willkommen in der bürokratischen Hölle!

Ein eigenes Auto in Russland anzumelden, ist alles andere als ein Kinderspiel. / Alexey Kudenko/RIA NovostiEin eigenes Auto in Russland anzumelden, ist alles andere als ein Kinderspiel. / Alexey Kudenko/RIA Novosti1. Kaufen Sie ein Auto


Den ersten Schritt zuerst: Um ein Auto zu registrieren, muss man eines besitzen. Aber der Registrierungsprozess hängt stark davon ab, von wem Sie das Auto kaufen. Ein offizieller Einzelhändler könnte die Bürokratie auf sich nehmen und Ihnen die Zulassungsbescheinigung zusammen mit Ihrem neuen Auto übergeben. Zusätzliche Gebühren können anfallen, aber es lohnt sich – vor allem wenn Sie dem Russischen nicht mächtig sind.

Wenn Sie einen Gebrauchtwagen von einem fragwürdigen Händler oder einem Landwirt Meilen außerhalb Moskaus kaufen, ist die Registrierung allein Ihre Verantwortung – und muss innerhalb von zehn Tagen abgeschlossen werden.

2. Wählen Sie eine Polizeistation


Es gibt eine Reihe von Polizeistationen, die Registrierungen für neue Autobesitzer anbieten. Es ist einfach, die nächstgelegenste zu wählen, aber seien Sie vorsichtig: Einige Reviere sind ständig überfüllt, während Sie bei anderen leere Gänge vorfinden. Wenn Sie am Ende nicht stundenlang warten wollen, sollten Sie sich informieren, welche Polizeistation die wenigsten Anmeldungen hat. Dies wird Ihnen viel Wartezeit ersparen. 

Der Autor wartete übrigens sieben Stunden auf die Registrierung seines Autos.
Ein zusätzlicher Rat für Einwohner Moskaus: Vermeiden Sie relativ große Stationen, wie zum Beispiel die Station auf der Twardowskogo-Straße an der Metrostation Strogino, und suchen Sie sich lieber eine kleinere, in der weniger Menschen warten. Die meisten Stationen sind fünf Tage in der Woche geöffnet und nur sonntags und montags geschlossen.

Einige sind zudem rund um die Uhr geöffnet, dafür aber gefühlt immer völlig überlaufen. Genauere Informationen finden Sie hier.

3. Bezahlen Sie Ihre Gebühren


Seien Sie bereit, tief in die Tasche zu greifen. Nur weil Sie einen gelben 1977 Lada Niva für 200 Euro erbeutet haben, bedeutet das nicht, dass Sie ohne neue Reifen (2 000 Rubel / 28 Euro) oder eine neue Zulassungsbescheinigung (500 Rubel / sieben Euro) davonkommen. Um die Gebühren zu bezahlen, besuchen Sie diese Website und folgen Sie einfach den Anweisungen.

4. Holen Sie sich Ihr E-Queue-Ticket


Es klingt wie der einfachste Teil, aber machen Sie keinen Fehler: Wenn Ihre Nerven noch nicht getestet wurden, dann ist es nun sicher soweit. Die E-Tickets werden von Automaten innerhalb der Polizeistation ausgegeben. Nur eine begrenzte Anzahl von Tickets wird jeden Tag vergeben, es ist nicht möglich, ein Ticket für den nächsten Tag zu buchen, und man kann Termine nicht im Voraus machen.

Jeden Morgen – versuchen Sie, um sieben Uhr in der Früh dort zu sein – richten sich Leute außerhalb der Station ein und warten, bis ein Beamter die Türen öffnet. An diesem Punkt vergessen die Wartenden alle Formalitäten, und manchmal auch ihre Manieren, und die Jagd auf Tickets beginnt.

Wenn Sie es geschafft haben, rechtzeitig einen Automaten zu erreichen, benötigen Sie Ihren Pass und einen Fahrzeugschein mit Ihrem Namen darauf. An diesem Punkt stellen die meisten fest, dass sie das eine oder das andere vergessen haben. Wenn Sie ein Ticket ergattert haben, freuen Sie sich über den großen Erfolg! Der Rest ist ein Klacks – theoretisch zumindest.

5. Bewahren Sie Ruhe


Ihr Ticket gibt die ungefähre Zeit Ihres Termins vor. Sie können die Stunden nutzen, um Däumchen zu drehen, ein Buch zu lesen, Ihre Memoiren zu schreiben, oder einkaufen zu gehen. Achten Sie darauf, noch vor der zugeteilten Zeit zurück zu sein, da Ihr Termin auch früher als vorhergesagt kommen könnte. Zugegebenermaßen ist dieser Verlauf allerdings äußerst unwahrscheinlich.

Wenn Ihre Nummer aufgerufen wird, treten Sie ans Fenster und überreichen alle notwendigen Unterlagen: Ihren Pass, eine gültiger Registrierung in Moskau, den Fahrzeugschein, die Bestätigung der obligatorischen Kfz-Versicherung, auch Osago genannt, einen Kaufvertrag und alle Quittungen für die gezahlten Gebühren.

Ein Mitarbeiter der Polizei wird die Dokumente bearbeiten und Ihnen ein Antragsformular überreichen. Nehmen Sie es mit in den nächsten Raum und scannen Sie dort Ihr Ticket, bevor Sie sich in die nächste Schlange anstellen. Richtig erkannt: Ja, das Warten ist noch nicht vorbei. Irgendwann werden Sie zu einem anderen Fenster gerufen, um Ihre Dokumente einem Beamten zu übergeben. Bedenken Sie dabei: Für die Mitarbeiter in der Station ist der Vorgang wahrscheinlich schmerzlicher als für Sie – bei der Flut an Anträgen, die diese jeden Tag zu Gesicht bekommen.

Der Polizeibeamte wird Sie schließlich bitten, Ihr Auto an die Inspektionsstelle zu fahren, die sich immer im näheren Umkreis der Station befindet. Die Produktionsnummern des Motors und dessen Codes werden geprüft, bevor Sie zum nächsten Fenster schreiten dürfen. Dort können Sie nun endlich Ihren Pass, alle von Ihnen zusammengestellten Dokumente, neue Kennzeichen und eine Bescheinigung über die Registrierung abholen. Prüfen Sie, ob die Schreibweise Ihres Namens mit der Ihres Reisepasses übereinstimmt.

Herzlichen Glückwunsch!

Nun haben Sie ein registriertes Auto, mit dem Sie sich in Russland bewegen dürfen. Die Registrierung endet nicht, wenn Sie das Land verlassen, aber sie läuft ab, sobald Ihr gesetzlicher Aufenthalt in Russland endet. Um die Registrierung zu erneuern, führen Sie die obigen Schritte erneut aus, oder wählen eine andere Form der Folter...

Beim Verlassen der Polizeistation sollten Sie zudem darauf achten, Ihr Auto nicht gleich zu Schrott zu fahren!

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