Von den Fesseln befreit: Russland zahlt letzte Sowjet-Kredite zurück

Two-ruble coins at the packaging line of the Moscow Mint.

Two-ruble coins at the packaging line of the Moscow Mint.

Iliya Pitalev/RIA Novosti
Nach dem Zerfall der Sowjetunion musste sich der Nachfolgestaat Russland nicht nur mit der Frage nach einer eigenen finanzwirtschaftlichen Zukunft beschäftigen, sondern auch Pläne zur Rückzahlung der sowjetischen Schulden im Ausland machen. Nun sind diese vollständig beglichen.

/ Iliya Pitalev/RIA Novosti/ Iliya Pitalev/RIA Novosti

Am 21. August gab das russische Finanzministerium bekannt, dass der letzte ausländische Kredit, den das Land von der Sowjetunion übernommen hatte, abgezahlt sei. Am 8. August hatte das Ministerium 125,2 Millionen US-Dollar an Bosnien und Herzegowina für einst nicht bezahlte Importe aus Jugoslawien überwiesen. Die historischen Schulden wurden damit vollständig beglichen.

Die einst allen ehemaligen Sowjetrepubliken auferlegten Verpflichtungen zur Rückzahlung offener Kredite fiel 1993 alleinig an Russland, nachdem die anderen Nachfolgestaaten ihre Ansprüche auf sowjetische Devisen im Ausland abgetreten hatten. Damals beliefen sich die Schulden der Sowjetunion laut der Russischen Zentralbank auf 104,5 Milliarden US-Dollar.

Als die Ölpreise zu Beginn des Jahrtausends stiegen, begann Moskau damit, sich schrittweise aus den roten Zahlen zu befreien.  

Wie kam es zu diesen Schulden?

„Die Sowjetunion hat sich aktiv Geld im Ausland geliehen, um westliche Ausrüstung und pharmazeutische Produkte zu kaufen sowie den täglichen Bedarf des Staatsapparates zu bedienen“, erklärt Alexei Micheew, Vorsitzender des Centers für Innovatives Geschäft und Geschäftsentwicklung. „Als in den 1980er-Jahren die Ölpreise sanken, stiegen die Verbindlichkeiten des Landes. Zu dieser Zeit musste man eine funktionierende Wirtschaft aufrechterhalten und gleichzeitig anderen kommunistischen Ländern in der Welt helfen.“

Neben Krediten anderer Länder waren in dem Schuldenberg auch Staatsanleihen, Verpflichtungen der russischen Entwicklungsbank sowie Kredite des Londoner Clubs gebündelt, erzählt Roman Alechin, der Direktor der Marketingagentur Alechin und Partner ist.

Die Rücklagen der Sowjetunion waren nicht ausreichend, um mit diesen Krediten klarzukommen. Deshalb wurden sie letztlich von Russland geerbt, nachdem die UdSSR kollabiert war.

Welche Staaten haben das meiste Geld gegeben?

Den größten Teil der Schulden, 1994 waren dies rund 47,6 Milliarden US-Dollar, hatten Partner des Pariser Clubs, also hauptsächlich industrialisierte Staaten aus Europa sowie die USA, zur Verfügung gestellt. Mit den steigenden Ölpreisen war Russland dazu in der Lage, diese Schulden bereits 2006 endgültig zu begleichen. 38,7 Milliarden US-Dollar überwies man, 7,7 Milliarden US-Dollar wurden dem Land erlassen oder mit Waren und Dienstleistungen verrechnet.

2009 zahlte Russland dann auch die verbliebene Schuldenlast von einer Million US-Dollar an den Londoner Club zurück. Dort waren die meisten Geldgeber Privatbanken aus Westeuropa, den USA und Japan, die bis 1991 Kredite an die Entwicklungsbank vergeben hatten.

Die Rückzahlung der Schulden bei anderen Ländern wurden durch bilaterale Vereinbarungen geregelt. Oft zahlte Russland die Beträge nicht direkt, sondern lieferte Waren und Dienstleistungen im Tausch. Das Land zahlte im vergangenen Jahrzehnt sowjetische Schulden bei folgenden Ländern zurück:

  • Slowenien -  129,2 Millionen Euro im Jahr 2007 (durch Warenlieferungen bezahlt)

  • Vereinigte Arabische Emirate - 470 Millionen US-Dollar im Jahr 2007 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte bezahlt)

  • Kroatien – 187 Millionen US-Dollar im Jahr 2011 (Hightech-Produkte und Technologie für das Sisak-Wärmekraftwerk)

  • Tschechische Republik – 3,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013

  • Ungarn – 18 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte bezahlt)

  • Finnland – 30 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte bezahlt)

  • Slowakei – 1,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte bezahlt)

  • Serbien – 288,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte bezahlt)

  • China – 451,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 (in Teilen durch Lieferung industrieller Produkte sowie medizinische Forschungsarbeiten bezahlt)

  • Kuwait – 1,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 (und zusätzlich Hightech-Produkte im Wert von 620 Millionen US-Dollar)

  • Mazedonien – 60,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2017 (durch Lieferung industrieller Produkte und Dienstleistungen bezahlt)

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