Erneuerbare Energien: Zieht Russland mit? - Vier Fragen zu Russlands Energiesektor

Die Bohrinsel „Priraslomnaja“

Alexei Danitschew/Sputnik
Der Energiesektor ist seit jeher eine wichtige Stütze für die russische Wirtschaft, insbesondere für den Export. Doch wie viel Öl und Gas konsumieren die Russen selbst und was tut das Land, um die Entwicklung erneuerbarer Energien voranzutreiben?

1. Wie viel Energie produziert Russland?

Offiziellen Statistiken des Energieministeriums zufolge (rus) förderte Russland im Jahr 2018 insgesamt 556 Millionen Tonnen Rohöl und Gaskondensat, so viel wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Die Rekordfördermenge erreichte man 1987 mit 569,4 Millionen Tonnen (rus).

Zudem produzierte Russland im letzten Jahr 725,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas, 439,3 Millionen Tonnen Kohle und 1.092 Billionen Kilowattstunden Elektrizität. Das macht Russland zum drittgrößten Energieproduzenten der Welt, nach den Vereinigten Staaten und China.

„Wir produzieren etwa ein Zehntel aller weltweit geförderten Primärenergiequellen. Etwa 16 Prozent der global gehandelten Energie kommen aus Russland. Wenn man alle vorhandenen Energiequellen zusammennimmt, sind wir sogar der größte Energieproduzent der Welt“, sagte Tatjana Mitrowa, Leiterin des Energiezentrums an der Moskauer Schule für Management in Skolkowo, am 24. April auf der UNICON Directors Conference in Moskau.

2. Wie viel Energie verbraucht Russland selbst?

Von den 556 Millionen geförderten Tonnen Rohöl wurden 409,3 Millionen Tonnen exportiert. Dieser hohe Anteil ist in den letzten Jahren massiv gestiegen: Exportierte Russland im Jahr 1990 noch nur 47,7 Prozent seines Öls, waren es letztes Jahr schon 73,6 Prozent. In Russland selbst wurde Öl zunehmend durch Gas ersetzt, wodurch der Ölverbrauch sank (rus)

Dennoch bleibt Russland der viertgrößte Energieverbraucher der Welt und ist für etwa fünf Prozent (eng) des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich.

„Rund 52 Prozent des russischen Energiebedarfs werden durch Erdgas abgedeckt. Von allen fossilen Brennstoffen hat dieses die niedrigsten CO2-Emissionen“, erklärt Mitrowa. „Weitere wichtige Energieträger sind die Atomkraft, Wasserkraft, Solar und Windkraft. Insbesondere die Wasserkraft hat eine große Bedeutung.”

Moskauer Raffinerie in Kapotnja

Statistiken von BP (eng) ergaben, dass 2017 52,3 Prozent des russischen Energiebedarfs durch Erdgas gedeckt wurden. Weitere wichtige Energiequellen waren Öl (22 Prozent), Kohle (13 Prozent) und Atomenergie (6,6 Prozent). Die erneuerbaren Energien deckten trotz rapiden Wachstums nur 0,04 Prozent des Energiebedarfs.

3. Welche Länder konsumieren die russische Energie?

Statistiken der russischen Zentralbank (rus) zeigen, dass Russland 2018 260,2 Millionen Tonnen Rohöl, 150,1 Millionen Tonnen Ölprodukte, 220,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 36,7 Millionen Kubikmeter Flüssigerdgas (LNG) exportierte.

Wichtigster Importeur war dabei China. Das asiatische Land kaufte zum Beispiel allein 71,5 Millionen Tonnen Ölprodukte aus Russland. Das sind 20 Prozent mehr (rus) als noch 2017. Ohnehin zeigen Statistiken von Wedomosti (rus), dass Asien Europa zunehmend den Rang als wichtigster Importeur für russische Rohstoffe abläuft.

Doch sogar die Vereinigten Staaten kaufen vermehrt russisches Öl (eng), hauptsächlich um Importe aus dem sanktionierten Venezuela und den OPEC-Ländern zu vermeiden. In der ersten Maihälfte brachten dreizehn Schiffe insgesamt fünf Millionen Barrel Öl in die USA. Im ganzen Jahr 2018 waren es laut der US-Energiebehörde EIA 137 Millionen (eng).

Auch für den staatlichen Erdgaskonzern Gazprom wird der asiatische Markt immer wichtiger. 2018 gingen zwar noch ganze 200,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas (eng) nach Europa, hauptsächlich nach Deutschland (58,5 Mio. m³), in die Türkei (24 Mio. m³), nach Italien (22,8 Mio. m³), Großbritannien (14,3 Mio. m³) und Frankreich (13 Mio. m³),  aber die Volksrepublik China hat angekündigt, nach Fertigstellung der Pipeline „Kraft Sibiriens“ ganze 1,3 Billionen Kubikmeter (eng) Gas pro Jahr aus Russland zu kaufen.

Russisches Flüssiggas wird der Internationalen Gruppe der Flüssiggasimporteure zufolge (eng) dagegen hauptsächlich nach Japan, Südkorea und Taiwan exportiert. Insgesamt machte es 5,8 Prozent der russischen Energieexporte aus.

4. Wie steht es um die erneuerbaren Energien in Russland?

Mitrowa zufolge arbeitet Russland momentan daran, sich Equipment und Know-How für die Produktion erneuerbarer Energien anzueignen. Der Staat versucht Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen erneuerbare Energien zumindest in einigen Regionen konkurrenzfähig werden. „Momentan konzentriert sich die russische Regierung auf den Ausbau der Wind- und Solarenergie. Es gibt spezielle Steuern, die diese Energieträger gegenüber anderen bevorzugen. Langfristig sollen auch Photovoltaikanlagen und Windräder im großen Stil in Russland produziert werden. Dadurch werden erneuerbare Energien billiger“, erklärt sie.  

„Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, erste Investitionen getätigt wurden und bürokratische Hürden abgebaut sind, hofft man, dass sich die Industrie auch ohne große Hilfen der Regierung entwickeln kann“, sagt sie. „Das wird aber erst in zehn bis 15 Jahren der Fall sein, wenn die Rahmenbedingungen gleich und erneuerbare Energien konkurrenzfähig sind. Dann wird der Markt funktionieren. Der Weg dorthin ist jedoch schwierig, weil wir in Russland eine lange Tradition von staatlicher Planung und Zentralisierung im Energiesektor haben.“

Ein positives Beispiel für die Entwicklung erneuerbarer Energien in Russland ist die Firma RusHydro (eng). Diese hat in der Region Jakutien im Fernen Osten Russlands eine 900 Kilowatt starke Windkraftanlage installiert.

Zudem ist RusHydro führend in Sachen Wasserkraft und hat im Fernen Osten schon 19 Solarkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 1,6 Megawatt sowie vier Windkraftwerke mit einer Kapazität von 3,1 Megawatt gebaut.

>>> Wird Russland seine Position als führender Energieexporteur halten können?

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