Marinegeschichte in Bildern: Warum drei russische Segelschiffe den Nazis dienen mussten

Wissen und Technik
BORIS JEGOROW
Einige der heute noch schwimmfähigen russischen Segelschiffe sind Zeitgenossen der Weimarer Republik und Nazi-Deutschlands.

Sedow

Die „Sedow“ ist eines der ältesten russischen Segelschiffe und bis heute noch in Betrieb. 1921 als „Magdalene Vinnen II“ vom Stappel gelaufen, war das Schiff in Nazideutschland als „Kommodore Johnsen“ bekannt. Im Jahr 1945 wurde als Kriegsreparation an die Sowjetunion abgetreten, wo es nach dem berühmten russischen Polarforscher Georgij Sedow benannt wurde.

Heute ist die „Sedow“ eines der größten aktiven Segelschiffe der Welt. Er diente als Trainingsschiff für Kadetten und beteiligte sich an ozeanographischen Átlantik-Expeditionen.

Krusenstern  

Die Bark Krusenstern ereilte ein ähnliches Schicksal wie die Sedow. Sie ist 1926 in der Weimarer Republik unter dem Namen „Padua“ vom Stapel gelaufen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Teil der Kriegsreparationen an die Sowjets übergeben. Das Schiff wurde nach dem berühmten russischen Admiral und Entdecker Iwan Krusenstern benannt.

Trotz seines Alters nimmt das Trainingsschiff immer noch an internationalen Regatten teil. Die Kruzenshtern segelte zweimal um die Welt: 1995 bis 1996 und 2005 bis 2006.

Mir

Mit 19,4 Knoten (35,9 Kilometer/Stunde) ist die Mir („Frieden“) heute eines der schnellsten Segelschiffe, das noch immer an wichtigen Regatten teilnimmt. Das Schiff wurde 1987 im polnischen Gdansk gebaut. 1992 nahm es an der Grand Regatta Columbus teil, die dem 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gewidmet wurde. Als Gesamtsieger wurde das Schiffskommando persönlich vom spanischen König Juan Carlos I. ausgezeichnet.

Nadeschda (Schoner)

Es gibt zwei russische Segelschiffe mit dem Namen Nadeschda (Hoffnung). Ein von ihnen ist der Schoner, der 1912 gebaut wurde.

Das Schiff trug im Laufe seiner Geschichte viele Namen, zum Beispiel “Sterne” oder “Edelgard” und wechselte auch immer wieder den Heimathafen - von den Niederlanden bis Deutschland. Für einige Zeit gehörte es dem berühmten Helden des Ersten Weltkriegs, Felix von Luckner. Er gab dem Schiff damals den Beinamen “Seeteufel".

Unter diesem Namen wurde der Schoner das erste deutsche Schiff, das 1937 bis 1939 unter einer faschistischen Flagge die Welt umsegelte. Das Hauptziel der Expedition war es, Informationen über die Häfen möglicher Kriegsfeinde zu sammeln.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1947, wurde der Schoner an die Sowjets übergeben und erhielt den Namen Nadeschda.  

Nadeschda (Fregatte)

Die Fregatte Nadeschda ist jünger: 1991 auf der Werft Gdansk gebaut, wird sie bis heute aktiv als Trainingsschiff genutzt. Außerdem nimmt Nadeschda an wissenschaftlichen Expeditionen und internationalen Wettkämpfen teil.

Beide gleichnamige Schiffe erhielten ihren Namen zu Ehren der legendären Schaluppe, die im frühen 19. Jahrhundert an der ersten russischen Weltumsegelung unter Admiral Krusenstern teilnahm.

Pallada

Dieses russische Schulschiff wurde nach der Fregatte Pallada benannt, die von 1852 bis 1855 eine historische Reise vom russischen Kronstadt über Atlantik, Indik und Pazifik unternahm, um russische Diplomaten nach Japan zu bringen.

Wie die Mir gilt auch die Pallada als eines der schnellsten Segelschiffe der Welt und kann bis zu 18,8 Knoten (34,8 km / h) erreichen.

Standart

Die „Standart“ wurde 1999 gebaut und ist eine Nachbildung des ersten Schiffs der russischen Ostseeflotte, das 1703 zum Schutz der neuen Hauptstadt Sankt Petersburg gebaut worden war. Das Schiffskommando besteht aus Freiwilligen des "Standart-Projekts", die vor Beginn jeder Segelfahrt neu ausgebildet werden.

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