Was ist das Besondere am SVCh, dem von Putin getesteten Scharfschützengewehr?

Wissen und Technik
NIKOLAJ LITOWKIN
Das neue Gewehr wird von den russischen Scharfschützen eingesetzt und dürfte deutschen und amerikanischen Modellen Konkurrenz machen.

Der russische Präsident Wladimir Putin besuchte am 19. September einen Schießstand, um das neueste Scharfschützengewehr des Kalaschnikow-Konzerns, das SVCh-308, zu testen. Das neue Modell wird das alte Dragunow-Gewehr in der russischen Armee ersetzen.

Das SVCh ist ein halbautomatisches Scharfschützengewehr mit einer effektiven Reichweite von bis zu 1 km. Die Waffe basiert auf einem vergrößerten MA-Wintores-Dragunow-Design – drei Varianten der Waffe wurden bisher entwickelt.

Die erste schießt mit sowjetischen 7,62x54R-Patronen – einer beim russischen Militär weit verbreiten Munition. Die zweite und dritte Variante der SVCh sind für NATO- Kaliber ausgelegt: Die Patrone .308 Win (die inoffiziell von russischen Scharfschützen gegenüber der 7.62x54R bevorzugt wird) und die leistungsstarke .338 Lapua Magnum, die eine Reichweite von bis zu 1,6 km hat.

Warum wird die gute alte Dragunow ersetzt?

Das in den Fünfzigerjahren entwickelte Scharfschützengewehr Dragunow ist inzwischen veraltet. Das Hauptproblem des sowjetischen Designs besteht darin, dass die Laufverlängerung moderne Zielfernrohre nicht sicher in Position halten kann, da sie in der Regel viel größer und schwerer sind als sowjetische Zielfernrohre.

Auch der Lauf der Dragunow ist im Vergleich zu modernen Gewehren nicht steif genug. Das bedeutet, dass sich das Zielfernrohr nach jedem Schuss verschieben kann. Auch wenn solche Abweichungen in der Regel mikroskopisch klein sind, können sie doch Einfluss auf die Genauigkeit der Waffe haben. Mit der neuen SVCh können auch moderne Nachtsichtgeräte erfolgreich montiert und eingesetzt werden.

Der Kalaschnikow-Konzern nahm für die Entwicklung des neuen Scharfschützengewehrs die Konstruktionszeichnungen vom Gewehr MA Wintores und behielt das Funktionsprinzip des Dragunow-Mechanismus bei. Trotz ihrer Mängel gilt die Dragunow nach wie vor als zuverlässiges, halbautomatisches Scharfschützengewehr: Die SVCh ist ein bewährtes Waffenkonzept, das in einem hochmodernen Gehäuse untergebracht ist. Das Gewehr sieht nicht nur genauso gut aus wie die Konkurrenz (z.B. Heckler&Koch), sondern verfügt auch über eine unglaubliche Ergonomie. Die grobe Sicherheitsvorrichtung der Dragunow, die sich in der Mitte der Waffe befindet, wurde durch einen praktischen Zweiwege-Wechselhebel ersetzt, der mit dem Daumen bedient wird, was es einfacher macht, das Feuer in einer Notsituation zu eröffnen.

Bemerkenswert ist auch die neue klappbare Teleskop-Schulterstütze, die sich an jeden einzelnen Schützen anpassen lässt. Der Shock-Trigger-Mechanismus kann fein abgestimmt werden, sowohl in Bezug auf die Kraft als auch auf den Druckpunkt des Auslösers. Die SVCh ist taktisch flexibel und arbeitet mit einem hochwirksamen pneumatischen Schalldämpfer-Mechanismus.

Auf dem internationalen Markt wird die SVCh mit der Weltspitze, den deutschen und amerikanischen Gewehren HK417, SCAR-H und AR-10 konkurrieren. Es ist noch zu früh, um ein abschließendes Urteil zu fällen, aber in Russland wird die Waffe lautstark gehypt.

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