Krownyje (vom Wort krow, dt.: Blut), trudowyje (vom Wort trud, dt.: Arbeit),naschítyje neposílnym trudóm (dt.: durch harte Arbeit gewonnen, wörtlich: durch unzumutbare Arbeit Erworbenes) – das sind nur einige der Synonyme, die es im Russischen für Geld gibt.
„In Russland wollen alle reich werden, aber keiner mag die Reichen“, meint die Schriftstellerin Tatjana Tolstaja und fügt hinzu: „Geld ist in den Köpfen der Russen etwas Böses, aber gleichzeitig auch etwas Begehrenswertes.“
Ein Standbild aus „Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf“.
Leonid Gaidai/Mosfilm, 1973Im russischen Volk ist Geld zu einer Art kulturellem Code geworden. Die Sorge um sein Fehlen oder der Neid und Hass auf die Reichen sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens, der Literatur und des Films. In vielen von Dostojewskis Romanen führt Geld zu Mord. Der Geldverleiher galt in Russland als das leibhaftige Böse. Um das Geld hat sich eine ganze Folklore entwickelt – und die russische Einstellung zum Geld wird in einer Vielzahl von Sprichwörtern zum Ausdruck gebracht.
Darüber hinaus gibt es in der russischen Sprache eine Vielzahl von Begriffen, die das Wort Geld selbst ersetzen. Hier sind die beliebtesten davon.
Boris Kustodijew. Kaufmann (alter Mann, der sein Geld zählt). Vervielfältigung.
SputnikDies ist der Name der russischen Währung. Man benutzt das Wort aber nicht nur, um zu sagen, wie viel etwas kostet, sondern auch, um die Art der Währung zu betonen. Rubel sind ein vollwertiges Synonym für Geld. „Liebe kann man nicht für Rubel verkaufen.“
Gleichzeitig haben viele Scheine mit unterschiedlichen Nennwerten ihren eigenen volkstümlichen Spitznamen, viele davon stammen aus dem Jargon der Diebe.
Ein Standbild aus dem gemeinsamen jugoslawisch-sowjetischen Film „Aleksa Dundić“ (1958).
SputnikUrsprünglich handelte es sich um einen Handelsjargon, der wahrscheinlich von den Deutschen übernommen wurde, für die ein Geldbündel einem durchgeschnittenen Kohlkopf ähnelte. Das Wort war besonders in der Sowjetzeit weit verbreitet. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Blatnój, der Gefängnisjargon, zum Allgemeingut und fand Einzug in die russische Umgangssprache (wahrscheinlich aufgrund der Rückkehr einer großen Zahl von Menschen aus den Lagern). Wie der berühmte sowjetische Schriftsteller Sergej Dowlatow 1980 schrieb: „Früher konnte zum Beispiel nur ein Schwarzhändler das Wort Kapusta benutzen.“
>>> Zigaretten, Jeans und Magazine: Die geheime Welt der sowjetischen „Farza“
In den 1990er Jahren, inmitten der sich neugestaltenden Handels- und Finanzbeziehungen, wurde das Wort wieder populär und oft im Zusammenhang mit dem US-Dollar verwendet. Auch der Ausdruck rubítj kapústu (dt.: Kohl hacken, d.h. Geld machen) tauchte auf.
Sowjetische Banknoten und Münzen.
Wladimir Wdowin/SputnikAuch diese Wörter waren in den 1990er Jahren sehr beliebt. Sie wurden aktiv von den „neuen Russen“, d. h. den frischgebackenen Geschäftsleuten, verwendet. Sie waren pri bablé, das heißt, sie hatten reichlich knete. Diese Synonyme haben eine negativ gefärbte Konnotation. On podálsja sa babló (dt.: Er hat sich für Knete verkauft), Tólko o bábkach i dúmajesch (dt.: Du denkst immer nur an Knete). Babló – das ist Geld, das mit unredlichen Mitteln verdient wurde.
Aber bábka bedeutet im Russisch Babuschka. Was hat also Geld damit zu tun? Das Wort Bábka hat nämlich noch andere Bedeutungen. So wurden im Russischen zum Beispiel auch Spielknochen (Astragale) so genannt. Übrigens gibt es einen solchen Ausdruck saschibátj bolschije bábki, was so viel wie viel verdienen bedeutet.
Es gibt auch eine Version, nach der dieses Wort den gleichen Ursprung hat wie Katenka und ist es wiederum mit den Geldscheinen des 18. Jahrhunderts verbunden, auf denen Kaiserin Katharina II. Dargestellt war, also eine baba (Frau) oder babka (alte Frau).
Das große Geld. Leningrad in den frühen 1990er Jahren.
Sammlung Anton PotapowEinige Forscher glauben, dass lawé vom englischen Wort love stammt. Aber noch plausibler wird eine andere Version gesehen. Der Ausdruck Lawé wurde in Russland bereits vor der Revolution verwendet und ist aus dem Umfeld der Roma in die Sprache eingedrungen. So nannten die Roma, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert unverzichtbare Teilnehmer an verschiedenen Unterhaltungsveranstaltungen waren, Geld. In den 1990er und 2000er Jahren kam dieses Wort wieder in Mode.
Ein Standbild aus dem Film „Lopuhi“ (2009) von Sarik Andreasjan.
SputnikIn den 1990er Jahren begann der US-Dollar nach Russland einzudringen, und zwar in großen Mengen. Diese Währung wurde als Sélen bezeichnet – nach ihrer Farbe. Die Amerikaner selbst nennen Dollars auch Backs. Dieser Ausdruck stammt von greenback (engl.: grüner Rücken), der umgangssprachlichen Bezeichnung der ersten in Umlauf gebrachten Dollarnoten. Das Wort hat sich auch in Russland eingebürgert.
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.
Abonnieren Sie
unseren kostenlosen Newsletter!
Erhalten Sie die besten Geschichten der Woche direkt in Ihren Posteingang!