Die verlorenen Fabergé-Schätze: Auf Spurensuche

Reuters
Fabergé ist bekannt für die edelsteinbesetzten Ostereier und eine Masse an angehäuften Schätzen. Aber zur revolutionären Zeit hat die Firma viele ihrer wertvollen Objekte aus den Augen verloren. Ist es möglich, dass sie immer noch in Russland sind?

Peter Carl Fabergé, ein Russe mit deutschen Wurzeln, belieferte die russische Zarenfamilie in den 1880er Jahren mit Schmuck. Bis 1917 war seine Firma 7,5 Millionen Goldrubel (etwa 122 Millionen Euro) wert, eine enorme Summe für die damalige Zeit.

Der größte Teil des unschätzbaren Schmuckbestands der Firma befand sich in einem besonderen Tresorraum, dem „Goldenen Raum“ in der Firmenzentrale in Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg. Schmuck und Wertgegenstände von Fabergé-Kunden wurden auch im gepanzerten und unter Strom gesetzten Raum aufbewahrt. Für zusätzliche Sicherheit wurde der Tresor in eine Art Aufzug eingebaut, der es ermöglichte, ihn über Nacht zwischen dem zweiten und dritten Stock des Büros zu platzieren.

Schmuck vor den Bolschewiki verstecken

Als die Bolschewiki an die Macht kamen, verstaatlichten sie das Schmuckgeschäft in Russland. Carl Fabergé hatte keinen Platz in der neuen sowjetischen Ordnung, wanderte aus und landete in der Schweiz. Die meisten Schätze, die im Goldenen Raum aufbewahrt wurden, blieben jedoch in Russland, da es unmöglich war, sie außer Landes zu bringen.

Bevor er Russland verließ, bot Fabergé, wenige Monate nach der Revolution der Bolschewiki, den Schweizern sein Hauptquartier für ihre diplomatische Vertretung an, um dem Gebäude eine diplomatische Immunität zu verleihen, die die Sicherheit des aufbewahrten Schmucks garantierte. „Als eines seiner ersten Dekrete entschied Lenin, dass das Eigentum diplomatischer Vertretungen sicher sei. Und während die Vertretung im Haus war, gab es keine Durchsuchungen“, sagt Viktor Skurlow, Kunstexperte und Berater des Auktionators „Christie's“. Später, nachdem der diplomatische Schutz für das Gebäude aufgehoben worden war, durchsuchten bolschewistische Behörden das Gebäude vier Mal. „Während dieser Durchsuchungen fanden sie 1 500 in den Wänden versteckte Kästen, von denen nur 200 Fabergé gehörten. Der Rest war Eigentum der Schweizer - hauptsächlich Uhren“, fügte Skurlow in einem Interview hinzu (rus). Die von den Behörden gefundenen Waren wurden verstaatlicht.

Es ist klar, dass nicht alle Fabergé-Schätze in diesen 200 Kisten waren. Es wird angenommen, dass als zusätzlicher Schutz und um den Schmuck vor bolschewistischen Händen zu schützen, ein Teil der Schätze in die norwegische Botschaft überführt wurde. Doch schon in der Nacht, als der Schmuck umgezogen war, wurde die norwegische Botschaft überfallen und von Unbekannten ausgeraubt (rus).

Die verschlüsselte Liste der Schätze

Viele Fabergé-Objekte kamen in den Westen, einige wurden von einem Fabergé-Angestellten aus dem Land geschmuggelt. Nach Skurlow blieb jedoch viel in Russland, da nicht alle Schmuckstücke im Goldenen Raum aufbewahrt wurden. In den späten 1920er Jahren gab es in Russland noch viele versteckte Fabergé-Schätze.

„1930 erstellte Carls Sohn, der ebenfalls auswanderte, eine Liste dieser Orte. Ich kalkulierte, dass es im Falle von 15 von ihnen Notizen gab wie „erhalten“ oder „bleibt in Finnland“. Andere sind mit „unbekannt“ oder „von den Bolschewiki geplündert“ gekennzeichnet“, sagte Skurlow. Es wird davon ausgegangen, dass in Petrograd allein 30 solcher Orte erwähnt wurden. Die Aufgabe, sie zu finden, wird nicht nur mit der vergehenden Zeit komplizierter, sondern auch dadurch, dass die Liste verschlüsselt (rus) wurde.

Fundgrube

Manchmal tauchen die Fabergé-Schätze von selbst auf. Das war im Jahr 1990 der Fall, als Bauarbeiter, die ein altes Gebäude im Zentrum von Moskau abgerissen haben, unter einem der Fenster ein Versteck fanden. In zwei Blechdosen befanden sich 20 mit Diamanten besetzte Goldschmuckstücke. Alle waren mit dem Zeichen von Fabergé versehen. Ihr ungefährer Wert betrug 360 000 sowjetische Rubel oder etwa 487 000 Euro.

Vor ein paar Jahren tauchte ein Fabergé-Osterei, das für die Romanows angefertigt wurde, im amerikanischen Mittleren Westen auf, wo ein glücklicher Käufer es für einen Bruchteil seines wahren Wertes auf einem Flohmarkt kaufte (rus).

Viele Fabergé-Objekte sind jedoch bis heute verschwunden. Zum Beispiel ist von den insgesamt 54 Ostereiern nur das Schicksal von 48 Eiern bekannt. Sechs fehlen. Ihr geschätzter Wert liegt bei weit über 80 Millionen Euro.

Deshalb ist es durchaus möglich, dass einige Schätze von Fabergé noch irgendwo in Russland versteckt sind, da niemand genau weiß, wie viele Fabergé-Geheimverstecke von der kodierten Liste tatsächlich gefunden wurden.

>>>Die Fabergé-Saga: Vom Untergang zweier Imperien

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