Die hohe Kunst der Kriegsführung: Drei unbesiegte russische Heerführer

Porträt des sowjetischen Marschalls Georgi Konstantinowitsch Schukow von Pawel Korin, 1945

Wladimir Bojko/Global Look Press
Russland hat im Laufe seiner Geschichte viele Schlachten bestritten. Russia Beyond stellt Ihnen drei der brillantesten und prestigeträchtigsten russischen Militärstrategen vor.

  1. Alexander Suworow

Alexander Suworow war ein hochdekorierter Oberbefehlshaber, der noch heute als einer der besten Strategen der Kriegsführung gilt. In seiner langen militärischen Laufbahn verlor er keine einzige Schlacht – er führte seine Truppen zu mehr als 60 Siegen. Hierbei war die Belagerung der türkischen Festung Ismajil im Jahre 1970 mitunter eine seiner schwierigsten Schlachten.

In der Zeit des Russisch-Türkischen Krieges galt die Festung Ismajil an der Donau als zentraler strategischer Ausgangspunkt. Die Festung bestand aus einer gut befestigten Anlage, mit einer schwer zu erklimmenden Mauer sowie einem zehn Meter tiefen Graben. Im Jahre 1790 stand der Stratege Suworow mit einem Heer von 31 000 Soldaten einer Streitmacht von 35 000 Mann gegenüber.

Dieses Ungleichgewicht schien Suworow jedoch nicht sonderlich zu stören. Er forderte die Türken zur sofortigen Aufgabe der Festung auf. Seine Botschaft lautete: „Ich gebe euch 24 Stunden Bedenkzeit, in der ich euch die Freiheit gewähre. Der erste Schuss bedeutet Gefangenschaft. Der Angriff – Tod.“ Die Antwort der Belagerten ließ nicht lange auf sich warten: „Es ist wahrscheinlicher, dass die Donau rückwärts fließt und die Sonne auf die Erde fällt, als dass Ismajil sich ergibt.“

Angriff auf die Festung Ismajil am 11. Dezember 1790 von E. Danilewsky, W.Sibirsky, 1972

Sechs Tage lang trainierte Suworow mit seinen Soldaten Gräben und Mauern zu überwinden. Vor der Morgendämmerung griff er die Festung aus drei verschiedenen Richtungen an. Durch diesen unerwarteten Schachzug wurden die Türken überrascht und waren in ihrem Handeln orientierungslos und unsortiert. Die Türken verteidigten Ismajil vehement und rund um die Festung entbrannte eine erbitterte Schlacht. Gen Morgen nahmen die Russen die äußere Befestigungsanlage ein und stürmten die Stadt. Die Schlacht auf den Straßen der Stadt verwandelte sich in ein Blutbad.

Gegen vier Uhr nachmittags war die Festung eingenommen. Rund 26 000 Türken waren in der Schlacht gefallen und etwa 9 000 Türken kamen in Gefangenschaft. Auf der russischen Seite verloren rund 2 200 Soldaten ihr Leben. Jahre später gestand Suworow, dass „man es nur einmal im Leben wagen könnte, eine solche Festung anzugreifen“.

  1. Fjodor Uschakow

Ein weiterer russischer Militärführer aus dem 18. Jahrhundert, welcher keine einzige Schlacht verlor, war der Admiral Fjodor Uschakow. Unter seinem Kommando wurde kein Schiff verloren und keiner seiner Seeleute geriet in Gefangenschaft.

In seinen Kämpfen mit den Türken war Uschakow stehst siegreich. Im Gegensatz zu den traditionell starken russischen Bodentruppen befand sich die russische Flotte am Schwarzen Meer Ende des 18. Jahrhunderts noch im Aufbau. Daher wurde diese zu der Zeit noch von der türkischen Flotte übertroffen. Aus diesem Grund vermied die Schwarzmeerflotte vehement Kämpfe mit der türkischen Marine. Dies änderte sich jedoch im März 1790, als Uschakow die Leitung der Flotte übernahm. Er legte ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung und brach mit den bestehenden starren Traditionen einer Seeschlacht. Stattdessen verfolgte er einen flexibleren und innovativeren Ansatz. Dieser sollte es den Schiffen ermöglichen, während des Kampfes die Schiffe geschickter und leichter zu manövrieren.

Die Seeschlacht von Tendra am 8. und 9. September 1790 von Alexander Blinkow

Die innovativen Methoden und Ansätze Uschakows fruchteten binnen kurzer Zeit. Im September 1790 in der Schlacht von Tendra nahe der bulgarischen Küste kam es sogleich zu taktischen Erfolgsmomenten gegen die türkische Flotte mit 14 Schlachtschiffen. Ihr gegenüber standen zehn russische Kriegsschiffe. Trotz der Überlegenheit der Türken entschied sich Uschakow für einen direkten Frontalangriff: Er konzentrierte das Feuer auf die strategisch wichtigsten türkischen Schiffe. Mithilfe dieser Taktik konnte sich die türkische Flotte nicht lange halten und trat panisch den Rückzug an. Die darauffolgende Hetzjagd dauerte zwei Tage. Insgesamt beklagte die türkische Marine den Verlust von sechs Schiffen und mehr als 2 000 gefallenen Soldaten. Auf russischer Seite wurden 21 Tote und 25 Verwundete vermerkt.

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  1. Georgi Schukow

Porträt des sowjetischen Marschalls Georgi Konstantinowitsch Schukow von Pawel Malkow, 1943

Der dritte Kommandant bewies sein Talent in der Sowjetzeit während des Zweiten Weltkrieges. Georgi Schukow wurde viermalig als Held der Sowjetunion betitelt und erhielt auch viele weitere Auszeichnungen. Er vertrat mitunter die UdSSR, als Deutschland die bedingungslose Kapitulation unterzeichnete. Zudem war er es, der die Siegesparade in Moskau im Juni 1945 beaufsichtigte.

An der deutsch-sowjetischen Front hielt Schukow eine entscheidende Rolle bei der Planung und Durchführung wichtiger Operationen der Roten Armee inne – einschließlich der letzten Schlacht um Berlin. Dafür musste seine 1. Belorussische Front die gut befestigten deutschen Positionen angreifen.

Der Angriff begann in der Nacht des 16. April mit einem beispiellos starken und koordinierten Artilleriebeschuss. Noch vor Tagesanbruch griffen Panzer in die Schlacht ein, welche von der Infanterie unterstützt wurden. Dieser Angriff wurde mithilfe von Scheinwerfern, die hinter den vorrückenden Truppen postiert wurden, ermöglicht.

Georgi Schukow (links), Arthur Pieck (zweiter von links) und Nikolaj Bersarin (dritter von links) in Berlin

Zwei Wochen später, am 1. Mai, wurde das rote Banner über dem Gebäude des Reichstages gehisst – die Eroberung Berlins war besiegelt. Die meisten Historiker schätzen das militärische Genie von Schukow im vollen Maße und einige nennen ihn gar „Paganini der Kriegskunst“ (rus).

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